12. August 2021, 21:33 Uhr

Spannende Uni-Projekte abseits von Corona

12. August 2021, 21:33 Uhr
22 000 Liebesbriefe werden im Rahmen des Projektes »Gruß und Kuss« gesammelt. FOTO: TU DARMSTADT/DPA

Frankfurt/Darmstadt/Kassel - Die Wahrnehmung von Wissenschaft hat sich während der Pandemie besonders auf die Corona-Forschung fokussiert. An Hessens Universitäten wird aber natürlich auch zu vielen anderen Themen geforscht. Manches Projekt erwärmt sogar das Herz: »...ich möchte Dich umschlingen und Deinen Atem trinken, jeden Schlag Deines Herzens spüren und mit Deinen Augen träumen.« Was wie die Zeilen von einem berühmten Dichter klingt, stammt aus der Feder eines ganz »normalen« Menschen. Entnommen ist das Zitat aus einem von 22 000 Liebesbriefen, die im Rahmen des von der TU Darmstadt koordinierten Projektes »Gruß und Kuss« gesammelt, archiviert und digitalisiert werden.

»Mit dem Projekt wollen wir die Familien- und Alltagsgeschichten von Lieschen Müller und Otto Normalbürger sichern und die versteckten Stimmen hörbar machen, die sonst im Gegensatz zur Hochkultur nicht zu Wort kommen«, erläutert die Darmstädter Germanistin Andrea Rapp. Die Grundlage dazu bietet das Liebesbriefarchiv, das die Koblenzer Sprachwissenschaftlerin Eva Lia Wyss vor 30 Jahren gegründet hat. Nach Aufrufen in den Medien spendeten damals Menschen aus der Schweiz und Deutschland 6000 Liebesbriefe für ihre Sprachforschung. Inzwischen ist der Bestand auf mehr als 20 000 Briefe angewachsen, meist aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Um eine der beliebtesten Gemüsearten in Deutschland dreht sich alles bei dem ökologischen Freiland-Tomatenprojekt der Uni Kassel. Dabei züchten die Mitglieder des Netzwerkes um den Projektleiter Bernd Horneburg, darunter Wissenschaftler, Gärtnereien, Hobby-Gärtner und ein Saatgut-Betrieb, »neue widerstandsfähige und schmackhafte Sorten mit optimaler Anpassung an die Anbaubedingungen und Ernährungsgewohnheiten«, erläutert der Biologe. Ziel sei es, deren Samen zu gewinnen und ihn als Gemeingut zur Verfügung zu stellen. »Zuchtfirmen berücksichtigen diese Anforderungen oft nicht. Außerdem kann Saatgut patentiert sein und darf dann nicht ohne Erlaubnis für die weitere Züchtung verwendet werden«, erklärt Horneburg.

Der Fokus des Netzwerkes liegt auf der Entwicklung robuster und resistenter Sorten. »Mit der Cocktailtomate ›Sunviva‹ haben wir die weltweit erste Sorte mit der Open-Source-Saatgut Lizenz entwickelt.« Entsprechend lizenzierte Sorten dürfen ohne Einschränkung vermehrt, verkauft, weitergegeben oder züchterisch bearbeitet werden, wenn dieses Recht weitergeben wird.

Blutzuckermessung ohne Piks

Damit Diabetiker künftig ihren Blutzuckerspiegel ohne den lästigen Piks in den Finger messen können, arbeiten Wissenschaftler der Frankfurter Goethe-Universität und der Universität Madrid an einem neuartigen Verfahren, einen hohen Blutzuckerspiegel ohne Blutabnahme zu bestimmen. Stattdessen wird dabei die Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger mit elektromagnetischer Strahlung quasi durchleuchtet. »Je nachdem, ob die Patienten an Diabetes erkrankt sind oder nicht, hat die Strahlungswelle eine andere Wechselwirkung mit dem Gewebe«, erklärt Viktor Krozer vom Physikalischen Institut der Goethe-Universität. Darüber könnten Merkmale herausgefiltert werden, die auf eine Erkrankung hinweisen. Bisher ist für die Auswertung der Ergebnisse ein Wissenschaftler nötig. »Künftig sollen Patienten aber keine komplizierten Daten erhalten, sondern einfach nur die Aussage, ob sie gesund sind oder an Diabetes leiden«, sagt Krozer. Deshalb arbeiten die Forscher an Computerprogrammen, die die Daten auswerten. dpa

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