16. Februar 2019, 15:00 Uhr

Kinderpornos

Bewährungsstrafe für Verbreitung von Kinderpornos

Ein Schöffengericht hat einen 47-jährigen Mann zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten verurteilt, der über einen Tauschbörsendienst Kinderpornos verbreitet hat. Das milde Urteil hat einen besonderen Grund.
16. Februar 2019, 15:00 Uhr
(Symbolfoto: sha)

Über 40 000 kinderpornografische Bilder und rund 870 Filme – der Großteil davon zeigte Kinder bei sexuellen Handlungen mit Erwachsenen, teilweise auch mit Tieren – wurden im Juli 2014 bei der Durchsuchung einer Wohnung in Heuchelheim sichergestellt.

Jetzt musste sich der Besitzer vor einem Schöffengericht am Gießener Landgericht verantworten. Der heute 47-Jährige lebt nach einem Umzug in Österreich und ist seit 2015 verheiratet. Der Angeklagte hat bei 35 Vorgängen 395 Film- und 192 Bilddateien mit kinderpornografischen Material über einen Tauschbörsendienst heruntergeladen und damit automatisch verbreitet.

Dafür wurde er von einem Schöffengericht unter Leitung von Richter Jürgen Seichter zu 18 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss er 2000 Euro an eine Kinderhilfsorganisation zahlen und darf sich für die Dauer der Bewährung Mädchen unter 18 Jahren nur noch in Anwesenheit einer weiteren erwachsenen Person nähern.

Bereits 1990 musste der Angeklagte wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in Haft. Nach einer weiteren Verurteilung zwei Jahre später verbrachte er die nächsten 20 Jahre in einer forensischen Psychiatrie.

 

Angeklagter gesteht alles

Nach der Entlassung begann er, kinderpornografische Filme und Bilder über ein Tauschbörsennetzwerk herunterzuladen. Dass er die Dateien damit automatisch weiterverbreitet, sei ihm nicht bewusst gewesen: Als er das erfahren habe, habe er mit dem Downloaden aufgehört, sagte der Mann.

Er bestätigte in der Verhandlung die ihm zur Last gelegten Vorwürfe: »Ich habe diese Neigung und wusste, dass alleine der Besitz von solchen Filmen und Bildern strafbar ist«. Was die Kinder durchmachen mussten, habe er »einfach ausgeblendet«.

In den vergangenen Jahren hat sich viel im Leben des Angeklagten verändert: Er lernte eine gleichaltrige Frau kennen. Ihr habe er gleich alles über seine Neigungen gesagt, auch, dass Ermittlungen gegen ihn laufen: »Erst war sie geschockt, aber sie entschloss sich, mir eine Chance zu geben«.

 

Gefahr des Rückfalls gering

Seitdem drehe sich sein Leben um die Frau, deren 17-jährigen Sohn und seine Arbeit. »Seit der Hausdurchsuchung habe ich alle Kontakte zu Kindern eingestellt«, sagte er zudem.

Der psychiatrische Sachverständige Dr. Jens Ulferts sagte, die Gefahr eines Rückfalls sei gering – jedenfalls so lange seine Beziehung zu der Frau hält und sein Leben in geordneten Bahnen verläuft. So lässt sich auch das vergleichsweise milde Urteil für den 48-Jährigen erklären: »Gewissermaßen haben sie sich schon in den vergangenen fünf Jahren bewährt«, sagte Seichter.

Staatsanwaltschaft und der Angeklagte kündigten an, auf weitere Rechtsmittel zu verzichten.

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