02. August 2021, 20:33 Uhr

Rechner haben stundenlang zu tun

02. August 2021, 20:33 Uhr

- Hessen kann nach Einschätzung des Direktors des Frankfurter Universitätsklinikums die Covid-Fallzahlen ziemlich präzise vorhersagen. Hessen habe ein aufwendigeres Prognosesystem als andere Bundesländer, sagte Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums. Graf leitet auch den Planungsstab stationäre Versorgung am hessischen Sozialministerium und schafft in dieser Funktion die Rahmenbedingungen für die Versorgung der Covid-19-Patienten in den Klinken des gesamten Landes.

Ein Projektteam des Netzwerks Universitätsmedizin erstelle diese »Ensembleprognose« einmal wöchentlich. »Das ist wie bei der Wettervorhersage«, erklärte Graf. Die Datenmenge sei so umfangreich und die Modelle seien so komplex, dass die Großrechner damit mindestens einen halben Tag beschäftigt seien. Eingespeist werden zum Beispiel die aktuellen Belegungszahlen der Krankenhäuser, die Ergebnisse der Corona-Tests aus den Landkreisen und der R-Wert, der angibt, wie schnell das Virus sich verbreitet. Mathematische Modelle errechnen dann aus diesen Ist-Daten die Vorhersage für die nächste Woche. »Damit können wir die Entwicklung ziemlich präzise vorhersagen und unsere Kapazitäten in Hessen planen und steuern«, sagte Graf. Mit einer »Hospitalisierungsverordnung« wurden Krankenhäuser in ganz Deutschland Mitte Juli verpflichtet, mehr Daten über Covid-19-Betroffene zur Verfügung zu stellen als bisher - zum Beispiel nicht nur die auf Intensivstationen, sondern alle Krankenhausaufnahmen.

Vernetzung ist das A und O

Diese Verordnung sei »insgesamt positiv zu sehen«, sagte Graf, »für Hessen ist sie aber nicht nötig«. In die hessische Prognose flössen mehr Daten ein, als bundesweit gemeldet werden müssten. Außerdem fehle im Bund aktuell noch »ein Handlungsarm, der aus den Erkenntnisse konkrete Aktionen ableitet«, sagte Jürgen Graf.

In Hessen hingegen würden aus den Vorhersagen sofort Schlüsse gezogen - etwa Vorhaltezahlen für Kliniken erhöht oder Patienten umverteilt, um die Notfallversorgung flächendeckend sicherzustellen. »Um dies für alle Krankenhäuser zu gewährleisten, braucht es allerdings nicht nur Prognosen und Zahlen, sondern vor allem Vernetzung und Kommunikation«, sagte der Mediziner. In Hessen sind innerhalb eines Tages 48 neue Corona-Infektionen gemeldet worden. Weitere Todesfälle kamen nicht hinzu, wie gestern Morgen aus Daten des Robert- Koch-Instituts hervorgeht. Die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche lag bei 18,7 - nach 18,6 am Sonntag. Seit Beginn der Pandemie wurden landesweit 294 967 Infektionen gemeldet. Im Zusammenhang mit dem Virus starben 7587 Menschen. Auf den Intensivstationen werden derzeit 44 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung behandelt, 16 von ihnen müs- sen beatmet werden (Stand 7.19 Uhr). Inzwischen liegen alle Städte unter der für Lockerungen kritischen Inzidenzmarke von 35. Die höchsten Werte wiesen am Wochenende Frankfurt (33) und Wiesbaden (25,9) auf. Stefan Simon/dpa

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