21. Februar 2019, 21:38 Uhr

Adieu, Dieter Adam

21. Februar 2019, 21:38 Uhr
So kannten viele Dieter Adam: singend an der Orgel. Jetzt ist er im Alter von 77 Jahren verstorben. (Archivfoto)

Dieter Adam, der Erfinder des berühmten Mundartliedes »Die Runkelroiweroppmaschin«, ist tot. Er starb im Alter von 77 Jahren. Mit ihm verliert die Schlagerszene einen Musiker, der sich für die Mundart starkgemacht hat. Unvergessen ist die Auftritt seiner Band »Adam und die Mickys« bei der Männerfastnacht der Harmonie Großen-Linden 2003. Nicht das einzige Mal, dass die Band im Landkreis Gießen zu hören war.

Für einen Künstler, einen Sänger zumal, gibt es nichts Schlimmeres, als seine Stimme zu verlieren. Dieses tragische Schicksal ereilte Dieter Adam im Jahr 2012. Da endete eine bis dahin beispiellose Karriere als hessischer Sänger und Entertainer. Denn der Musiker, der am Keyboard saß und Hunderte von Karnevalsveranstaltungen rockte, musste sich am Kehlkopf operieren lassen. Zwei Jahre später dann die Diagnose Kehlkopfkrebs. Für ihn als Künstler, erst recht als Mensch, ein absoluter Tiefschlag. Er würde nie wieder singen können.

 

Musik war sein Leben

 

Dabei war Musik sein Leben. In seinen frühen Jahren war das noch nicht absehbar. Adam, 1941 in Hanau geboren, absolvierte nach der Schule eine Kaufmanns- bzw. Banklehre. Dann arbeitete er bei verschiedenen Banken in Hanau und Frankfurt. Doch weil da, wie er sagte, »nichts los war«, fand er Zeit, sich der Musik und, wie erst später bekannt wurde, dem Schreiben zu widmen. Jazz hatte es ihm zunächst angetan, mit einem Freund gründete er die hessenweit bekannten Sugar Foot Stompers. Seine Liebe zur Bühne war erwacht.

Er stieg bei den Karnevalssitzungen seiner Heimatstadt gern mal in die Bütt. Aber auch für die Rockmusik konnte er sich begeistern. In den 1960er Jahren gab es im Raum Offenbach die Rock- und Beatband »Micky’s«, aus der blieb ein Trio übrig, aus dem letztlich »Adam und die Mickys« wurden. Die ursprüngliche Rockband wandelte sich mit Dieter Adam zu einer Stimmungsband, und als solche war sie vier Jahrzehnte im ganzen Hessenland bekannt und erfolgreich. 13 Jahre lang waren sie Hausband bei der Karbener Weiberfastnacht und rockten dort den Saal. Im Fernsehen konnte man sie bei »Hessen lacht zur Fassenacht« sehen und hören. Bundesweit zu sehen war sie bei Jürgen von der Lippes Shows. In der Fastnacht durfte der Song von der »Runkelroiweroppmaschin« nicht fehlen. Adams Lieder zeichneten sich durch viele Bezüge zur Mundart aus.

Sein letzter öffentlicher Auftritt ist aus dem Jahr 2012 datiert. Nach Operationen, Reha und Krebsdiagnose kam das endgültige Ende seiner Musikerkarriere.

Auch wenn er durch die schwere Erkrankung Todesgedanken hatte, aufgeben wollte er sich nie. »Trostlos herumsitzen möchte ich nicht«, sagte er einmal in einem Interview mit dieser Zeitung.

 

Bücher und Theaterstücke geschrieben

 

Und so verlegte er sich wieder aufs Schreiben. Er vollendete etliche Manuskripte, die er Jahrzehnte zuvor angefangen hatte, die dann wegen seiner Karriere als Stimmungsmusiker liegen geblieben waren. Drei Bücher stammen aus dieser Zeit: »Verzähl mer was«, »Herz, Schmerz und Gänsehaut« und das »Micky-Textbuch«. Ein Kinderbuch entstand ebenfalls »Das Geheimnis der silbernen Muschel«. Darüber hinaus hat er drei Stücke fürs Frankfurter Volkstheater von Liesel Christ geschrieben. Zudem stammen insgesamt über 100 Heftromane aus seiner Feder.

Dennoch ließ die Musik ihn nicht los. Er hat noch eine »Nachschlag«-CD produziert, die Playbacks vieler bekannter Mickys-Titel enthielt. Dazu hatte er sich Freunde aus der hessischen Szene ans Mikrofon geholt. Auch eine hessische Weihnachts-CD ist auf seine Initiative hin erschienen. »Weihnachten im Hessenland« heißt die Silberscheibe, auf der bekannte Mitstreiter aus Funk und Bühne Lieder, Gedichte und Geschichten aus Dieter Adams »Hessischem Atzventzkalennerbichelche« singen und sprechen.

Sozusagen sein musikalisches Vermächtnis ist auf YouTube zu hören. Denn in Frank Sinatras Song »My Way« hat Dieter Adam sein eigenes Schicksal mit typisch hessischem Touch verarbeitet. »Mei Stimm is fort, ich geh von Bord, sag leise Guhde – ich schalt moi Orschel aus un geh nach Haus, duht’s Herz aach blute, muss ich aach geh, is doch okay, I did it my way.«

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