10. Februar 2021, 21:41 Uhr

Kinderarzt stirbt an Corona

10. Februar 2021, 21:41 Uhr
Laut Kassenärztlicher Vereinigung sind bereits drei niedergelassene Ärzte in Hessen an Corona gestorben. SYMBOLFOTO: DPA

Michelstadt - Am Samstag ist Rainer Trumpfheller an Covid gestorben, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Michelstadt. Nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ist es der dritte niedergelassene Arzt in Hessen, der an den Folgen einer Corona-Infektion starb. Die anderen beiden stammten aus Nordhessen und Frankfurt, wie Frank Dastych vom Vorstand der KV Hessen sagte. Ob sie sich bei der Arbeit infiziert haben? »Bei diesem diffusen Infektionsgeschehen ist das schwer zu beurteilen.« Mindestens 100 andere Kollegen hätten sich bereits infiziert. »Die haben zunehmend Angst.«

62-Jähriger ohne Vorerkrankungen

Trumpfheller, 62, habe keine Vorerkrankungen gehabt, sagt Ingo Drehmer, Urologe und Sprecher der Odenwälder Ärztegenossenschaft, in der der Verstorbene Mitglied war. Angesteckt habe er sich wahrscheinlich im ärztlichen Bereitschaftsdienst. Zur Trauer und zu dem Schock der Kolleginnen und Kollegen mischt sich Wut auf die Politik und die Befürchtung, sich ebenfalls zu infizieren. Die Genossenschaft fordert, die Niedergelassenen auf der Liste der Impfprioritäten nach oben zu setzen. Im benachbarten Bayern seien viele Niedergelassenen bereits geimpft, sagt Drehmer.

Doch Hessen hält an der Coronavirus-Impfverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit fest. Zunächst müssten jene geschützt werden, die persönlich das größte Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf oder sogar Tod bei einer Covid-Erkrankung trügen. »Gerade bei Ärzten kommt es dabei auf den jeweiligen Einsatzort und die jeweilige konkret ausgeübte Tätigkeit an«, teilt eine Sprecherin der Sozialministeriums auf Anfrage mit. »Die Mitarbeitenden in hausärztlichen Praxen sind als Personal mit hohem Expositionsrisiko eingestuft.« In der Konsequenz bedeutete das: Sie kommen erst an die Reihe, wenn die Menschen im Alter über 80 Jahre und die Pflegeheime durch sind sowie das Personal in den Kliniken, die Corona-Patienten behandeln.

Bis sie dran sind, werden angesichts der knappen Impfstoffmengen noch Wochen vergehen. Es gebe allerdings Ausnahmen, heißt es aus dem Sozialministerium. Und zwar für Personen, die Einrichtungen der stationären Pflege regelmäßig betreten und in der Versorgung der dort Wohnenden tätig sind. »Hierunter fallen auch Hausärztinnen und Hausärzte.«

Das ist die Theorie, sagt Frank Dastych, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen. In Wirklichkeit beschränke sich die Möglichkeit einzig auf Hausärzte. Alle anderen gingen leer aus. Von der Psychiaterin, die sich um Demenzerkrankte kümmert, über den Urologen bis hin zur Gynäkologin, die ebenfalls häufig in den Pflegeheimen behandelten. »Das Problem ist die Auslegung der Impfverordnung durch das Innenministerium«. sagt Dastych. »Da haben wir uns schon den Mund fusselig geredet.« Dabei sei die Gefahr in den Praxen oder im ärztlichen Bereitschaftsdienst höher als in Krankenhäusern, wo sich die Beschäftigten umfangreich schützen könnten. JUTTA RIPPEGATHER, FR

Schlagworte in diesem Artikel

  • Covid-19
  • Fachärzte
  • Gynäkologinnen und Gynäkologen
  • Hausärzte
  • Impfungen
  • Infektionskrankheiten
  • Kinder- und Jugendmedizin
  • Kinderärzte
  • Krankenhäuser und Kliniken
  • Ärzte
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos