26. März 2021, 20:15 Uhr

Weg für Impfstoff aus Marburg frei

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat grünes Licht gegeben für die Produktion von Corona-Impfstoff im Marburger Biontech-Werk. Damit können nun die ersten Chargen zur Fertigstellung und Abfüllung ausgeliefert werden. Sie sollen von der zweiten Aprilhälfte an verimpft werden.
26. März 2021, 20:15 Uhr
Avatar_neutral
Von DPA
Schon im Februar war die Produktion des mRNA-Impfstoffs von Biontech in Marburg angelaufen. Nun dürfen die ersten Chargen ausgeliefert werden. In der zweiten Aprilhälfte soll der Impfstoff in den Impfzentren ankommen. FOTO: DPA

Die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat dem Marburger Werk von Biontech die offizielle Zulassung für die Produktion von Corona-Impfstoff erteilt. Das teilte die Behörde gestern mit. Die Produktion in Marburg war bereits im Februar angelaufen, ohne EMA-Zulassung durfte aber bisher kein Impfstoff ausgeliefert werden.

Nun aber ist es so weit. »Im Rahmen des Verfahrens hat die EMA im Laufe dieser Woche die Produktion des mRNA-Wirkstoffs am Marburger Standort validiert«, hieß es gestern von dem Unternehmen. »Mit den Zulassungen ist die Marburger Produktionsstätte eine der größten mRNA-Impfstoffproduktionsstätten in Europa und weltweit.« Im vollständigen Betrieb könne man dort jährlich bis zu einer Milliarde Dosen des Covid-19-Impfstoffs herstellen. Bisher war von 750 Millionen Dosen jährlich die Rede. Durch optimierte betriebliche Abläufe habe man die erwartete jährliche Produktionskapazität um 250 Millionen Dosen erhöhen können, teilte Biontech mit. Noch im ersten Halbjahr 2021 will das Unternehmen 250 Millionen Dosen herstellen.

Eine mRNA-Charge in der aktuellen Größenordnung reiche aus, um rund acht Millionen Impfstoffdosen herzustellen, erklärt Biontech. 400 Mitarbeiter arbeiten demnach derzeit daran, die Produktionsmenge zu maximieren.

Nun können die ersten in Marburg produzierten Impfstoffe in den nächsten Tagen zur Abfüllung nach Belgien transportiert werden. Wie das Mainzer Unternehmen am Freitag mitteilte, müssen die Impfstoffe schließlich noch etikettiert und verpackt werden. Nach diesen letzten Arbeitsschritten, die im Pfizer-Werk in Puurs erfolgen, sind dann noch einmal abschließende Qualitätsprüfungen angesetzt, unter anderem durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und die firmeneigene Kontrolle.

Die Verteilung in die Europäische Union und andere Länder weltweit sowie die Auslieferung der ersten in Marburg hergestellten Impfstoffe an die Impfzentren wird für die zweite Aprilhälfte anvisiert.

Hausärzte bereiten sich vor

Unterdessen ist in Hessen eine »Impfallianz« gegründet worden, damit nach Ostern auch Arztpraxen gegen das Coronavirus impfen können. Der Zusammenschluss aus Kassenärztlicher Vereinigung, Landesärztekammer, Hausärzteverband, Landesapothekerkammer und Apothekerverband mit dem Sozialministerium will nach eigener Darstellung den für 5. April geplanten Impfstart »zügig und gut vorbereiten«. »Wir werden uns über alle erforderlichen Schritte intensiv austauschen und abstimmen«, kündigte Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Freitag in Wiesbaden an. Laut Sozialministerium bekommen in Hessen die Praxen voraussichtlich aber nur 20 Impfdosen pro Woche. Die Landesärztekammer sieht in den Maßnahmen dennoch »einen entscheidenden Beitrag im Kampf gegen das Virus«.

In Hessen sind binnen eines Tages 1684 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Damit stieg nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) (Stand 3.08 Uhr) vom Freitag die Zahl der bislang in der Pandemie infizierten Menschen auf 211 722. Die landesweite Inzidenz nahm ebenfalls zu, sie lag gestern bei 129,7. Am vergangenen Freitag lag sie bei 106,0. Die Zahl der Todesopfer stieg um 19 auf nun insgesamt 6248 Menschen.

Auf den Intensivstationen hessischer Krankenhäuser lagen nach Daten des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) 317 Covid-19-Patienten, 151 von ihnen wurden beatmet (Stand 7.19 Uhr). 1729 von 1961 verfügbaren Intensivbetten waren belegt, auch von Menschen mit anderen Krankheiten.

Nach Angaben des RKI wurden bis einschließlich Donnerstag (Stand Freitag 8 Uhr) 915 592 Impfdosen im Kampf gegen das Virus verabreicht. 632 067 Menschen bekamen eine Erstimpfung, das waren 15 189 mehr als am Vortag. Die Impfquote lag bei 10,1 Prozent. 283 525 Menschen bekamen auch schon eine Zweitimpfung.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos