03. August 2021, 19:48 Uhr

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»Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß«. So weit Friedrich Schiller (»Die Glocke«, 1799). Die Spezies Mensch ist eine der wenigen im Reich der Lebewesen, die schwitzen kann. Doch wozu soll das gut sein und wer schwitzt schon gern?
03. August 2021, 19:48 Uhr
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Nass geschwitzt nach dem Sport: Dazu muss man nicht Sylvester Stallone (»Rocky«) sein. FOTO: DPA

Was ist eigentlich gut

am Schwitzen?

Warmblüter, zu denen der Mensch zählt, haben meist eine höhere Körpertemperatur als ihre Umgebung. Sie geben also ständig Wärme ab. Eigentlich ist das reine Energieverschwendung. Aber es ermöglicht eine konstante Körpertemperatur und damit die Aufrechterhaltung wichtiger Körperfunktionen unabhängig von der Umgebungstemperatur.

Wenn wir nichts tun außer im Sessel zu sitzen und Zeitung zu lesen, gibt unser Körper etwa so viel Wärme ab wie zum Beispiel eine 100-W-Lampe, ein Laptop oder eine Herdplatte auf Stufe 1. Das geschieht einfach durch Wärmeabstrahlung über die Haut (und die Kleidung) an die Umgebungsluft.

Während Sie da gemütlich Zeitung lesen, mache ich mein Lauftraining und produziere glatt zehnmal so viel Wärme, die ich allerdings allein durch Wärmeabstrahlung nicht loswerde. Daher schwitze ich. Das tue ich im Übrigen auch in Ruhe, wenn die Umgebungstemperatur größer ist als meine Körpertemperatur.

Wenn eine Flüssigkeit (also auch Schweiß) verdunstet, wird sie gasförmig. Für diesen Vorgang wird Energie in Form von Wärme benötigt. Die Wärme wird der Haut entnommen und damit aus dem Körper abgeführt, der sie dann auf diese Weise loswird. Diese »Verdunstungskälte« ist ein ziemlich effizientes System der Wärmeabgabe: Wenn ich mit meinem Freund Jürgen nur 4 Kilometer laufe (wir brauchen dafür etwa 25 Minuten), dann produzieren wir etwa 1000 Kilojoule an Wärme. Das würde unsere Körpertemperatur immerhin um ungesunde 5 Grad erhöhen. Um die überschüssige Wärme abzuführen, wird etwa ein halber Liter Wasser (Schweiß) zum Verdunsten benötigt. Weil aber auch so mancher Tropfen Schweiß unverdunstet abtropft, produzieren wir während unseres Laufs fast einen ganzen Liter Schweiß.

Verdunsten funktioniert nur dann, wenn die Umgebungsluft das verdunstete, also gasförmige Wasser aufnehmen kann. Je mehr gasförmiges Wasser die Luft bereits enthält, desto größer ist die Luftfeuchtigkeit und desto geringer die Verdunstungsmöglichkeit. In solch einer schwülen Luft produzieren wir zwar viel Schweiß, der allerdings schlecht verdunstet und daher schlecht kühlt.

Da Wasser beim Verdunsten Energie aufnimmt, hat gasförmiges Wasser bei gleicher Menge und gleicher Temperatur mehr Energie als flüssiges Wasser. Es kann also Energie speichern. Es kann diese Energie auch wieder abgeben, zum Beispiel, wenn es auf eine kühle Oberfläche trifft und dann wieder zu flüssigem Wasser wird. Diesen Vorgang, also das Gegenteil von Verdunsten, nennt man »Kondensieren«. Es bilden sich dabei kleine Wassertröpfchen, etwa auf der Brille oder am Fenster, oder sogar ganze Tropfen am Bierzeltdach. Das ist dann das »Kondenswasser«.

In der Sauna soll man schwitzen, ohne dass der Schweiß verdunstet. Das nötigt den Körper dazu, noch mehr Schweiß zu produzieren und auch auf noch andere Weise zu versuchen, die Wärme loszuwerden, beispielsweise durch höhere Durchblutung und Weitung der Blutgefäße. Das soll ja gesund sein.

Haben Sie schon einen ganz heißen Kopf vom Lesen übers Schwitzen? Na, dann noch mal Schiller: »Bis die Glocke sich verkühlet, lasst die strenge Arbeit ruhn.«

Prof. Breckow ist Experte für Medizinische Physik und Strahlenschutz an der THM Gießen.



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