20. Mai 2021, 22:22 Uhr

Wie Licht zu oft großartigen Bildern wird

20. Mai 2021, 22:22 Uhr
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Aus der Redaktion
Nach nur zwei Jahren wird das Ernst-Leitz-Museum in Wetzlar bereits neu konzipiert. FOTOS: ERNST-LEITZ-MUSEUM/STEVE MCCURRY

- Fotografie ist ein Wunder: Da malt das Licht Dinge und macht aus einem flüchtigen Moment vielleicht eine Ewigkeit. Meisterwerke wie die Reisefotografien des US-Fotografen Steve McCurry, den sein ikonisches Bild von dem afghanischen Mädchen mit den grünen Augen berühmt gemacht hat, bleiben im Gedächtnis.

Aktuell hängt eine von ihm selbst getroffene Auswahl aus 40 Jahren unter dem Titel »The Eyes of Humanity« im Wetzlarer Ernst-Leitz-Museum, das darauf wartet, diese nach Ende des strengen Lockdowns endlich zeigen zu dürfen. Man werde so bald wie möglich öffnen, verspricht Kuratorin und kommissarische Museumsleiterin Karin Rehn-Kaufmann. »Die Bilder sind sensationell«, schwärmt sie.

Im Erdgeschoss sollen den Sommer über McCurrys berühmte Bilder die Besucher anlocken, während in den Räumen darüber seit Kurzem eine Neukonzeption des erst vor zwei Jahren eröffneten Museums, eines der wenigen Spezialmuseen für Fotografie, begonnen hat.

In Wetzlar wurde bekanntermaßen ein Stück internationale Fotogeschichte geschrieben. Bis heute zieht es Foto- und Technikbegeisterte aus der ganzen Welt an. Ab 1924 wurde hier die erste Kleinbildkamera produziert, die legendäre Leica. Mit der Erfindung des Feinmechanikers Oskar Barnack, die die umständlichen Plattenkameras alt aussehen ließ, wurde Fotografieren viel einfacher, billiger, schneller und demokratischer - und das Bildermachen zu einer der wichtigsten Kunstformen der Moderne.

Bis voraussichtlich Anfang September wird ein Teil des Museums nach einem Konzept des Berliner Studios KLV neu gestaltet, die Ausstellung soll interaktiver werden und noch mehr Besucherinnen und Besucher jeden Alters in den Leitz-Park locken. »Wir wollen ein Museum auf international hohem Niveau schaffen, bei dem die fotografische Kunst und das Bild ebenso im Mittelpunkt stehen wie das Fotografie-Erlebnis«, sagt Rehn-Kaufmann. Rund 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche stehen dafür zur Verfügung.

Interaktive Erlebnisbereiche

Rehn-Kaufmann setzt im Museum auch weiterhin auf große Namen und Sonderausstellungen, daneben aber auch auf »interaktive Erlebnisbereiche«. Das soll nicht nur Technikinteressierte begeistern, sondern es soll auch genau erklärt werden, wie das Licht physikalisch Bilder schafft, wie optische Phänomene zu erklären sind. Ein weiterer zentraler Museumsbereich stellt die Firmensammlung des Traditionsunternehmens vor, das schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in Wetzlar optische Geräte, Ferngläser und Filmkameras produzierte. Es ist ein Stück deutsche Wirtschaftsgeschichte. Anschaulich soll gezeigt werden, wie Fotografie eigentlich funktioniert, und natürlich kann das auch selbst ausprobiert werden. »Gerade in Corona-Zeiten haben sich viele Menschen wieder intensiver mit Fotografie beschäftigt«, sagt Pressesprecherin Sandra Cooke. »Handy-Kameras sind da für viele ein Einstieg. Das weckt die Lust nach einer richtigen Kamera.« Offenbar fasziniert da sogar eine längst totgesagte klassische Technik mit Film und Dunkelkammer. »Auch das verkauft sich aktuell gut«, sagt Cooke. Andreas Hartmann



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