21. März 2021, 18:52 Uhr

Wasserversorgung am Limit

21. März 2021, 18:52 Uhr
Die vergangenen Sommer waren zu trocken und stellten Wasserversorger vor Herausforderungen. FOTO: DPA

Wiesbaden - Garten gießen und Pool füllen war stellenweise vergangenen Sommer in Hessen verboten: Mehrere Kommunen hatten vorübergehend den Trinkwassernotstand ausgerufen. Dies könne in Zukunft noch häufiger vorkommen, sagte Bernd Petermann von der Landesgruppe des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Die Zunahme der Bevölkerung in den Städten und die Trockenheit der vergangenen drei Jahre hätten die Wasserversorger zeitweise an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gebracht.

Petermann forderte Unterstützung auch des Landes bei Investitionen in die wasserwirtschaftliche Infrastruktur, beispielsweise Leitungen und Sammelbehälter zum Abpuffern von Spitzenzeiten - wie den Abendstunden im Sommer, wenn nach der Arbeit der Rasensprenger und dann die Dusche angestellt werden. Auch die Genehmigung von Wasserrechten für die öffentliche Versorgung müsse zügiger vonstatten gehen.

»Die Frage ist, haben wir genug Wasserrechte, sind unsere Systeme leistungsfähig?«, sagte der Geschäftsführer des Zweckverbands Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO). Die Situation müsse bei der Planung neuer Wohn- oder Gewerbegebiete stärker berücksichtigt werden. Wegen des Klimawandels würden auch Extremwetter wie Starkregen häufiger - dafür müssten Kanalisation und Leitungen fit gemacht werden.

An die Bevölkerung müsse zudem stärker appelliert werden, sparsamer mit dem kostbaren Gut Wasser umzugehen - und etwa im Garten oder für den Pool kein Trinkwasser zu benutzen, sagte Petermann anlässlich des heutigen Weltwassertags.

Der durchschnittliche Wasserverbrauch der Bundesbürger war in den vergangenen Jahrzehnten zunächst gesunken - Grund waren sparsamere Haushaltsgeräte, Duschköpfe und Toiletten. 1990 waren es im Schnitt 147 Liter pro Tag und Person, 2017 nur noch 123. Im Hitzejahr 2018 stieg der Wert wieder an auf 127 Liter und sank 2019 leicht auf 125 Liter.

Angesichts der Situation sind bereits kräftige Investitionen geplant: Der Versorger Hessenwasser, der rund 2,4 Millionen Menschen in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main mit Trinkwasser beliefert, plant Ausgaben von 81 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren für die Modernisierung und Erneuerung von Wasserwerken, Pumpen und Speichern.

Hinzu kommen rund 100 Millionen Euro, die in den kommenden zehn Jahren in eine weitere Riedleitung fließen. Aus dem hessischen Ried kommt ein Großteil des Wassers für den Ballungsraum Rhein-Main. Im südhessischen Biebesheim wird Rheinwasser abgeschöpft, aufbereitet und in den Boden geleitet, um den Grundwasserpegel zu stabilisieren - sodass wiederum aus dem Boden Wasser entnommen werden kann.

Auch hier gibt es Investitionspläne: Es gebe »konstruktive Gespräche« mit dem hessischen Umweltministerium über eine Ausweitung der Aufbereitung im Brauchwasserwerk in Biebesheim, erklärte Hessenwasser. Der Trend bei der Wasserabgabe des Versorgers zeigt dabei nach oben: Vergangenes Jahr wurde der bisherige Spitzenwert des Jahres 2018 noch leicht übertroffen. Rund 112,6 Millionen Kubikmeter Wasser wurden abgegeben. dpa

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