27. September 2018, 22:17 Uhr

Bislang nur Brunnen und Schilf

27. September 2018, 22:17 Uhr

Eine Kindertagesstätte im Birkenhof? Damit hofft die Stadt Linden, vergleichsweise kurzfristig die Zahl der Betreuungsplätze für Vorschulkinder erhöhen zu können. Der Birkenhof ist ein derzeit nicht bewirtschafteter Aussiedlerhof, rund einen Kilometer vom Leihgesterner Ortsrand entfernt. In der unmittelbaren Nachbarschaft befinden sich drei weiteren Höfe: der Neuhof, der Berghof und der Ludwigshof. Eine kleine Idylle, kaum Autoverkehr, sieht man von den Fahrten der Bewohner ab. Alles liegt ein wenig abseits. Das hat Vorteile, doch auch Nachteile. Während Anschlüsse ans Stromnetz und ans Internet (freilich keine Breitbandleitung) bestehen, sind die Bewohner in Sachen Frisch- und Abwasser auf sich allein gestellt.

Das Frischwasser beziehen sie aus eigenen Quellen. Dieses Wasser besitzt fast Trinkwasserqualität – mit einem dicken »fast«: Der Nitratgehalt ist für Menschen zu hoch. »70 Milligramm pro Liter«, berichten Dr. Juan Jose Victoria und seine Frau Renate. Er ist als selbstständiger Berater für Erbauer von Wasserkraftwerken tätig, seine Frau arbeitete als Diplom-Ingenieurin im Hochbau. Nach der deutschen Trinkwasserverordnung dürfen im Trinkwasser maximal 50 Milligramm Nitrat je Liter enthalten sein. »Nitrat an sich ist für den gesunden und erwachsenen Menschen nicht direkt schädlich«, heißt es im Trinkwasser-Blog Ivario, »jedoch besteht die Möglichkeit, dass sich unter Einflussnahme bestimmter Darmbakterien Nitrat zu Nitrit entwickelt. Zudem ist die Entwicklung zu Nitrosaminen möglich, die als krebserregend gelten.« Bei Nitrat im Trinkwasser sind Säuglinge besonders gefährdet. Nitrit ist toxisch, also giftig.

Nitratgehalt wird gesenkt

Vor rund 18 Jahren haben die Eheleute das Neuhof-Gelände erworben und betreiben eine Anlage, um Trinkwasser aufzubereiten. Das Zauberwort heiß Umkehrosmose. »Dabei werden über 90 Prozent des Nitrats herausgefiltert«, berichtet Victoria. Um zu verhindern, dass der pH-Wert (Säuregehalt) zu niedrig ist, wird das gereinigte Trinkwasser nach dem Filtrieren aufgehärtet: Das Wasser fließt durch einen mit Granulat befüllten Behälter, wird so remineralisiert. Dieses Trinkwasser erfüllt nun problemlos die Bestimmungen der deutschen Trinkwasserverordnung und versorgt die rund 40 Personen auf dem Neuhof mit Trinkwasser.

Die Anlage wird täglich überwacht und die Wasserqualität von den zuständigen Behörden regelmäßig kontrolliert. Der Betrieb der Umkehrosmose-Anlage ist allerdings energie- und kostenintensiv.

Die Umkehrosmose-Anlage wird allerdings bald nicht mehr benötigt. Die vier Höfe werden an das Trinkwassernetz angeschlossen. Der Wasser-Hochbehälter der Nachbargemeinde Langgöns befindet sich praktisch in Sichtweite der Aussiedlerhöfe, deren Besitzer in Eigenregie und auf eigene Kosten eine Frischwasserleitung vom Behälter der Gemeinde Langgöns zu den vier Höfen verlegt. Die Stadt Linden und Bürgermeister Jörg König hatten den Kontakt ins Langgönser Rathaus zu Horst Röhrig vermittelt. Und dieser hat sofort die Unterstützung seiner Kommune zugesichert, berichtet das Ehepaar Victoria.

Trotz der Eigenarbeit belaufen sich die Gesamtkosten in Höhe eines mittleren fünfstelligen Betrages, den die vier Höfe alleine tragen müssen. Die Stadt Linden kann sich nicht an den Kosten beteiligen. »Das ist satzungsrechtlich nicht möglich«, erklärte Bürgermeister König. Unweit des Hochbehälters Langgöns wurde am Abzweig zu den vier Höfen ein Messschacht angelegt. Die Arbeiten machen Fortschritte, sodass diese Wasserleitung in absehbarer Zeit in Betrieb genommen werden kann.

Wo Frischwasser hinkommt, fällt auch Abwasser an. Auf dem Neuhof läuft darum eine Bio-Kläranlage mit zwei Vorklärgruben, deren Schlamm in regelmäßigen Abständen entsorgt werden muss. Nach den Vorklärgruben, der ersten Station, wird das Wasser durch eine Pflanzenkläranlage mit drei Beeten geführt und anschließend in ein Rinnsal geleitet. Die Qualität des Abwassers wird von den zuständigen Behörden regelmäßig kontrolliert. Die Kläranlage ist übrigens völlig geruchsfrei und nicht als eine solche zu erkennen. Der Anschluss an einen Abwasserkanal wird vorerst nicht ins Auge gefasst.

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