27. Juni 2018, 10:00 Uhr

Familie und Beruf

Alleinerziehend, fünf Kinder und Schichtdienst – Eine Hebamme erzählt

Alleinerziehende haben es besonders schwer, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Erst recht wenn sie im Schichtdienst arbeiten. Ein Erfahrungsbericht aus der Asklepios-Klinik in Lich.
27. Juni 2018, 10:00 Uhr
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Von Ursula Sommerlad
Kinder haben und berufstätig sein: Das ist häufig ein Spagat. Vor allem, wenn die Mutter im Schichtdienst arbeitet. (Symbolfoto: dpa)

Über tausend Kinder sind 2017 in der Asklepios-Klinik Lich geboren worden. Manchen davon hat Katharina Hillgärtner-Erll auf die Welt geholfen. Ihre meist nächtlichen Einsätze im Kreißsaal muss die Hebamme gut planen. Die 47-Jährige ist selbst Mutter von fünf Kindern. Und sie lebt von deren Vater getrennt.

Alleinerziehend und Schichtdienst im Krankenhaus: Passt das zusammen? Mit dieser Frage setzt sich bei Asklepios eine spezielle Arbeitsgruppe auf Konzernebene auseinander. In der Mitarbeiter-Zeitschrift »asklepios team« ließ sich Carsten Pape, der Direktor Personalmanagement, kürzlich mit der Forderung nach verlässlichen Dienstplänen zitieren. Auch Teilzeit sei »grundsätzlich kein Problem«, vor allem dann nicht, wenn die Mitarbeiterinnen die Schichten »vollzeitig« machen könnten.

 

Wohlwollen der Stationsleitung

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Katharina Hillgärtner-Erll (Foto: us)

Entgegenkommen bei der Dienstzeit-Gestaltung und Teilzeit: nur unter diesen beiden Voraussetzungen kann auch Katharina Hillgärtner-Erll Kinder und Beruf unter einen Hut bringen. Dabei empfindet sich die Licherin im Vergleich zu anderen Alleinerziehenden in einigen Punkten als durchaus privilegiert.

Sie muss das Familieneinkommen nicht allein erwirtschaften. Sie kann in der Klinik auf das Wohlwollen der Stationsleitung zählen. Ihr Arbeitsplatz befindet sich vor Ort, ihre Eltern leben in der Nähe. Und sie hat bei Asklepios lediglich eine Viertelstelle. Etwa ebenso viele Stunden arbeite sie noch als freiberufliche Hebamme, erzählt sie. Sie macht Hausbesuche und gibt Kurse. »Da kann ich mir die Termine meist so legen, dass es passt.«

 

Bei Rufbereitschaft stößt Hillgärtner-Erll an ihre Grenzen

In der Klinik geht das natürlich nicht. Da übernimmt die Licherin fünf Dienste im Monat, jedes zweite Wochenende, wenn die Kinder – die Jüngste ist sieben – beim Vater sind. Bei der Diensteinteilung komme man ihr sehr entgegen. »Ich gebe meinen Terminkalender ab und der wird dann, so weit wie möglich, berücksichtigt.« Das sei auch deshalb möglich, weil für viele ihrer Kolleginnen die Betreuungsfrage weniger zentral ist. »Entweder haben sie schon ältere Kinder oder noch gar keine.« Ein Umstand, der übrigens auch die Urlaubsplanung während der Schulferien vereinfacht.

Trotz dieser ziemlich günstigen Rahmenbedingungen stößt auch Katharina Hillgärtner-Erll an Grenzen. Vor allem, wenn sie zwei- oder dreimal im Monat Rufbereitschaften übernehmen muss. Sie versucht, diese Dienste mit ihren Kolleginnen so zu tauschen, dass sie sich mit den »Vater-Tagen« der Kinder decken. Manchmal bittet sie auch ihre Eltern um Hilfe, die nur wenige Kilometer entfernt wohnen. »Einer von beiden hat dann hier im Haus übernachtet, für den Fall, dass ich los muss.«

 

Das geringe Einkommen reicht nicht aus, um meinen persönlichen Bedarf zu decken und auch nicht, um genug fürs Alter zur Seite zu legen

Katharina Hillgärtner-Erll

 

Schließlich hat auch die Teilzeit, die für Hillgärtner-Erll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf überhaupt erst möglich macht, gewaltige Schattenseiten. »Das geringe Einkommen reicht nicht aus, um meinen persönlichen Bedarf zu decken und auch nicht, um genug fürs Alter zur Seite zu legen.«

Dass beim Spagat zwischen Kindern und Beruf die eigenen Interessen hintanstehen müssen, ist eine Erfahrung, die wohl viele berufstätige Eltern machen. Für Alleinerziehende gilt das umso mehr. Katharina Hillgärtner-Erll bildet da keine Ausnahme. »Ein freies Wochenende, an dem ich mal wegfahren könnte, ist eigentlich kaum drin.«

Hobbys pflegt die 47-Jährige trotzdem. Sie engagiert sich für den Bürgerpark und fürs Theater Traumstern, und in beiden Fällen machen die Kinder gerne mit.

Vom Kindergarten, den Asklepios und die Stadt Lich gemeinsam auf dem Kliniksgelände planen, wird Katharina Hillgärtner-Erll nicht mehr profitieren. Ihre Kinder sind aus dem Alter raus. »Für andere Eltern ist das sicher eine große Erleichterung,« vermutet sie. Doch für Mütter, die Schicht arbeiten, sei auch der geplante Zwölf-Stunden-Betrieb von 6 bis 18 Uhr nicht die endgültige Sorgenfrei-Lösung. »Ohne Hilfe geht es nicht.«



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