29. Juni 2021, 21:08 Uhr

Polizist und Waffennarr verurteilt

29. Juni 2021, 21:08 Uhr
Der Angeklagte G.

- Die Überraschung kam zum Schluss: Ein 46-jähriger Polizist aus Kirtorf ist vom Alsfelder Schöffengericht wegen Verstößen gegen das Waffengesetz zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt worden. Für die mitangeklagten Chats mit volksverhetzenden Inhalten gab es einen Freispruch, weil die Bilder und Texte nur in geschlossenen Gruppen und nicht öffentlich geteilt wurden.

Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre mit Bewährung beantragt, die Verteidigung acht Monate. Das Verfahren reiht sich ein in Ermittlungen gegen Polizeibeamte nach Drohungen gegen eine Frankfurter Rechtsanwältin und weitere Frauen unter dem Pseudonym NSU 2.0.

Angeklagt waren neun Delikte, wie Staatsanwalt Alexander Klein ausführte. Darunter waren sieben Mitteilungen in Chats, die Ende 2018 auf einem Smartphone des Polizisten gefunden wurden. In einem Halloween-Gruß war Adolf Hitler zu sehen, eine Gruppe dunkelhäutiger Spielzeugpuppen sollte aus dem Land geschafft werden, und eine sexuelle Handlung mit einem Hund wurde mit »Schöne Grüße aus Kanackistan« beschriftet. Andere Bilder zeigten Hakenkreuze und Hitler. Das wertete der Staatsanwalt als Kennzeichen einer nationalsozialistischen Organisation und Volksverhetzung. Mitangeklagt waren der Besitz von Waffen, etwas Schwarzpulver und große Mengen Munition, die bei einer Hausdurchsuchung aufgetaucht waren. Zwei Leuchtspurgeschosse fielen unter das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Der Angeklagte G. zeigte sich vor Gericht sehr gesprächig und wies die Vorwürfe rechtsextremistischer Orientierung zurück. »Ich bin weder rechts noch links«, betonte er und verwies auf muslimische Fußballkumpel, mit denen er sehr guten Kontakt halte. »Ich hatte nie rassistische Hintergedanken«, es sei dumm gewesen, solche Bilder zu teilen. Auf jeden Fall hat der 46-Jährige großes Interesse an der Militärgeschichte. In einem Raum seines Hauses sind Bilder, Bücher, Säbel, Fahnen und anderes aus der Zeit des 1. und 2. Weltkriegs gelagert. Zu der Sammlung gehörten auch Waffen, etwas Sprengstoff und viel Munition. Die drei Richter schlossen sich in der Beurteilung der Sicht des Verteidigers an. Die Chats seien nicht öffentlich gewesen, also nicht strafbar. Dafür gab es eine höhere Strafe für die Verstöße gegen das Waffengesetz. Gerade ein Polizist dürfe nicht lax mit dem Vorschriften umgehen. Bei einer Haftstrafe von über einem Jahr wird ein Beamter üblicherweise entlassen. Joachim Legatis/FOTO: JOL

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