27. April 2022, 21:24 Uhr

Tödliches Ende eines Besuchs

27. April 2022, 21:24 Uhr
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Von Patrick Dehnhardt
Die beiden Bahnsteige in Großen-Linden sind durch eine Unterführung direkt im Bahnhofsbereich verbunden. Warum das Trio aus Kassel diesen nicht nutzte, ist unklar. FOTO: PAD

- Es ist gegen 21.45 Uhr am Dienstagabend, als eine 55-jährige Mutter mit ihren 19 und 20 Jahre alten Töchtern auf dem Rückweg von einem Besuch in Mittelhessen ist. Das Trio will mit dem Zug nach Kassel zurückfahren, so die Ermittlungen der Polizei. Die Bahnstrecke Frankfurt - Gießen - Kassel ist an dieser Stelle zweigleisig, die Schienen verlaufen über Kilometer hinweg fast schnurgerade. Im Bahnhof gibt es zwei Bahnsteige, einen für jede Fahrtrichtung. Eine Unterführung verbindet die Bahnsteige, sie ist halbwegs gut beleuchtet. Warum die Frauen diese anscheinend nicht genutzt haben, ist eine der offenen Fragen. Bis zum Stopp des nächsten Zugs Richtung Kassel ist zu diesem Zeitpunkt laut Fahrplan noch fast eine halbe Stunde Zeit.

Die Strecke ist zu diesem Zeitpunkt gut ausgelastet. Im Minutentakt rollen Güterzüge, Intercitys und Regional-Expresse vorbei, teils mit hohem Tempo. Gegen 21.45 Uhr ist die Regionalbahn von Treysa in Richtung Frankfurt unterwegs. Da sie in Linden nicht halten muss, fährt der Zug laut Polizeiangaben 160 Kilometer pro Stunde.

Als der Zug kurz vor dem Bahnhof Großen-Linden ist, befindet sich die Mutter im Gleisbett vor dem Bahnsteig in Fahrtrichtung Frankfurt. Ihre Gehfähigkeit ist eingeschränkt. Ihre beiden Töchter befinden sich auf dem Bahnsteig. Die 20-Jährige bemerkt den heranfahrenden Zug. Sie versucht noch, ihre Mutter von den Gleisen zu ziehen, doch sie hat keine Chance. Beide Frauen werden von der Bahn erfasst und tödlich verletzt.

Der Zugführer kann den Zusammenprall trotz Schnellbremsung nicht verhindern - der Bremsweg beträgt bei solch einer Geschwindigkeit und durch die Masse des Zugs mehrere Hundert Meter. Die Jüngere der beiden Schwestern sieht alles vom Bahnsteig aus mit an. Sie wird mit einem Schock ins Krankenhaus gebracht.

Auch im Zug stehen zwei der rund 30 Fahrgäste nach dem Unglück unter Schock. Alle werden vom Rettungsdienst betreut, ein Notfallmanager der Bahn kümmert sich um den Lokführer. Die Bahnstrecke ist im Bereich Großen-Linden bis 1.10 Uhr gesperrt. Polizei und Bundespolizei nehmen die Spuren des Unfalls auf, die Auswertung dauert weiterhin an. pad



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