06. Juli 2021, 20:56 Uhr

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Es gibt auf unserer ohnehin an Naturwundern so reichen Erde kaum ein atemberaubenderes Naturereignis als die unfassbare Pracht aus Licht und Farben eines Regenbogens.
06. Juli 2021, 20:56 Uhr
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Aus der Redaktion
Das Schönste , was aus Regen werden kann: Ein Regenbogen.

Wie rund ist eigentlich ein Regenbogen?

Ein Regenbogen entsteht, wenn das Sonnenlicht auf einen feuchten Vorhang aus Nebel oder winzigen Wassertröpfchen fällt, wie es etwa nach einem milden Sommerregen geschehen kann. Von der Sonne, die uns stets im Rücken steht, trifft ein Lichtteilchen auf eines dieser winzigen Tröpfchen, wird von dort reflektiert und trifft dann auf unser Auge. Diese Reflektion geschieht vom Auge aus gesehen immer unter einem festen und in alle Richtungen immer gleichen Winkel (etwa 42 Grad).

Denken Sie sich eine gerade Linie, die von der Sonne (hinter Ihnen) direkt durch Ihren Kopf geht (hinten rein, vorne raus) und vor Ihnen im Schatten Ihres Kopfes auf dem Erdboden landet. Genau in dieser Richtung liegt der Mittelpunkt des Regenbogenkreises. Zielen Sie nun mit ausgestrecktem Arm mit dem Zeigefinger genau auf diesen Punkt. Strecken Sie jetzt den anderen Arm so aus, dass die Zeigefinger Ihrer beiden Hände etwa einen ¾ Meter Abstand haben (egal ob nach rechts, nach oben oder links). Jetzt zeigt Ihr zweiter Zeigefinger genau auf irgendeinen Punkt des Regenbogens. Der Winkel zwischen Ihren beiden Armen bildet die Abweichung in alle Richtungen von der gedachten Linie Sonne-Kopf-Regenbogenmittelpunkt. Und das macht den Regenbogen rund!

Entlang der Linie, die Ihr Regenbogen-Zeigefinger zeigt, trägt jeder Wassertropfen mit seinen Reflexionen zum Regenbogen bei, sowohl die nahen als auch die fernen. Ein Regenbogen hat also keine »Entfernung« und keinen »Ort«. Wenn die Sonne zur Mittagszeit hoch steht, dann geht die gedachte Sonne-Kopf-Linie schon ziemlich direkt vor Ihren Füßen in den Erdboden. Sie sehen jetzt nur einen flachen Ausschnitt aus dem oberen Teil des Regenbogenkreises. Der Rest würde unterhalb des Horizonts liegen. Von April bis September gibt es in unseren Breiten mittags überhaupt keinen Regenbogen. Abends oder morgens, wenn die Sonne gerade aufgegangen ist, führt die gedachte Linie jedoch fast bis zum Horizont und Sie sehen viel mehr Regenbogen, fast einen Halbkreis. Angenommen, es gäbe gar keinen Erdboden unter Ihnen und auch keinen Horizont und Sie würden einfach nur zwischen Sonne und Regenbogen schweben, dann wäre der Regenbogen ein vollständiger Kreis. Etwas Ähnliches ist ganz selten der Fall, wenn man im Flugzeug sitzt, die Sonne von schräg oben auf das Flugzeug scheint, man genau auf der anderen Seite aus dem Fenster schaut und dann das Flugzeug einen Schatten auf eine Wolke wirft. Dann kann man mit viel Glück einen geschlossenen Regenbogenring sehen, mit dem Flugzeugschatten genau in dessen Mittelpunkt.

Woher kommen denn eigentlich die Regenbogenfarben? Jedes Lichtteilchen hat seine eigene Farbe. Es gibt blaue, grüne, gelbe und rote Lichtteilchen - eben alle Regenbogenfarben. Jede Farbe hat einen etwas anderen Winkel, bei dem die Reflexion am Wassertröpfchen stattfindet: Die blauen einen etwas kleineren (»Innenseite« des Regenbogens), rote einen etwas größeren (»Außenseite«) und alle anderen dazwischen. Das ergibt die unfassbare Pracht des Regenbogens. FOTO: DPA

Prof. Breckow ist Experte für Medizinische Physik und Strahlenschutz an der THM Gießen.



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