06. Oktober 2021, 19:33 Uhr

Ruf nach Konzept für Ungeimpfte

06. Oktober 2021, 19:33 Uhr
Avatar_neutral
Aus der Redaktion
Modell 2G wirft für Ungeimpfte Fragen auf. FOTO: DPA

Wiesbaden - Hat die Politik Leute wie sie vergessen? Seit Wochen treibt Astrid Faber diese Sorge um. Bei keiner Behörde, keiner Organisation erhielt sie bisher Antworten auf ihre Fragen, die mit Ende der kostenlosen Corona-Tests zunehmend dringlicher werden. Astrid Faber gehört zu den Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können. Und für die, befürchtete sie, wird es immer enger.

Zu 2G-Veranstaltungen zum Beispiel kultureller Natur hat sie keinen Zugang. Doch was ist, wenn bei steigender Hospitalisierungsrate auch der Friseur nur Geimpfte und Genesene zulässt? Wenn ab Montag die kostenlosen Bürgertests wegfallen, könnte es noch schwierig werden. Für die kommerziellen Anbieter sei das Geschäftsmodell dann nicht mehr lukrativ. Speziell auf dem Land, wo sie wohnt, könnten viele schließen.

»Ich verstehe ja, dass der Fokus darauf liegt, die Impfrate zu erhöhen«, sagt die Frau aus Hüttenberg im Lahn-Dill-Kreis. »Aber es fällt auf, dass man noch immer kein Konzept hat, wie man mit Betroffenen wie mir künftig umgehen will.« Die Hausärzte würden mit dem Problem alleingelassen. Es gebe noch nicht einmal ein bundeseinheitliches Formular. Ihr bleibt nichts als die Bescheinigung ihres Hausarztes, dass sie die erste Biontech-Impfung im Mai so schlecht vertrug, dass sie keine zweite Spritze erhalten kann.

Astrid Faber ist nicht alleine. »Diese Konstellation tritt immer wieder auf und es gibt dazu auch Nachfragen aus den Praxen«, sagt Karl Roth, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH). Ein Standardprocedere oder gar Formular existiere nicht. »Unsere Empfehlung im Moment: formloses Attest.«

Nur wer ein solches zeigen könne, werde nach dem 11. Oktober Anspruch auf einen der kostenlosen Tests haben, teilt das Bundesgesundheitsministerium der »Frankfurter Rundschau« auf Anfrage mit. »Als Nachweis wird ein ärztlicher Beleg erforderlich.« Dieses Zeugnis könne »formlos« sein und müsse neben der Bestätigung einer medizinische Kontraindikation gegen eine Schutzimpfung auch persönliche Angaben zur Identität der Person enthalten. »Die Angabe einer Diagnose ist nicht erforderlich«, sagt der Sprecher und betont, »das Ausstellen und der Gebrauch gefälschter oder unrichtiger Zeugnisse sind strafbewehrt«.

Für das hessische Sozialministerium ist Faber eine Seltenheit. Laut Robert-Koch- Institut sei einzig eine Überempfindlichkeit gegenüber einem Inhaltsstoff ein dauerhafter Ausschlussgrund dafür, sich mit einem mRNA-Impfstoff impfen zu lassen. »Die Anzahl der hiervon betroffenen Personen wird als verschwindend gering eingestuft.« Ein bundeseinheitliches Formular scheine daher nicht notwendig. Doch wie geht es weiter mit den Testcentern? Wie sich die Neuregelung auf die Zahl der Teststellen auswirken werde, sei noch nicht absehbar, heißt es abschließend aus dem Sozialministerium. Jutta Rippegather



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos