08. Oktober 2019, 05:10 Uhr

Bürgerhaus wieder ohne Pächter

Nach nur anderthalb Jahren ist wieder Schluss: Der Pächter des Allendorfer Bürgerhauses hat den Vertrag aufgekündigt, die Gaststätte ist geschlossen. Woran hat es gelegen? Und wie geht es nun weiter?
08. Oktober 2019, 05:10 Uhr
Das Allendorfer Bürgerhaus hat sich einmal mehr als schwieriges Terrain für Gastronomen erwiesen: Die Stadt muss nun einen neuen Pächter suchen. (Foto: dhe)

Die Vorzeichen schienen günstig: Im Mai 2018 hatte ein neuer Pächter das Allendorfer Bürgerhaus mit dem angeschlossenen Restaurant »Stadtschänke« übernommen. Nach der Schließung der Traditionsgaststätte »Klement’s Post« waren nicht wenige Allendorfer froh, dass es im Bürgerhaus einen Neustart gibt. Drei Bewerber hatten ihr Konzept der Verwaltung vorgestellt, einer machte das Rennen - »mit relativ breit aufgestellter Gastronomie und und gutbürgerlicher Küche«, wie es Bürgermeister Thomas Benz vor knapp einem Jahr beschrieb.

Doch die Hoffnung auf mehr Kontinuität im Bürgerhaus der Kernstadt ist inzwischen dahin: Das Bürgerhaus ist wieder ohne Betreiber. Wie Benz auf Anfrage mitteilt, habe man den grundsätzlich unbefristeten Pachtvertrag »in beidseitigem Einvernehmen« zum 30. September aufgelöst. Der scheidende Pächter habe darum gebeten.

Trotz der einvernehmlichen Lösung gehen die Verwaltung und der bisherige Pächter aber offenbar nicht im Guten auseinander: In einer Anzeige im Allendorfer Mitteilungsblättchen hatte der Betreiber kürzlich der Kundschaft für ihr Vertrauen gedankt - und Kritik geübt: »Der Vertragspartner hat uns leider immer wieder Steine in den Weg gelegt, sodass wir uns gezwungen sahen, das Vertragsverhältnis zu beenden.«

Der Bürgermeister widerspricht dieser Darstellung energisch. Man habe stattdessen versucht, den Pächter zu unterstützen. So habe ein Allendorfer Getränkehandel zum Nikelsmarkt etwa einen Kühlwagen bereitgestellt und sich um die Belieferung gekümmert. In Gesprächen habe der Gastronom sich kaum geäußert.

Warum lief der Bürgerhaus-Betrieb nicht rund? Am Essen habe es nicht gelegen, findet der Bürgermeister, »er hat sehr gut gekocht«. Doch die Probleme mit Service und Logistik hätten sich gehäuft. Gäste hätten lange auf Getränke warten müssen, bei Veranstaltungen wie der Verleihung der Ehrenamtsmedaille sei das Service-Personal zu knapp bemessen gewesen.

Klar ist: Für Pächter ist die Übernahme eines Bürgerhauses samt großem Saal und größeren Veranstaltungen ein unternehmerisches Risiko, das mitunter schwer zu kalkulieren ist. Der Ort konkurriert mit Vereinsheimen und anderen Einrichtungen, wenn es um private Veranstaltungen geht.

Was kann die Stadt tun, um das Bürgerhaus für potenzielle Mieter attraktiver zu machen - und damit auch die Situation für künftige Pächter zu erleichtern? »Wir müssen in alle Richtungen denken«, sagt Bürgermeister Benz. Handlungsbedarf sieht er bei der Benutzungs- und Gebührenordnung. Darin ist festgeschrieben, zu welchen Konditionen städtische Einrichtungen wie die Bürgerhäuser gemietet und genutzt werden können.

»Wir müssen an die Saalmiete ran«, sagt Benz. Aktuell kann der große Saal für 150 Euro gemietet werden - Schankanlage und Lautsprecher nicht inbegriffen. Wer weitere Räume zubucht, ist schnell bei über 300 Euro. Benz: »Ich vermiete lieber einmal für 150 Euro als keinmal für 350.« Über eine Senkung der Gebühren müsse man sich nun Gedanken machen. »Und vielleicht werden wir Interessenten auch gezielter sagen, dass es ein Bürgerhaus ist - da wollen Leute aus Vereinen auch abends einfach mal ein, zwei Bier trinken.«

Wie geht es nun mit Bürgerhaus und Stadtschänke weiter? Auf der Suche nach einem Nachpächter werde man Gespräche mit der Brauerei führen, mit der ein Vertrag bestehe. »Da müssen wir jetzt mal abwarten«, sagt der Rathauschef. Nach dem Nikelmarkt werde er das Thema dann »offensiv angehen«. Er hoffe, dass noch vor Weihnachten der Gastro-Betrieb mit neuem Pächter starten kann. »Ob es so kommt, wie man es sich erhofft, steht auf einem anderen Blatt.«

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