22. Juni 2021, 21:16 Uhr

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Übliche Herdplatten werden heiß. Bei einem Induktionsherd wird Hitze aber ganz anders erzeugt.
22. Juni 2021, 21:16 Uhr
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Aus der Redaktion
Induktiv gekocht oder nicht: Das ist doch den Spaghetti egal. FOTO: DPA

Wie funktioniert eigentlich ein Induktionsherd?

Da bekomme ich einen Riesenschreck: Klaus-Otto legt seine Hand auf die Herdplatte, auf der gerade vorher ein Topf Wasser mit Spaghetti zum Kochen gebracht worden war. Doch statt aufzuschreien, lächelt er nur und triumphiert: »Ich habe jetzt einen Induktionsherd!« Ich tippe vorsichtig mit der Fingerspitze auf die Herdplatte. Sie ist tatsächlich kaum heißer als die Tischplatte nebenan. Der Topf mit den Nudeln wird wieder auf die Platte geschoben.

»Wieso kann der Herd das Wasser ohne Hitze zum Kochen bringen?«, will ich wissen. Klaus-Otto kennt sich mit Haushaltstechnologie aus: »Die elektrische Energie wird ohne Erhitzung der Herdplatte direkt in Wärmeenergie im Topf übertragen. Man nennt das Induktion.«

In einer üblichen Herdplatte fließt Strom durch einen spiral- oder schlaufenförmig gelegten Draht, der dadurch heiß wird und zu glühen beginnt. Auf dem Keramik-Kochfeld eines Ceran-Herds kann man das auch direkt beobachten. Der heiße Draht des Kochfelds macht die ganze Platte heiß. Wenn man einen Topf Wasser auf die Platte stellt, überträgt sich die Hitze auf den Topf und von da aus auf das Wasser. Es fließt ziemlich viel Strom durch den Heizdraht der Kochplatte: 3 Ampere können es schon sein. Bei einer dreiphasigen Herd-Spannung von 400 Volt entspricht das einer Herdleistung von 1200 Watt (Volt mal Ampere ist gleich Watt).

Ich will auch schlau sein und bemerke: »Der Herd ist der hauptsächliche Stromschlucker im Haushalt. Wenn man täglich eine Stunde lang kocht, macht das im Jahr knappe 500 Kilowattstunden (kWh), für die man immerhin 150 Euro bezahlen muss.« Aber mich interessiert: »Gibt es denn in einem Induktionsherd keine Heizspule?« Klaus-Otto gibt sich viel Mühe mit mir: »Es gibt auch dort eine Spule, durch die Strom fließt. Aber die Spule wird nicht heiß. Sie gibt ihre Energie auch nicht in Form von Wärme ab.«

Der Strom in der Herdspule wechselt ständig und sehr schnell seine Richtung, etwa 50 000-mal in der Sekunde. Man spricht von 50 000 Hertz Wechselstrom. Das bewirkt, dass an das elektrische Feld noch ein magnetisches Feld angekoppelt wird. Beide Felder zusammen bezeichnet man als ein Elektromagnetisches Feld (EMF), mit dem Energie übertragen werden kann.

Das funktioniert ganz grob wie bei einer Radio- oder Handy-Antenne, allerdings bei ganz anderen Frequenzen, mit viel größerer Leistung und viel geringerer Reichweite.

Die EMF-Energie wird von der Herdspule abgegeben und direkt auf den Topf oder die Bratpfanne übertragen. Topf oder Pfanne werden durch die aufgenommene Energie heiß, und man kann dann wie gewohnt kochen oder braten, jedoch ohne dass die Herdplatte selbst dabei erhitzt wird. Wichtig für das »induktive Kochen« sind allerdings die richtigen Töpfe. Es funktioniert nur mit »ferromagnetischem« Kochgeschirr.

Jetzt wird aber Klaus-Otto nervös: »EMF? Handy-Strahlung? Gibt ein Induktionsherd etwa Strahlung ab?« - »Ja, das tut er tatsächlich. Aber das ist harmlos.« In diesem Augenblick kocht das Spaghettiwasser über. »Macht nichts«, beruhigt Klaus-Otto, »es brennt nichts auf der Platte an«, und wischt den Spaghetti-Schaum einfach ab.

Prof. Breckow ist Experte für Medizinische Physik und Strahlenschutz an der THM Gießen.



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