20. November 2017, 07:00 Uhr

Bürgermeisterwahl

Bürgermeisterwahl in Rabenau: 3 Kandidaten, 9 Fragen, 27 Antworten

Am 26. November wird in Rabenau ein neuer Bürgermeister gewählt. Wir haben den drei Kandidaten Fragen zu neun Themen gestellt. Und interessante Antworten erhalten.
20. November 2017, 07:00 Uhr
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Von Thomas Brückner
Am 26. November wird in Rabenau ein neuer Bürgermeister gewählt. (Symbolfoto: dpa)
Am 26. November fällt die (Vor-)Entscheidung, wer am 1. Mai 2018 die Nachfolge von Rabenaus Bürgermeister Kurt Hillgärtner (FW) antritt. Drei Kandidaten stehen zur Wahl: Christoph Nachtigall (33, FW), Ralf Lich (56, SPD) und Florian Langecker (36), der zwar CDU-Mitglied ist, jedoch als Unabhängiger antritt. Wir haben sie zu neun Themen befragt. Das sind die Antworten:

Finanzielles

Rabenau ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Was sollte geschehen, um die Ertragslage zu verbessern?

Christoph Nachtigall: Rabenau muss insbesondere eine bessere Vermarktung des Wohnraums und des Tourismus vorantreiben. Langfristig besteht damit die Möglichkeit, neue Einwohner in die Rabenau zu holen und damit neue Einnahmen im Bereich der Einkommenssteuer zu generieren. Auch ist die Förderung des Gewerbes und das angestrebte interkommunale Gewerbegebiet an der A5 ein wichtiger Grundstein zur finanziellen Absicherung der Rabenau.

Ralf Lich: Der Schlüssel wird u. a. Gewerbeansiedlung heißen. Das interkommunale Gewerbegebiet an der A5, zusammen mit Grünberg und Allendorf, ist eine Chance für Mehreinnahmen. Aufgrund der relativ niedrigen Preise und der guten Infrastruktur sind wir eine attraktive Gemeinde und müssen für mehr Zuzug sorgen. Außerdem muss der ländliche Raum endlich vom Land Hessen ausreichend finanzielle Zuweisungen bekommen.

Florian Langecker: Die Einnahmenseite der Gemeinde muss konsequent verbessert werden. Der eigene Autobahnanschluss muss intensiver als bisher beworben werden, um geeignete Unternehmen und Dienstleister nach Rabenau zu holen. Das bringt Steuereinnahmen und Arbeitsplätze in die Gemeinde. Erforderlich sind daher Investitionen in Infrastrukturmaßnahmen (Verkehr, Tourismus, Ortsbild).
 

Brandschutz

Brandschutz ist eine Pflichtaufgabe, doch braucht jedes Dorf seine eigene Wehr?

Christoph Nachtigall:  Die Feuerwehren sichern als primäre Aufgabe den Brandschutz sowie auch den Katas-trophenschutz. Insbesondere bei freiwilligen Wehren sind diese auch eine Gemeinschaft und gehören fest zur Identität der Ortsteile. Ich finde es wichtig, dass jeder Ortsteil eine funktionierende Wehr hat. Eine Zusammenarbeit der Ortsteilwehren in Form von gemeinsamen Übungen und auch gut geplanten Anschaffungen werde ich mit ganzer Kraft unterstützen.
 
Ralf Lich: Solange die Feuerwehr in den Ortsteilen funktioniert, sollten die Ortsteilwehren bestehen bleiben. Wo dies nicht mehr funktioniert, muss man sich gemeinsam auf die Suche nach Lösungen machen. Neben dem Brandschutz und der Gewährleistung unserer Sicherheit durch die Wehren leisten die Feuerwehrvereine aber auch viel Arbeit für das dörfliche Zusammenleben. Diese gilt es zu unterstützen.
 
Florian Langecker: Für guten Brandschutz braucht es kurze Wege und gute Ortskenntnisse. Das kann eine Wehr vor Ort am besten. Unsere Feuerwehr versieht zum Schutz der Bürger mit das wichtigste Ehrenamt. Sie weiß um die komplexen taktischen, sächlichen und personellen Bedingungen. Auch künftig soll sie all das bekommen, was sie zur Erfüllung ihres Schutzauftrages benötigt. Neue Wege kann ich mir nur mit der Feuerwehr zusammen vorstellen, nicht über deren Köpfe hinweg.
 

Steckbrief

Ralf Lich (SPD)
Ralf Lich (Foto: pm)
  • 56 Jahre, wohnhaft in Londorf, verheiratet, zwei Kinder
  • Beamter bei der Deutschen Post AG, Dienststellen und Tätigkeiten: Schalter, Buchhaltung, Betriebsleitung, diverse interne Aufgaben, aktuell bei der Deutschen Post AG in Marburg
  • Seit 1997 Mitglied der Gemeindevertretung Rabenau (SPD­Fraktion), von 2011 bis 2016 Vorsitzender der Gemeindevertretung
 

Wirtschaft

Als Kleinzentrum hat Rabenau kaum Entwicklungschancen. Steht Wirtschaftsförderung dennoch auf Ihrer Agenda und wie würde Sie bei Ihnen aussehen?
 
Christoph Nachtigall: Ich sehe den Bereich Wirtschaft als eine der wichtigsten Chancen für Rabenau. Wir haben gute Firmen, die weit über die Grenzen der Rabenau tätig sind. Diese sind für viele Rabenauer auch Arbeitgeber. Zusammenarbeit und Austausch der Betriebe untereinander werde ich unterstützen. Die Betriebe möchte ich gemeinsam mit Vereinen, motivierten Bürgerinnen und Bürgern mit einem Dorfmarketing vernetzen, um gemeinsam zukunftsfähige Konzepte zu entwickeln.
 
Ralf Lich:
Natürlich steht die Wirtschaftsförderung ganz oben auf meiner Agenda. Von Arbeitsplätzen vor Ort profitieren unsere Bürgerinnen und Bürger direkt. Ich will den Unternehmerstammtisch beibehalten und jede Möglichkeit ausnutzen, um zu unterstützen. Die Anbindung an die A5 war ein Schritt, der Ausbau mit schnellem Internet ein weiterer, nun müssen weitere – wie zum Beispiel ein Tourismuskonzept folgen.
 
Florian Langecker: Ich sehe für Rabenau durchaus gute Entwicklungschancen. Dies bestätigt auch ein überregionales Gutachten. Dazu muss der Förderung unserer Wirtschaft hohe Priorität eingeräumt werden. Die vorhandenen Potenziale unseres heimischen Gewerbes müssen kreativ und konzeptionell ausgeschöpft werden. Auch werde ich für die Ansiedlung von neuem Gewerbe und Dienstleistern intensiv eintreten, inklusive interkommunaler Gewerbeansiedlungen
 

Kitas

In den Kitas ist kaum mehr ein Plätzchen frei. Was tun?
 
Christoph Nachtigall: Aufgrund des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz ist Rabenau verpflichtet allen Kindern einen Kita-Platz zur Verfügung zu stellen. Die Kitas stellen eine erhebliche Ausgabe im Gemeindehaushalt dar. Bevor man die Kindergärten erweitert, sollte man prüfen ob es möglich ist, Angebote, z. B. wie Tagesmütter als Ergänzung, in Rabenau zu etablieren.
 
Ralf Lich: Sinnvoll wäre es, Plätze in den bereits bestehenden und gemeindeeigenen Gebäuden zu schaffen. Es bietet sich förmlich an, den Zuzug in Geilshausen mit der Einrichtung von zwei Kita-Gruppen im derzeitigen Feuerwehrhaus zu forcieren. Auch die Tätigkeit von weiteren Tagesmüttern in der Rabenau sollte unterstützt werden.
 
Florian Langecker: Die Betreuung der Kinder ist für mich eine besonders wichtige Aufgabe und mittelfristig müssen zusätzliche Plätze bereitgestellt werden. Dazu muss der tatsächliche Bedarf erhoben werden (Ist-Situation und prognostizierte Bevölkerungsentwicklung). Gemeindeeigene Liegenschaften müssen auf Eignung bewertet werden. Gegebenenfalls können Räume angemietet werden.
 

Steckbrief

Florian Langecker (unabh.)
Florian Langecker (Foto: pm)
  • 36 Jahre, wohnhaft in Londorf, Polizeihauptkommissar, verheiratet, zwei Kinder.
  • Abitur, Studium an Verwaltungsfachhochschule Wiesbaden, Abschluss Dipl.-­Verwaltungswirt. Seit 2011 unterrichtet er an der Hochschule für Polizei und Verwaltung. In semester­freien Zeiten im Kriminal­Dauerdienst, Rauschgift­kommissariat oder der Tatortgruppe eingesetzt.
  • Seit 2006 in Gemeindevertretung Rabenau (CDU­Fraktion), seit 2016 im Ortsbeirat Londorf/Kesselbach
 

Interkommunale Zusammenarbeit

IKZ ist in aller Munde. Geht Ihrer Ansicht nach mehr als ein Verwaltungsverbund mit Allendorf?
 
