Das war wieder ein besonderer Event im Bistro Joy für die Rodheimer Kirmes-Mädchen: Sie versteigerten die 32 unverheirateten Burschen des Ortes bei ausgezeichneter Stimmung. Die Damen gaben großzügig ihre Gebote für den »Wunsch-Mann ihres Herzens« ab. Für ungebührliche Bemerkungen wurde ein »Maulgeld« von 20 Cent eingesammelt. Zu vorgerückter Stunde stand es fest: Leon Katzmarzik, einer der Vorsitzenden der Kirmesburschen und -mädchen, ist der teuerste Bursch der Kirmessaison in Rodheim. Annika Schmidt ersteigerte ihn. Die Mädchenschaftsfahne wird beim Kirmeszug von Louisa Bender durch die Straßen Rodheims getragen.

Die Mädchenversteigerung der Burschen ging traditionell in der Gastwirtschaft Pausch »Beim Wani« über die Bühne. Temperamentvoll brachte Auktionator Kevin Pietsch die Versteigerung auf Touren. Haarfarbe, Beruf/Ausbildung, Schönheit und Charme, Figur, Augenfarbe, Alter und Pkw-Marke pries der Versteigerer in seinen Kurzporträts an. Diese Informationen bewogen die Burschen dann zur Gebotsabgabe. Der Zuschlag wurde traditionell mit der Ortsdienerschelle erteilt. Dem Ortsdiener assistierte Finn Schmiga als jüngster Bursche. Das Maulgeld sammelte der zweitjüngste Bursche, Nils Strutz, ein. Zwischendurch brachte Kirmeswatz Tobias Becker kräftig den »Watzschrei« »Wem gehört die Kirmes?« aus und das alte Burschenschaftslied »Ein Wächter auf dem Türmlein saß« erklang.

»Gickelessen« am Sonntag

Rund 46 Mädchen und unverheiratete Frauen kamen so »unter den Hammer«. Traditionell wurden zum Schluss die restlichen Mädchen en bloc »als Pirch« - versteigert. Als teuerstes Mädchen ging wieder Deborah Happel, die von Markus Niemann ersteigert wurde, hervor. Die Fahne der Burschenschaft Immergrün ersteigerte Jan-Krister March, die der Burschenschaft Frohsinn Sebastian Weil. Beide werden mit den Fahnen den Kirmeszug anführen.

Die Mädchenversteigerung hat ihren Ursprung nach dem Krieg. Sie fand statt, um ein finanzielles Standbein zu haben, damit die Kosten der Kirmes mit abgedeckt werden konnten. Früher fanden die Kirmessen nämlich in den Wirtschaften statt. Und die Burschen hatten zunächst nur die Einnahmen vom Tanzgeld. Damit musste die Musikkapelle bezahlt werden. Mit dem Erlös aus der Versteigerung konnten dann später die Kosten für die Musik und die Organisation der Kirmes abgedeckt werden.

Die 53. »Große Biebertal-Kirmes« beginnt am Freitag, 19. Juli, auf dem Bürgerhausplatz. Am Freitag spielt ab 21 Uhr »Aeroplane« im Kirmeszelt. Am Samstag ab 20 Uhr steht das große Burschen- und Mädchenschaftstreffen mit der Gruppe »Friends Live« auf dem Programm. Am Sonntag geht es um 11 Uhr mit dem Zeltgottesdienst, den Pfarrer Claus Becker und Team gestalten, weiter. Um 13 Uhr bewegt sich der große Kirmeszug durch den Ort. Um 15 Uhr wird die Kirmes offiziell mit dem »Gickelessen« eröffnet. Das Original Dünsberg-Duo spielt zum Familienachmittag auf. Abends um 19 Uhr startet der »Hessische Abend« u. a. mit den Rörremer Dorfdäncern«. Am Kirmesmontag beginnt der Frühschoppen um 11 Uhr mit der Münchholzhäuser Blaskapelle. Auch ein Vergnügungspark ist vor Ort.

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