13. November 2018, 21:26 Uhr

Colors of Blue und andere Farben

13. November 2018, 21:26 Uhr
Songperlen nonstop: (v. l.) Pius Burk, Peter Steiber alias El Daib und JJ Fischer. (Foto: axc)

Bisher gab es »Colors of Blue«, das beliebte heimische Trio mit seiner ausgeprägten Vorliebe für alles, was Saiten zum Zupfen hat, nur live oder auf DVD. Nun jedoch haben JJ Fischer, Pius Burk und Peter Steiber alias El Daib ihre erste CD vorgestellt: live in der prall gefüllten Kinokneipe. »Southern Belles« heißt die Scheibe, und natürlich sind mit diesen Schönheiten nicht die Frauen der amerikanischen Südstaaten gemeint, sondern die auf der Scheibe versammelten Songperlen selbst. Der erfrischende Abend machte mehr als deutlich, dass sie allesamt den Musikern am Herzen liegen.

Der »Coolness-Faktor« stimmt

Pünktlich um 20 Uhr kündigt die Band an, das Album komplett zu spielen – und schon geht es mit den archaischen Slide-Sounds von Pius Burks Resonator-Gitarre los. »Rollin’ & Tumblin’« ist als flotter Bluesklassiker der optimale Opener. JJ Fischer spielt Banjo, während El Daib die ganz tiefen Töne einer bundlosen Bass-Ukulele entlockt. Aber wer »Colors of Blue« kennt, weiß, dass sie sich nie auf den reinen Blues beschränken – und auf jeweils nur ein Instrument schon gar nicht. JJ Fischer wechselt für »If It Hadn’t Been for Love« zu seiner neuen Resonator-Mandoline. Pius Burk erläutert den Grund für die häufigen Gitarrenwechsel: nämlich die unterschiedlichen Stimmungen, die für die einzelnen Songs benötigt werden. Aber sicherlich haftet der Freiheit, immer wieder andere Klampfen aus dem Ständer ziehen zu können, auch ein gewisser Coolness-Faktor an. »Natürlich lieben wir sie (die Gitarren) auch alle,« gibt JJ Fischer im Pausengespräch zu.

Überhaupt gehört auch das Bühnen-Outfit zur Show: von JJs spitzen Killer-Schuhen über Pius’ Hut und Sonnenbrille bis zu El Daibs schick-schwarzem Jackett. Dies fällt allerdings schon nach dem zweiten Song den Temperaturen auf der Bühne zum Opfer.

Zwar feiern Songs wie Paul Rodgers’ »Muddy Water Blues« oder John Mayalls »Laurel Canyon Home« den klassischen Zwölftakter, aber das Trio begeistert sich auch für angrenzende Genres – oder überhaupt gute Songs, etwa Tom Waits’ »Temptation«. Ihre Version von »Honky Tonk Women« fällt noch countryhafter aus als die »Country Honk«-Fassung der Stones selbst, während Gershwins »It Ain’t Necessarily So« bluesiger tönt als in »Porgy & Bess«. Bill Withers’ »Use Me«, im Original soulig-funky mit Clavinet, kommt nun als leichtfüßiger Hüpfer mit Banjo daher. »Walk on the Wild Side« wird auch ohne Chorsängerinnen, Streicher und Saxofon zu Recht gefeiert. Ein Höhepunkt ist das bedrohliche, angeblich von Dylan mitkomponierte »Well, Well, Well«, das statt New Yorker Häuserschluchten eher nach schwül-düsteren Sümpfen im Big River-Delta klingt. Mit »Smooth«, dem Hit von Santana & Rob Thomas, wagt sich das Trio musikalisch über die mexikanische Grenze. Nur »Walking in Memphis« will nicht so richtig in den Rahmen passen.

Abwechslung ist nicht nur durch die vielen Instrumente und Stile, sondern auch dadurch garantiert, dass sich alle drei an den Mikros abwechseln. Am stärksten ist das Trio zweifellos beim ursprünglichen Blues, und so endet das Set – dem nach der Pause mit CD-Verkauf noch ein üppiger Nachschlag folgt – mit Son House und seinem klagenden Blues »Grinning in Your Face«.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Blues
  • CDs
  • Paul Rodgers
  • Scheiben
  • Südstaaten
  • The Rolling Stones
  • Tom Waits
  • Lich
  • der Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 20 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.