30. August 2021, 22:03 Uhr

HINTERGRUND

In guten und in schlechten Zeiten

Seelsorger am Frankfurter Flughafen unterstützen Reisende vor allem in Krisensituationen: ob beim Verlust eines geliebten Menschen, bei Problemen mit der Weiterreise oder im Zusammenhang mit Corona. Pater Goldkuhle und Pfarrerin Klünemann sind dann zur Stelle.
30. August 2021, 22:03 Uhr
Avatar_neutral
Von DPA
Die Seelsorger am Frankfurter Flughafen wie Pater Heinz Goldkuhle sind an den gelben Jacken zu erkennen. In Krisensituationen sind sie für Mitarbeiter und Reisende da. FOTO: DPA

Ein offenes Ohr und eine helfende Hand hat Pater Heinz Goldkuhle für seine Gemeinde immer. Das besondere daran: Diese besteht aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Frankfurter Flughafens sowie zahlreichen Reisenden. Viele davon sieht er nur ein einziges Mal. »Ein paar Stammkunden haben wir hier trotzdem«, sagt Goldkuhle. Seit acht Jahren arbeitet er als katholischer Seelsorger am größten deutschen Airport.

»Hier habe ich schon viele spannende Menschen getroffen und vieles miterlebt«, sagt der 71-Jährige und blickt an die Gedenktafel in der Flughafenkapelle in Terminal 1. Diese erinnert an ehemalige Kolleginnen und Kollegen, die am Flughafen verstorben sind.

»Wenn jemand vom Flughafenpersonal stirbt, halten wir hier in der Kapelle eine Trauerfeier ab«, sagt der Pallottiner-Pater und erinnert sich etwa an den Fall eines Stewards. »Obwohl der junge Mann in New York gestorben ist, fand die Trauerfeier hier statt. Es war eine sehr bewegende Feier.« Anschließend können Angehörige und Kollegen immer wieder in die Kapelle zurückkehren, Kerzen anzünden oder ein Gespräch mit dem Geistlichen suchen.

Auch wenn Reisende einen Verlust erleben, werden sie häufig von Goldkuhle am Flughafen in Empfang genommen. »Auf das, was kommt, vorbereiten, trösten, beten« gehöre dann zu den Aufgaben des Gläubigen. Auf einem Flug aus Afrika sei ein Kind eine Stunde vor der Landung in den Armen seiner Mutter gestorben, sagt der Pater. Bevor es Formalitäten zu klären gebe, sei es ihm besonders wichtig gewesen, zunächst an Bord mit der Familie und der Crew ein Gebet zu sprechen.

Und nach einem plötzlichen Todesfall unter dem Flughafenpersonal habe er auch schon eine Ansprache mitten auf dem Rollfeld gehalten. »Dabei blieb kein Auge trocken. Die Mitarbeiter haben den Kollegen ja bis zum letzten Moment noch erlebt und gekannt«, erläutert Goldkuhle.

Auch in anderen Krisensituationen, versuchen Flughafenseelsorger zu helfen. »Wir führen Gespräche mit Angestellten, die in finanziellen Nöten sind, oder vermitteln einen Schuldnerberater«, erklärt Goldkuhle. Wenn Reisende etwa wegen abgelaufener Corona-Tests oder plötzlich geänderter Reisebestimmungen am Airport stranden, helfen Seelsorger häufig mit Essenspaketen aus. »Oft entstehen finanzielle Engpässe. Manchmal springen wir ein und übernehmen die Kosten für einen neuen Corona-Test.«

Doch das Seelsorgepersonal erlebe auch viele freudige Momente, erklärt die Pfarrerin der evangelischen Flughafenseelsorge, Bettina Klünemann. »Vor einigen Tagen habe ich hier in der Flughafenkapelle noch eine Taufe durchgeführt.« So etwas passiere zwar sehr selten, aber auch Trauungen seien am Flughafen möglich, sagt sie.

»Obwohl wir im kommenden Jahr unser 50-jähriges Jubiläum feiern, wissen viele gar nicht, dass es uns gibt.« Daher sei es für Seelsorger wichtig, viel in den Flughafenterminals unterwegs zu sein und zu schauen, wo geholfen werden kann. Zu erkennen sind die Helfer an ihren strahlend gelben Westen. »Oft geht es den Leuten schon besser, wenn sie wissen, dass sie nicht alleine sind.« Eine Sprachbarriere gibt es laut Klünemann trotz der Internationalität am Flughafen selten. »Man kann sich immer irgendwie verständigen.« In dem Ehrenamtsteam, das aus mehreren Leuten bestehe, seien viele verschiedene Sprachen vertreten.

Auch die Konfession der Hilfesuchenden spielt keine Rolle, wie Pater Goldkuhle erklärt. Ein Seelsorgeangebot speziell für muslimische und jüdische Gläubige sei daher bisher nicht geplant, sagt die Flughafensprecherin Yi-Chun Sandy Chen. »Selbstverständlich können sich Anhänger jeder Konfession an die evangelische und katholische Flughafenseelsorge wenden. Hier wird jedem geholfen.«

Pater Goldkuhle freut sich, dass er auch die Betreuung Andersgläubiger übernehmen kann. »Wenn etwa Muslime in die Kapelle kommen, zeige ich ihnen gerne die Gebetsrichtung nach Mekka an.« Wie die Flughafensprecherin erläutert, sind die anderen zehn Gebetsräume am Airport wegen der Corona-Bestimmungen immer noch geschlossen. In der ökumenischen Kapelle findet laut Goldkuhle allerdings jeder einen Platz für ein Gebet oder schlichtweg einen Ort, um dem Flughafentrubel für einen Moment zu entfliehen.

Am Frankfurter Flughafen sind annähernd 81 000 Menschen beschäftigt. Damit trägt der größte deutsche Flughafen auch den Titel der größten lokalen Arbeitsstätte Deutschlands. Insgesamt verteilen sich die Arbeitsplätze auf rund 500 am Flughafen ansässige Unternehmen. Etwa 20 Prozent der Flughafenmitarbeiter gehören zur Fraport AG, dem Betreiber des Airports. Neben den Angestellten der Luftverkehrsgesellschaften zählen etwa auch Reinigungskräfte, Hotelangestellte, Verkäufer, Sicherheitsleute, Seelsorger und Mitarbeiter von Behörden zum Personal der Airport-City Frankfurt. dpa



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos