23. September 2019, 22:23 Uhr

Bilder, die Geschichten erzählen

23. September 2019, 22:23 Uhr
Laudator Hartmut Miethe (l.) und Elnaz Niknejad (3. v. l.) bei der Ausstellungseröffnung mit einigen ihrer Werke. (Foto: dis)

Mit der Ausstellung »Stumme Frauen beginnen zu reden - Kunst ist international« präsentiert die Ausstellungsreihe »Kunst im Kabinett« im Museum im Spital Grünberg jetzt Arbeiten der iranischen Künstlerin Elnaz Niknejad, die vor zwei Jahren als gelernte Teppichknüpferin mit ihrer Familie nach Deutschland übersiedelte. Es wird eine Auswahl von Arbeiten gezeigt, die ihr helfen, in der neuen Heimat mental Fuß zu fassen und in einem freien Land als mündige Bürgerin ihre Persönlichkeit weiter entfalten zu können.

Wenn Niknejad auch erst am Anfang ihrer künstlerischen Entwicklung steht, überzeugt sie doch bereits im Umgang mit Form und Farbe. Ihre erste Ausstellung im Kunst- und Kulturforum Laubach fand bereits eine breite Resonanz und hat Hartmut Miethe veranlasst, als Mentor der »Kunst im Kabinett« die Künstlerin in das Museum im Spital nach Grünberg einzuladen. Hier trifft sie auf Menschen, die gerne und bewusst in den Dialog der Kulturen eintreten und die Künstlerin und ihre Familie auf dem Weg der Integration auf diese Weise begleiten.

In seinen einführenden Worten vor zahlreichen Gästen wies Miethe darauf hin, dass die Künstlerin mit einem eindringlichen Plakat zur Ausstellung eingeladen hat, das die Redefreiheit mit dem über Kreuz verschlossenen Mund einer Frau einklagt und zugleich darüber Klage führt, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung im Iran, aber auch in anderen Ländern. Nicht reden dürfen und alles durch die offizielle Brille eines Systems sehen zu müssen, sei bis 1989 auch für Millionen Deutsche Realität gewesen.

Freie Meinungsäußerung gehöre zur Menschenwürde und werde oft durch die Kunst realisiert, so Miethe weiter. Leider gäbe es auch in vielen Privatbeziehungen das Phänomen, dass Frauen in repressiven Verhältnissen verstummten oder auch zum Schweigen gebracht würden, wie Frauen aus Osteuropa.

Bilder erzählen Geschichten, wie etwa die einer jungen Frau, die sich im Iran für einen Fußballklub begeisterte. Weil sie sich in einem Trikot fotografieren ließ, verstieß sie gegen die Kleiderordnung und wurde inhaftiert. Danach protestierte sie gegen diese Behandlung und zündete sich vor dem Justizministerium an. Vor ein paar Tagen ist sie verstorben, wobei die offiziellen Medien nicht darüber berichteten, nur die sozialen Netzwerke weltweit. Weiterhin stellen Bilder die einzelnen Provinzen im Iran vor, die jeweils mit Symbolen verziert sind. Isfahan etwa steht für die Kunst und die Architektur, Kaschan für die Kunst des Teppichknüpfens.

Im Anschluss hatten die Besucher die Möglichkeit, Fragen an die Künstlerin zu stellen. Die Ausstellung kann noch bis zum 20. Oktober während den Öffnungszeiten des Museums besucht werden. Diese sind mittwochs von 18 bis 20 Uhr, freitags bis sonntags und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr. Bei der Finissage am 20. Oktober gibt es um 16 Uhr ein Künstlergespräch und eine Führung durch die Ausstellung.

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