23. April 2021, 22:06 Uhr

Trend zu Wohntürmen flaut ab

Auch wenn der Blick auf die derzeit stetig wachsende Skyline in Frankfurt es nicht ahnen lässt: Beim Hochhausbau könnte ein massiver Wandel anstehen. Der Boom beim Bau von Wolkenkratzern mit Luxuswohnungen scheint vorbei zu sein. Aktuell werden drei solcher Projekte gestoppt und umgeplant.
23. April 2021, 22:06 Uhr
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Aus der Redaktion
Der »Riverpark Tower« sollte 130 Luxusappartements beherbergen. Was nun nach dem Verkauf daraus wird, ist ungewiss.

Schwarz, kantig, 80 Meter hoch: Höchst exklusives Wohnen verspricht der Porsche Design Tower von 2022 an im Europaviertel. Sogar 95 Meter hoch ist das frühere Hochhaus der Union Investment im Gallusviertel nahe dem Main. Zum »Riverpark Tower« saniert, soll es 130 Luxusappartements von 2023 an beherbergen, große Balkone mit viel Grün sollen der Fassade eine neue, abwechslungsreiche Form geben.

Allein: Beide Vorhaben werden aller Voraussicht nach so nicht Realität. Die bisherigen Investoren haben ihre Projekte auf Eis gelegt und inzwischen verkauft. Bereits im vorigen Herbst übernahm der Projektentwickler Groß & Partner aus Frankfurt den Porsche Design Tower. Nun stehen die Luxuswohnungspläne zur Disposition: »Wir prüfen konzeptionell die gesamte Bandbreite durch«, sagt Firmensprecher Frederik Bartosch. Der Bebauungsplan gebe auch eine andere Nutzung, etwa für Büros, her. »Die Entscheidung ist offen, was wir realisieren möchten.« Ganz frisch hat sich die DIC Asset AG im Auftrag eines hinter ihr stehenden konstitutionellen Anlegers vom Projekt Riverpark Tower getrennt. An wen das Hochhaus in der Wiesenhüttenstraße ging, teilte die DIC zunächst nicht mit. Es sei unklar, ob das Vorhaben in der bisherigen Planung des deutschen Stararchitekten Ole Scheeren realisiert oder eine andere Nutzung umgesetzt werde, sagte Peer Schlinkmann, Sprecher von DIC Asset. Mit dem Great East in der Ferdinand-Happ-Straße im Ostend wechselte unlängst ein weiterer Wohnturm Besitzer und Konzept. In den 16 Geschossen sollten eigentlich Eigentumswohnungen vermarktet werden. Nun will Neubesitzerin Deutsche Wohnen die 208 Wohnungen vermieten, so Firmensprecherin Romy Mothes.

Übersättigung zu beobachten

Anhand der drei zeitgleichen Entwicklungen erkennt Florian Wenner, Studienleiter Wohnen beim Immobilien-Analysespezialisten Bulwiengesa, »erste Übersättigungstendenzen« und eine Trendumkehr: »Gerade im Premiumbereich oberhalb von 25 Euro pro Quadratmeter wird es zunehmend schwieriger, noch Mieter zu finden.« Das gelte vor allem dann, wenn viele Wohnungen gleichzeitig auf den Markt kämen. Eine solche Übersättigung sei gerade zu beobachten, nachdem im vorigen Jahr mehr als 100 Luxus-Mietwohnungen im Grand Tower im Europaviertel zugleich auf den Markt gekommen seien. Viele der Appartements im mit knapp 180 Metern höchsten Wohnhochhaus Deutschlands seien noch immer zu haben, so Wenner. Nun müssten die Investoren ihre offenbar zu optimistischen Erwartungen zurückfahren.

Zum Nachfrageeinbruch trägt auch Corona bei: Die Reise- und Kontaktbeschränkungen aufgrund der Pandemie träfen die häufig internationale Käuferklientel, ebenso erschwerten sie Besichtigungstermine. »Wegen der aktuellen Situation spüren wir im höherpreisigen Segment derzeit eher Zurückhaltung«, bestätigt Peer Schlinkmann von DIC. Für Investoren gelte aktuell: »Höherpreisiger Wohnraum ist nicht mehr die attraktivste Option.« Ausweichen könnten Investoren in »weniger hochpreisige Wohnungen« oder »eine andere Nutzung« wie Büros. Die reduzierte Käufernachfrage sei aber nur ein Grund - ein anderer die zuletzt explodierenden Baupreise, betont Schlinkmann. »Es ist gerade schwierig, zwei bis drei Jahre in die Zukunft zu schauen.«

Bei Four Frankfurt läuft es bestens

Nur bei Four Frankfurt läuft es bestens. Groß & Partner realisiert in den vier bis zu 233 Meter hohen Türmen im Bankenviertel zwei Wohnhochhäuser: eines mit Miet-, eines mit Eigentumswohnungen, zusammen 600 Appartements. Probleme wie sie bei anderen Projekten aufträten, habe man hier nicht, sagt Sprecher Frederik Bartosch. Dass weniger Luxus nachgefragt sei, »würden wir so nicht sehen« - ganz im Gegenteil: »Der Frankfurter Wohnungsmarkt gibt noch etwas her.« Allerdings hat die Firma die Wohnungen bewusst nicht international angeboten. Viele Käufer kämen aus der Rhein-Main-Region.



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