19. Mai 2022, 19:58 Uhr

Lokführer kommt ums Leben

19. Mai 2022, 19:58 Uhr
Bei einem Unfall mit zwei Güterzügen bei Münster in Südhessen starb ein 49-Jähriger. FOTO: DPA

Münster - Es muss ein unglaublich lauter Schlag gewesen sein, der etliche Münsterer gestern am frühen Morgen gegen 4 Uhr aus dem Schlaf gerissen hat. »Was war denn das eben?«, fragten schon kurz danach in sozialen Medien Anwohner nach der Ursache. »Es kam aus Richtung Feld. Wahrscheinlich von der Bahnstrecke«, lauteten die ersten Mutmaßungen. Die dann immer wieder hörbaren Martinshörner von Feuerwehrfahrzeugen ließen Schreckliches erahnen und bald wurde es Gewissheit: Auf der Bahnstrecke Aschaffenburg - Darmstadt hat sich auf Höhe von Münster-Altheim ein schweres Zugunglück ereignet, bei dem ein Lokführer ums Leben gekommen ist.

Den ersten Erkenntnissen der Bundespolizei zufolge hatte ein Güterzug auf der zweigleisigen Strecke wegen einer defekten Oberleitung gestanden. Auf diesen muss dann mit großer Wucht ein nachfolgender Güterzug aufgefahren sein.

Bei Tagesanbruch wird das ganze Ausmaß des Unfalls sichtbar. Die tonnenschwere Lok des auffahrenden Zuges ist entgleist und liegt auf der Seite im angrenzenden Getreidefeld. Waggons sind ineinandergeschoben, aufgerissen und ragen bizarr in die Höhe. Geladene Getränkekisten liegen weit verstreut umher. Für den eingeklemmten 49-jährigen Lokführer kommt jede Hilfe zu spät. Er erliegt noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen. Der Lokführer in dem anderen Güterzug bleibt unverletzt, muss jedoch betreut werden.

Zu den ersten Rettungskräften vor Ort gehört Münsters Gemeindebrandinspektor Florian Kisling. Er und seine Feuerwehrkollegen müssen sich zunächst ein Bild von der Unglücksstelle machen, die sich über etwa 450 Meter erstreckt. »Sind es wirklich nur zwei Güterzüge oder doch auch ein Personenzug? Sind Gefahrenstoffe geladen?«, sind zwei der Fragen, die Kisling beim Eintreffen am Unfallort durch den Kopf gehen. Glücklicherweise können beide Fragen schnell mit einem Nein beantwortet werden. Gegen Mittag übergeben die Feuerwehren die Einsatzstelle an die Deutsche Bahn. Zur Unglücksursache gab es gestern zunächst keine weiteren Informationen. Die Bundespolizei ermittelt.

Streckensperrung bis Himmelfahrt

Klar ist aber: Die Sperrung der Bahnstrecke wird nicht nur wegen den Bergungsarbeiten länger andauern, da neben der Oberleitung auch massive Schäden an den Gleisen entstanden sind. Die Hessische Landesbahn, die für den Bahnverkehr auf der Regionalbahnlinie 75 zwischen Darmstadt und Aschaffenburg zuständig ist, teilte mit, dass »von einer Streckensperrung bis zum Himmelfahrtstag, 26. Mai«, auszugehen ist. Norman Körtge



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