Christoph Nachtigall: Interkommunale Zusammenarbeit ist nicht für alle unsere Probleme eine Lösung. Es gibt Bereiche bei denen eine Zusammenarbeit Sinn macht. Wo möglich und sinnvoll und ohne größere Nachteile für den Bürger, gilt es erst einmal die IKZ voranzutreiben. Ob und wie ein gemeinsamer Verwaltungsverbund aussehen könnte wird zurzeit in
 einer Studie ermittelt. Dieses Ergebnis gilt es abzuwarten.
 
Ralf Lich: Auch bei der IKZ darf es keine Denkverbote geben. Eine Ausweitung auf das ganze Lumdatal mit einer Anlaufstelle in den Rathäusern ist machbar. In ferner Zukunft kann ich mir auch einen Bürgermeister für Rabenau und Allendorf zusammen vorstellen. Trotzdem muss der Bürger Anlaufstellen für seine Anliegen haben. Nicht mobile Bürger könnten aufgesucht werden.
 
Florian Langecker: Der mit Allendorf geschlossene Gemeindeverwaltungsverband ist schon eine der weitgehendsten Formen der IKZ. Nur wenige Kommunen haben sich bisher an ein solches Projekt herangewagt. Hier gilt es für unsere Gemeinde zunächst einmal dieses Vorhaben umzusetzen.


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Lumdatalbahn

Kann sich Rabenau die Lumdatalbahn leisten?
 
Christoph Nachtigall: Definitive Zahlen zur Lumdatalbahn stehen noch nicht fest. Aktuell und auch in naher Zukunft wird sich die Rabenau keine Infrastrukturmaßnahmen wie die Lumdatalbahn selbst leisten können. Es ist erst einmal angestrebt, mit Land und Kreis in Gespräche zu treten und verbindliche Zahlen zu erhalten. Sobald Kosten auf die Bürger der Gemeinde zukommen, sind die Bürger in den Entscheidungsprozess mit einzubinden.
 
Ralf Lich: Die Rabenau kann es sich nicht leisten, weiter den Anschluss zu verpassen. Die Reaktivierung wäre für uns ein Riesengewinn. Eine gute Verkehrsanbindung ist die Voraussetzung für Zuzug, Schaffung von Tourismus, eine deutliche Entlastung der Verkehrswege… Die Reaktivierung wäre ein riesiges Investitionsprogramm in den ländlichen Raum und würde dafür sorgen, dass die Lebensverhältnisse bei uns nicht schlechter werden.
 
Florian Langecker: Wir brauchen eine verbesserte Verkehrsanbindung. Die Lumdatalbahn ist wichtig, um immer mehr Autos von der Straße und unsere Bürger ebenso wie unsere Schulkinder sicherer als bisher zur Schule und zum Arbeitsplatz zu bringen. Der Anschluss ist auch wichtig für eine saubere Umwelt. Für eine Reaktivierung der Bahn kann die Gemeinde Rabenau allerdings nur einen geringen finanziellen Beitrag leisten.

 

Zukunft


In die Zukunft geschaut: Wie könnte, wie sollte Rabenau im Jahr 2027 dastehen?
 
Christoph Nachtigall: Meine Vision für die Zukunft ist eine lebendige Gemeinde, in der Menschen jeden Alters gerne leben, und die sich mit dem Lumdatal als hessenweit bekannte touris-tische Urlaubsgegend etabliert hat.
 
Ralf Lich: Ich hoffe, dass die Gemeinde Rabenau im Jahr 2027 in Frieden und Freiheit lebt und die Menschen diesen Ort mit seiner herrlichen Landschaft als liebens- und lebenswert ansehen. Ich hoffe, dass er für sie so attraktiv ist, weil wir dann eine aufstrebende Kommune mit einer sehr guter Verkehrsanbindung sind und gerade Familien sich bei uns wohlfühlen und die Senioren einen gerechten Lebensabend finden.
 
Florian Langecker: In zehn Jahren ist Rabenau eine aufstrebende Gemeinde mit einem umfangreichen Angebot an sozialen und kulturellen Leistungen. Die verkehrliche Anbindung ist besser als heute, der Haushalt ausgeglichen, die Steuer-, Beitrags- und Gebührenzahlungen sind erträglich. In einer lebenswerten Umgebung sehe ich viele Kinder auf naturnahen Spielplätzen und ältere Bürger, die in ihrer Heimat den Ruhestand genießen können.
 

Steckbrief

Christoph Nachtigall (FW)
Christoph Nachtigall (Foto: pm)
  • 33 Jahre, wohnhaft in Londorf, verheiratet.
  • Ausbildung zum Fach­informatiker. IT­Systemadminis­tration/IT­Security­ und Netzwerk­spezialist für weltweit tätigen Automobilzulieferer. 2005 bis 2008 hauptberuflich selbstständig im IT­Bereich.
  • 2006 bis 2016 Mitglied der Gemeindevertretung Rabenau, seit 2016 stellvertretender Vorsitzender im Bildungswerk für Kommunalpolitik Hessen e.V., Landesvorsitzender der Jungen Freien Wähler Hessen.
 

Persönliches

Warum wollen Sie Bürgermeister werden?
 
Christoph Nachtigall: Weil ich über 16 Jahre Erfahrung in der Kommunalpolitik verfüge sowie auch Erfahrung in der Führung eines Unternehmens. Diese Fähigkeiten möchte ich gemeinsam mit den Experten der Verwaltung dafür nutzen, die Verwaltung zu einem noch besseren Dienstleister für die Bürger auszubauen. Meine Leidenschaft, mit der ich mich politisch und ehrenamtlich engagiere, möchte ich zur Weiterentwicklung der Gemeinde nutzen.
 
Ralf Lich: Ich liebe meine Heimat. Mir macht die Kommunalpolitik und die Mitgestaltung der Zukunft der Gemeinde Rabenau – zusammen mit den anderen Fraktionen – großen Spaß. Ich habe in den vergangenen Jahren viele interessante Menschen kennengelernt und mit ihnen zusammengearbeitet. Ich habe noch so viele Ideen und freue mich darauf, diese einzubringen und zu diskutieren.
 
Florian Langecker: In Rabenau habe ich meinen Lebensmittelpunkt – hier bin ich verwurzelt. Daher möchte ich, dass unsere Gemeinde vorangebracht wird. In meinem ganzen Berufsleben habe ich immer sehr gerne mit und für die Menschen gearbeitet. Auch privat setze ich mich immer wieder für andere ein. Das will ich in Zukunft mit vollem Einsatz tun. Als Bürgermeister kann ich mich am besten für das Wohl unserer Gemeinde einsetzen.

+++ Podiumsdiskussion: Vielzahl an Gemeinsamkeiten +++
 

Bonustrack


Mit welcher Frage wollten Sie sich schon immer mal konfrontiert sehen, haben Sie vermisst?
 
Christoph Nachtigall: Wieso kandidieren Sie für die Freien Wähler, nicht für eine etablierte Partei oder sogar ganz unabhängig?

Ich bin, seit ich mich politisch engagiere, bei den Freien Wählern. Hier habe ich gelernt, was es heißt, sachorientiert, ohne Partei-brille zu arbeiten. Ich habe in den 16 Jahren immer meine Meinung vertreten, auch wenn diese nicht die der eigenen Fraktion war. So einen Charakter benötigt die Gemeinde als Bürgermeister. »Und eine Kutte macht bekanntlich noch keinen Mönch«. Den Titel »unabhängig« erhält man nicht durch seine Kandidatur, sondern durch sein Handeln.
 

Ralf Lich: Wie sollen die Kitas in Zukunft finanziert werden?

Bildung sollte vom ersten Kindergartenjahr bis zum Studium kostenfrei sein. Ich begrüße den Vorschlag der SPD Hessen, nicht nur die Familien von allen Kindergartenbeiträgen zu befreien, sondern auch die Kommunen massiv zu entlasten. Die aktuellen Vorschläge anderer Fraktionen bedeuten, dass die Kommunen zur Kasse gebeten werden oder durch ihrer Finanzprobleme die Eltern verstärkt zur Kasse bitten. Dies ist nicht tragbar.
 
Florian Langecker: Viele Häuser in den alten Ortskernen stehen zunehmend leer, sind dem Verfall preisgegeben. Wie beurteilen Sie das?

Immer mehr Häuser, die noch vor wenigen Jahrzehnten unseren Dörfern ein »Gesicht« und einen Charakter gegeben haben, werden nicht mehr bewohnt. Die Folgen sind für jeden deutlich sichtbar. Deshalb steht die Dorfentwicklung auf meiner Agenda ganz oben. Zur Bewältigung dieser Mammutaufgabe müssen alle Bürger schnell an einen Tisch geholt werden – es muss dann gemeinsam entschieden werden, wohin wir wollen und auf welchem Weg.
 


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