16. September 2022, 19:03 Uhr

Von Mikroben und globalem Klima

16. September 2022, 19:03 Uhr
Das Verständnis mikrobieller Stoffkreisläufe ist ein wichtiger Schlüssel zur Lösung vieler offenen Fragen. SYMBOLFOTO: DPA

- Das Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie und die Philipps-Universität in Marburg eröffneten gestern das neu geschaffene »Zukunftszentrum Mikrokosmos Erde« auf dem Campus Lahnberge. Zahlreiche Ehrengäste, darunter die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, gratulierten zum Start. Das Projekt hat eine geplante Laufzeit von zunächst sieben Jahren und wird vom Land Hessen mit 6,8 Mio. Euro gefördert.

Mikroorganismen und das globale Klima sind miteinander untrennbar verbunden. Damit ist das genaue Verständnis der Netzwerke mikrobieller Stoffkreisläufe - vom Kleinsten bis in die globalen Maßstäbe - ein wichtiger Schlüssel zur Lösung vieler drängender Fragen unserer Zeit.

Das neue Forschungszentrum (Microcosm Earth Center, MEC) als gemeinsames Projekt des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie (MPI-TM) und der Philipps-Universität Marburg (UMR) widmet sich dem ebenso hochaktuellen wie breit gefächerten Themengebiet Umwelt- und Klimamikrobiologie.

»Das Forschungsfeld der Mikrobiologie entwickelt sich rasant und ist eine Schlüsselwissenschaft des 21. Jahrhunderts für Umwelt, Klima und Gesundheit. Mit dem Zukunftszentrum Mikrokosmos Erde entwickeln wir neue Themen und Talente zwischen der Max-Planck-Gesellschaft und der Philipps-Universität Marburg«, sagte Wissenschaftsministerin Angela Dorn. »Ein entscheidender Schlüssel dazu ist die frühzeitige Gewinnung internationaler Forschender - vor allem von Frauen.«

Das Zukunftszentrum wird insgesamt drei Forschungsgruppen umfassen. Dr. Judith Klatt analysiert am MEC mikrobielle Prozesse in einem breiten Spektrum an Umgebungen wie kontaminierten Böden, hydrothermalen Quellen oder Seen. Dabei ergänzt sie Online-Messungen direkt in der Umwelt durch klassische biochemische Forschungen. Dr. Julia Kurth leitet ebenfalls eine Forschungsgruppe am MEC: Sie erkundet unter anderem, wie unlängst entdeckte methanbildende Mikroben zur weltweiten Bilanz dieses wichtigen Treibhausgases beitragen.

Über die Grenzen der Disziplinen

Ergänzt werden die Forschungsgruppen durch sechs »Fellows«, Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus bestehenden Gruppen an der UMR und dem MPI-TM. Sie erhalten für einen Zeitraum von sechs Monaten eine Finanzierung für die Weiterentwicklung ihrer Projekte.

Dabei kommt der Interdisziplinarität ein besonderer Stellenwert zu, wie Universitätspräsident Prof. Dr. Thomas Nauss betont: »Seit Jahren kooperieren am Campus Lahnberge die Philipps-Universität und das MPI sehr erfolgreich miteinander.«

Prof. Dr. Tobias Erb, Direktor am Max-Planck-Institut und Sprecher des Zentrums, sagt: »Das genaue Verständnis und der gezielte Einsatz von Mikroorganismen wird eine Schlüsselrolle in einer nachhaltigen Agrar-, Umwelt-, Klima- und Gesundheitspolitik spielen. Wir freuen uns, herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begrüßen zu dürfen. Sie forschen über die Grenzen der traditionellen Disziplinen hinweg und eröffnen damit neue Wege im Bereich der Umwelt- und Klimamikrobiologie.« pm



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