30. September 2021, 20:21 Uhr

Zugemüllt und verwahrlost

30. September 2021, 20:21 Uhr
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Von DPA

Bad Homburg - Sie soll sich nicht ausreichend um ihre fast 100-jährige Großmutter gekümmert haben, die in einer verwahrlosten Wohnung hauste: Die wegen Körperverletzung durch Unterlassen angeklagte Enkelin hat vor Gericht aber jegliche Schuld bestritten. Ihre Oma habe schlecht gegessen und getrunken, erklärte die 37-Jährige gestern im Bad Homburger Amtsgericht den schlechten Zustand der Seniorin in den Jahren 2018 und 2019.

Der Vorfall Ende des Jahres 2018, als die bettlägerige Frau nachweislich die Nacht alleine verbracht hatte, sei eine Ausnahme gewesen. Am Morgen des 29. Dezember hatten Nachbarn Hilferufe gehört und den Notruf alarmiert. Den Rettungskräften schlug aus der Zwei-Zimmer-Wohnung ein »bestialischer Geruch« entgegen, wie sie berichteten.

Die Räume seien zugemüllt und kaum zu betreten gewesen. Die insgesamt 20 Katzen, Kaninchen, Hasen und Vögel hätten überall ihren Kot und Urin hinterlassen. In einem Zimmer habe die Frau im Bett gelegen, ein Polizist beschrieb ihren Zustand als »unorientiert, verkotet, dehydriert, verwahrlost«. Getränke oder Lebensmittel habe es nicht gegeben, auf dem Nachttisch habe eine halb geleerte, mit einem Löffel versehene Dose Katzenfutter gestanden.

Die Frau wurde in ein Krankenhaus gebracht. Einer der Sanitäter schrieb einen Vermerk, die Frau dürfe »auf keinen Fall« zurück in die Obhut der Enkelin gebracht werden. Doch in dem Betreuungsverfahren wurde anders entscheiden. Die Enkelin zog mit ihr nach Glashütten um, dort soll das Martyrium der Großmutter weitergegangen sein. Nach einem Sturz im November 2019 wurde sie in ein Krankenhaus gebracht, sie wog nur noch 40 Kilogramm. Wenige Monate später starb sie in einem Pflegeheim.

Der Prozess wird im Oktober fortgesetzt. dpa



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