12. Oktober 2021, 20:27 Uhr

Votum für Windräder auf Taunushöhen

12. Oktober 2021, 20:27 Uhr
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Aus der Redaktion
Der Bergkamm »Hohe Wurzel« bei Taunusstein: Hier sollen zehn Windräder gebaut werden. FOTO: RENATE HOYER

Wiesbaden - Ein Gutachten im Auftrag des hessischen Umweltministeriums kommt zu dem Ergebnis, dass zehn umstrittene Windkraftanlagen auf dem Taunuskamm nordwestlich von Wiesbaden gebaut werden dürfen. Aus wasserschutzrechtlicher Sicht spreche nichts gegen die Errichtung der Windräder, heißt es dort sinngemäß. Ob die Anlagen des Windparks »Hohe Wurzel« sich tatsächlich einmal über den Taunushöhen drehen werden, ist dennoch fraglich.

Denn um die Anlagen wird seit Jahren erbittert gestritten. Zuletzt hatte das Wiesbadener Verwaltungsgericht im Juli 2020 zugunsten der ESWE Taunuswind GmbH entschieden. Die kommunale Gesellschaft hatte den Bau der Windräder im April 2015 beantragt. Das Regierungspräsidium Darmstadt verweigerte die Genehmigung im Dezember 2016, vor allem aus Gründen des Trinkwasserschutzes. ESWE Taunuswind hatte daraufhin das Land Hessen auf Erteilung einer Genehmigung verklagt und gewonnen.

Das nun vorgestellte Gutachten von Geo-Team, das im Auftrag des Umweltministeriums entstanden ist, kommt zu dem Schluss, »dass eine Gefährdung der mit Schutzgebietsverordnung geschützten Grundwasservorkommen weitgehend auszuschließen ist bzw. die verbleibenden Restrisiken vertretbar erscheinen«. Zu einem nahezu gleichlautenden Ergebnis war auch das Verwaltungsgericht Wiesbaden gelangt. Das Verfahren liegt inzwischen beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel, denn sowohl die Stadt Taunusstein, auf deren Gemarkung große Teile des geplanten Windparks liegen, als auch das Land Hessen haben Berufung gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts eingelegt. Taunusstein will den Bau verhindern, weil es die Grundwasservorkommen gefährdet sieht. Das Land will erreichen, dass ein Teil der Wiesbadener Urteilsbegründung gekippt wird. Dort wurde die im Teilplan »Erneuerbare Energien« getroffene Festlegung von sogenannten Ausschlussflächen verworfen. Diese aber sind ein wichtiger Teil der hessischen Energiewende. Denn damit ist festgelegt, wo in Südhessen Windräder errichtet werden dürfen (in Vorranggebieten) - und wo nicht (auf allen anderen Flächen, den sogenannten Ausschlussflächen). Hinzukommen Vorwürfe eines Wirtschaftsrechtlers, die Landesregierung habe sich unzulässig in das Verfahren eingemischt, was diese bestreitet. Inzwischen hat die Regionalversammlung Südhessen einen neuen Regionalplan beschlossen, wonach der gesamte geplante Windpark auf einer Ausschlussfläche steht. Bislang gilt das nur für einen kleinen Teil des Parks. Folgt der Verwaltungsgerichtshof diesem Plan, rückt der Bau der zehn Windräder wohl in unerreichbare Ferne. Peter Hanack



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