09. Juli 2021, 21:58 Uhr

Sonderaktionen für mehr Impfungen

Erst gab es einen Ansturm auf die Corona-Impfungen - jetzt wird so mancher Termine geschwänzt. Dabei zeigt die Ausbreitung der Delta-Variante, dass für eine Entwarnung kein Anlass besteht.
09. Juli 2021, 21:58 Uhr
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Von DPA
Nicht alle, die sich angemeldet haben, finden tatsächlich den Weg zu ihrem Termin im Impfzentrum. Zwischen zehn und 40 Prozent kommen einfach nicht, berichten die Landkreise. FOTO: DPA

Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei - trotzdem hapert es mit der Disziplin bei den Impfterminen. Auch weil die Schutzimpfungen jetzt an mehreren Stellen zu bekommen sind, holen sich manche Menschen ihren Piks kurzerhand anderswo ab - und halten es dann nicht für nötig, bereits gebuchte Termine abzusagen. Das stellt die Anbieter vor Herausforderungen, bietet aber auch Chancen für Nachrücker. Knapp sechs Millionen Impfungen wurden bis einschließlich Donnerstag hessenweit vorgenommen - die Quote bei den Erstimpfungen lag bei 57 Prozent, bei den Zweitimpfungen bei 40,2 Prozent.

Ärzte zeigen sich besorgt: Manche Bürger wiegten sich offenbar angesichts derzeit niedriger Inzidenzen in trügerischer Sicherheit, heißt es bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Einige Menschen glaubten zudem, eine Erstimpfung werde schon ausreichen, um sich vor einer Corona-Infektion zu schützen - was nicht der Fall ist.

Zentren sehen vielfältige Ursachen

Im Main-Kinzig-Kreis beispielsweise werden etwa 10 bis 15 Prozent der vereinbarten Termine in den Impfzentren in Hanau und Gelnhausen nicht wahrgenommen, wie ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. Dabei sei weder eine Häufung bei einzelnen Impfstoffen noch bei Erst- oder Zweitimpfungen auszumachen. Eher könnte es daran liegen, dass die Menschen einen früheren Termin bei ihrem Hausarzt bekämen und den im Impfzentrum dann sausen ließen. Bisher sei es aber nicht so, dass es mehr Impfdosen als Interessenten gebe, sagte der Sprecher. Um die Impfungen voranzutreiben, veranstaltet der Main-Kinzig-Kreis seit einiger Zeit Sonderaktionen unter dem Titel »Dein Pflaster« mit einem Impfbus. Damit sei man tageweise in verschiedenen Quartieren vor Ort, sagte der Sprecher. So könnten auch immer wieder ältere Menschen erreicht werden, die bisher noch an keiner Impfung teilgenommen haben, obwohl sie längst dazu berechtigt gewesen wären. Falls Impfdosen in einem der Impfzentren übrig blieben, kämen Nachrücker über die »Impfbrücke Main-Kinzig« zum Zuge, so der Sprecher.

Auch in Kassel nehmen es manche Bürger mit Impfterminen nicht so genau. »Die Termine, die nicht wahrgenommen werden, bewegen sich im Impfzentrum der Stadt Kassel zwischen 10 und 30 Prozent«, sagte ein Stadtsprecher. »Die Gründe dafür sind sicherlich vielfältig und reichen von der Tatsache, dass bereits über eine niedergelassene Praxis oder einen betriebsärztlichen Dienst die Impfung erfolgt ist, über kurzfristige Verhinderungen bis zu einer fehlenden Akzeptanz des angebotenen Impfstoffs aufgrund von Medienberichten«, so der Sprecher.

Termine werden überbucht

Ausgefallene Termine stellt die nordhessische Stadt kurzfristig wieder im Termintool des Landes Hessen ein. Überzählige Dosen würden noch nicht geimpften Personen der Prioritätengruppe 3 verabreicht. Auch Kassel plant Aktionen mit mobilen Teams in den Stadtteilen, um für Impfungen zu werben.

Der Kreis Marburg-Biedenkopf bemerkt keine Impfmüdigkeit, wohl aber eine Nachlässigkeit bei den Terminen. Im Schnitt erhalten derzeit täglich 1200 bis 1300 Menschen im Impfzentrum die Spritze gegen das Virus, wie ein Sprecher des Landkreises berichtete. Eine Sonderimpfaktion mit dem Präparat von Johnson & Johnson sei zuletzt stark nachgefragt worden. Schon morgens habe sich für die rund 900 Dosen eine lange Schlange von Impfwilligen gebildet.

Was auch das Marburger Zentrum feststellt: Immer wieder erscheinen Menschen nicht zu ihren Impfterminen, es gibt Ausfälle von 10 bis 13 Prozent. Das werde jedoch ausgeglichen, indem man die zur Verfügung stehenden Termine leicht überbuche, erläuterte der Sprecher. »Das funktioniert sehr gut, wir haben keine Probleme damit.« Nachrücker müssten auch nicht abgewiesen werden.

Im Impfzentrum des Kreises Gießen in Heuchelheim werden nach Angaben einer Sprecherin derzeit sogar etwa 38 bis 40 Prozent der Termine abgesagt. Vom Landkreis Offenbach hieß es, dass es generell kein Interesse an einer Impfung mit dem Astrazeneca-Wirkstoff gebe. »Zudem gibt es starke Schwankungen von Tag zu Tag.« Nicht verbrauchter Impfstoff werde wieder ins Terminportal eingestellt. Nach einer Impfnacht im Mai gebe es auch im Landkreis Offenbach Impfungen in Wohnquartieren. »Weitere Sonderaktionen folgen sukzessive.«



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