13. Mai 2021, 20:31 Uhr

Sorgen um jüdische Gemeinden

13. Mai 2021, 20:31 Uhr
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Von DPA
Eine israelische und eine deutsche Fahne am Frankfurter Rathaus. FOTO: DPA

- Es sollte ein freundliches Kennenlerntreffen zwischen Josef Schuster und Georg Bätzing werden. Doch die Gesichter des Präsidenten des Zentralrats der Juden und des Vorsitzenden der Katholischen Bischofskonferenz sind ernst. Die Lage in Israel und die Berichte über Steinwürfe auf eine Synagoge überschatteten den jüdisch-katholischen Dialog am Kirchentag in Frankfurt, wo auch das Zuhause einer der größten jüdischen Gemeinden Deutschlands ist. »Ich habe ein sehr ungutes Gefühl - ich habe Verwandtschaft in Israel, da ist man noch emotionaler«, sagte Schuster. Jede Stunde, die der Konflikt eher zu Ende sei, sei eine gewonnene Stunde.

»Das kann nicht die Zukunft sein«, betont auch Bätzing angesichts der Eskalation im Nahen Osten. »Die Zukunft wird sein, dass beide Seiten an den Tisch des Verhandeln zurückkehren. Das ist mein dringender Wunsch. Dieser Tisch ist schon viel zu lange leer geblieben. Nur so kann Frieden hergestellt werden.«

Es geht neben Solidarität mit den Opfern der Gewalt auch um konkrete Sorgen, welche Wellen der Konflikt in Israel gerade auch in einer Region wie dem multikulturell geprägten Rhein-Main-Gebiet schlägt. »Es ist in keiner Weise zu billigen, wenn der Konflikt aus Israel nach Deutschland übertragen wird. Angriffe auf Synagogen sind reinster Antisemitismus, das werden wir nie zulassen«, betont Bätzing.

Ganz in der Nähe des Treffens hängt vom Balkon des Frankfurter Rathauses die israelische Flagge. Eigentlich wurde sie gehisst, um an die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel im Jahr 1965 zu erinnern. Nun ist sie auch als Solidarität mit den Menschen in Frankfurts israelischer Partnerstadt Tel Aviv zu verstehen.

Warnende Stimmen gibt es auch von der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland: »Wer jetzt jüdische Einrichtungen wie in Bonn und Münster geschehen angreift, hat entweder nichts verstanden, war schon vorher Antisemit oder Judenhasser, was umso erschreckender ist, weil sich dieser Hass auf europäischem Boden entlädt«, heißt es in einer Stellungnahme der Rabbiner Avichai Apel (Frankfurt), Zsolt Balla (Leipzig) und Yehuda Pushkin (Stuttgart). »Man mag mit der israelischen Politik nicht immer einverstanden sein, doch die hier in Deutschland und Europa lebenden Juden sind für die Kritik am Staat Israel nun wirklich die falsche Adresse.«

»Meine Sorge ist groß, dass sich das auch auf Hessen überträgt und auch hier zuspitzen könnte«, sagt Uwe Becker, Frankfurter Bürgermeister und Antisemitismusbeauftragter des Landes Hessen. Becker hatte zuvor bereits das Verbot einer Demonstration gefordert, deren Organisatoren seiner Ansicht nach auf ihrer Website zum Kampf gegen Israel aufrufen: »Wenn unter dem Bildnis von schwer bewaffneten Terroristen zu einer Anti-Israel-Demonstration in Frankfurts Innenstadt aufgerufen wird, dann überschreiten hier palästinensische Organisationen in Frankfurt nicht nur eine rote Linie, sondern sie gefährden den öffentlichen Frieden und die Sicherheit in unserem Land.«

Ein Verbot der Demonstration forderte auch die Jüdische Gemeinde Frankfurts. Die hessische Polizei hat angesichts der Entwicklung in Israel bereits ihre Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen nochmals überprüft. dpa



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