15. März 2021, 00:02 Uhr

Viel Briefwahl und viel Andrang

Für die Kommunalwahl in Hessen haben so viele Menschen Briefwahl beantragt wie selten. Doch wer dachte, dadurch blieben sämtliche Wahllokale am Sonntag leer, hatte sich grundlegend getäuscht.
15. März 2021, 00:02 Uhr
Alle Hände voller Stimmzettel: Frankfurter Wähler mit Wahlunterlagen in einer Turnhalle. FOTO: DPA

Junger Mann! Das Ende der Schlange ist da hinten«, sagt die Frau mit dem Mundschutz und weist um die Ecke des Hauses. Gut 50 Meter stehen dort die Wähler hintereinander - und warten. Wer hier, in der Merianschule im Frankfurter Nordend, seinen Stimmzettel zur Kommunalwahl ausfüllen will, muss neben einer Mund-Nase-Bedeckung vor allem eines mitbringen: Geduld. »Damit hat kaum einer gerechnet«, sagt der Leiter des Frankfurter Wahlamts, Oliver Becker. Seit 5.30 Uhr ist er auf den Beinen, um die Wahllokale in Hessens größter Stadt zu inspizieren. Läuft alles wie geplant? Gibt es Engpässe? Funktionieren die Hygiene- und Abstandsregeln? Um die erwartete Flut an Briefwahlunterlagen zu bewältigen, wurde vielerorts die erlaubte Maximalzahl an Helfern ausgeschöpft. In Frankfurt hatte fast jeder dritte Wahlberechtigte Briefwahl beantragt. Angesichts solcher Zahlen mag es überraschen, dass sich zeitweise lange Schlangen vor den Wahllokalen bildeten. Möglicherweise seien die Menschen auch froh über einen triftigen Grund, das Haus zu verlassen, vermutet der in Frankfurt für das Wahlamt zuständige Stadtrat Jan Schneider (CDU). »So muss Demokratie aussehen«, sagt er. Und dann erste Ergebnisse am späten Abend:

In Frankfurt könnten die Grünen die Wahl gewinnen, aber auf eine Koalition wollten sie sich gestern nicht festlegen. Man suche Partner, mit denen »wir den sozial-ökologischen Aufbruch hinbekommen«, sagte Spitzenkandidatin Martina Feldmayer. SPD-Spitzenkandidat Mike Josef gab die Wahl, als er vor die Presse trat, noch nicht verloren. Dabei lagen die Sozialdemokraten zu diesem Zeitpunkt mehr als fünf Prozentpunkte unter dem Ergebnis von 2016.

Aus fast allen Wahlbezirken im Wetteraukreis lagen gestern Abend die Ergebnisse der Trendwahl vor. Die CDU führte mit rund 31,60 Prozent, danach folgen SPD (20,7 Prozent) und die Grünen (19,3 Prozent). Die AfD (8,71 Prozent), die Freien Wähler (8,19 Prozent), die FDP (6,25 Prozent) und die Linke (3,74 Prozent) blieben einstellig.

FW/UWG und Grüne sind die Sieger der Kommunalwahlen in Bad Nauheim - zumindest laut Trendergebnissen. FW/UWG haben den Vorsprung vor der CDU ausgebaut und kommen auf 29,01 Prozent. Die Grünen lieferten sich bei der Auszählung der Stimmen lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU um Platz zwei. Eindeutiger Wahlverlierer scheint die SPD zu sein.

Wenig Zweifel gibt es daran, dass die SPD in Wölfersheim ihre absolute Mehrheit behaupten wird, ebenso wie in Reichelsheim. In Altenstadt ist es der NPD offenbar gelungen, ihr Ergebnis aus dem Jahr 2016 leicht zu verbessern. Die Rechten kommen nun auf 11,1 Prozent. 2016 waren es 10,0 Prozent. In Büdingen hat die NPD dagegen massiv an Stimmen eingebüßt. Die 10,2 Prozent aus dem Jahr 2016 sind auf aktuell 3,34 Prozent zusammengeschmolzen.

Im Vogelsbergkreis lag die CDU nach Trend mit 32 Prozent vorne. Die SPD holte bei der Kreiswahl nach vorläufigem Stand rund 24 Prozent der Stimmen. Damit verliert sie stark. Zugelegt hat die AfD.

In Darmstadt und Kassel lagen am Abend (Stand 21.15 Uhr) die Grünen vorn. In der Landeshauptstadt Wiesbaden zeichnete sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Grünen ab. In Fulda war die CDU mit Abstand stärkste Partei. In Offenbach ging die SPD laut dem Trendergebnis als stärkste Partei aus der Stadtverordnetenwahl hervor.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos