18. Juli 2018, 13:00 Uhr

Bauarbeiten

»Bahn frei« für Barrierefreiheit in Grünberg

Zwar sollte es eigentlich schon 2016 losgehen mit der Modernisierung des Bahnhofs in Grünberg. Gut, es ist »etwas« später geworden. Doch jetzt herrscht Hochbetrieb auf der Baustelle.
18. Juli 2018, 13:00 Uhr
Auch ohne Zollstock ersichtlich: Die Bahnsteige am Grünberger Bahnhof werden zugunsten eines barrierefreien Zustiegs erhöht. (Fotos: tb)

Wer in diesen Tagen Grünbergs Bahnhof ansteuert, dem fällt sie als erstes ins Auge: Knapp vier Meter ragt seit Kurzem eine grüne Wand in die Höhe, versperrt den Blick auf der Stadt größte Baustelle.

Freilich geht es hier weniger um Sicht-, mehr um Lärmschutz. Bei den Arbeiten hinter der Wand, die Verkehrsstation wird mit Millionenaufwand modernisiert, wird es schon mal laut.

Laut Hersteller senken die Wände, gefertigt aus einer komplexen Faserstruktur, die Lärmemission um bis zu 30 Dezibel.

Damit nicht genug: »Lärm wird leichter ertragen, wenn man die Quelle nicht sieht.« Ein nachgewiesener psychologischer Effekt, reklamiert das Unternehmen.

 

Exklusiver Blick auf die Arbeiten

 

Gut, für die Bewohner des Penthouses gegenüber trifft das nicht zu, da reichen vier Meter psychologischer Lärmschutz nicht. Auch nachts.

 »Wir halten die Rollläden geschlossen. Aber wenn ein großer Brocken runterdonnert, dann schreckt man schon auf«, bestätigt eine Anwohnerin.

Aus der Mansardenwohnung hat sie einen exklusiven Blick auf die Arbeiten am Bahnhof, die von der Deutschen Bahn mit 3,3 Millionen Euro veranschlagt werden.

Inklusive zweier Personenaufzüge als Kernstück des barrierefreien Ausbaus. Die allein kosten 400 000 Euro das Stück, werden aber erst zum Ende dieses Jahres installiert.

 

Bahnsteige etwas kürzer

 

In diesen Tagen kümmern sich »Matti« und seine Kollegen von der Baubrigade zunächst um die Erneuerung der Bahnsteige an Gleis 1 und 2. Jeweils 140 Meter lang werden die, etwas kürzer als die Vorgänger, etwas nach links verschoben.

Und vor allem 20 Zentimeter höher, was einen barrierefreien Zustieg zur »Vogelsbergbahn« Gießen-Fulda gewährleisten soll.

 

Bagger, die auf Schienen fahren

 

Als erstes mussten dafür ungezählte Kubikmeter Asphalt und Erdreich ausgebaut und abtransportiert werden. Jetzt, acht Tage nach dem ersten Spatenstich, ist der neue Bahnsteig bereits in Umrissen zu erkennen.

Mit Baggern, die auf Schienen fahren, werden rund 300 Bahnsteigkanten herangebracht, ausgerichtet und in einer Art Estrich platziert. Jeweils exakt 55 Zentimeter über der Gleisoberkante. Jedes der Fertigbauteile aus Beton wiegt stattliche 400 Kilo.

Für Gehbehinderte oder Rolli-Fahrer gab es bisher nur einen einzigen barrierefreien Zugang zur Verkehrsstation, rechts ums Empfangsgebäude herum – via Fahrradabstellplatz.

 

Stufenlose Zugänge

 

Und das auch nur zum Gleis 1 Richtung Fulda. Gleis 2 für die Züge nach Gießen ist nur über eine Unterführung mit zwei Treppen zu erreichen.

Das wird sich jetzt ändern: Links und rechts des Empfangsgebäude werden zwei stufenlose Zugänge neu geschaffen, über die Gehbehinderte auf den erhöhten Bahnsteig gelangen.

Die Wand: Schallschutz für die Anwohner des Grünberger Bahnhofs.
Die Wand: Schallschutz für die Anwohner des Grünberger Bahnhofs.

Wer diesen übers – 2017 an privat verkaufte – Empfangsgebäude ansteuert, muss künftig eine Stufe oder eine Rampe nehmen. Klar: Die Alternative wäre ein Anheben des Bahnhofs gewesen. »Der Abstand zwischen Gebäude und Gleis ist hier größer als anderswo, das erleichtert die Sache", erklärt Benedikt Kleinicke.  Als Projektleiter trägt er Verantwortung für die Modernisierung der Verkehrsstation Grünberg, finanziert aus Mitteln von Bund, Land Hessen, Stadt Grünberg und Verkehrsverbünden.

Auf dem Arbeitsplan des Mitarbeiters von DB Station & Service steht als nächstes die Modernisierung der Unterführung zwischen den beiden Gleisen. Die Überdachungen sind, mit Ausnahme der Unterkonstruktion, schon demontiert – , doch auch die sehenswerten historischen Stahlträger werden bald verschwinden. Die Treppe zum Tunnel erhält, so Kleinicke weiter gegenüber dieser Zeitung, neue Stufen und Wangen, die schäbige Unterführung soll Zugreisenden dank neuer Fliesen wieder hell und freundlich begegnen.

 

Aufzüge erst zum Ende des Jahres

 

Eine modernes Info- und Wegeleitsystem, inklusive taktiler Beläge für Sehbehinderte, vier Wetterschutzhäuschen und eine neue Beleuchtung sind gewissermaßen das I-Tüpfelchen der Modernisierung.

Wegen der buchstäblich aufwühlenden Arbeiten ist der Bahnhof Grünberg drei Wochen geschlossen, zwischen Buseck und Alsfeld verkehren nur Busse.

Am 29. Juli jedoch wird dann der erste Fahrgast Grünbergs neue, moderne Verkehrsstation nutzen können. Im September, schließt Kleinicke, soll das Projekt »baulich« abgeschlossen sein. Fast: Die Jungfernfahrt der Aufzüge kann erst zum Ende des Jahres erfolgen.

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