09. Mai 2019, 22:18 Uhr

Damit das Holz nicht liegen bleibt

09. Mai 2019, 22:18 Uhr
Der nächste Winter kommt bestimmt. Bis dahin muss auch die Gemeinde Reiskirchen ihre Holzvermarktung neu strukturiert haben. (Foto: nic)

Das Kartellamt hat ein Machtwort gesprochen und Hessen Forst die Konsequenzen gezogen: Der Landesbetrieb wird künftig kein Holz mehr aus kommunalen Wäldern vermarkten. Die Städte und Gemeinden müssen sich etwas Neues einfallen lassen und zwar schnell. Bis zum kommenden Herbst muss die neue Vermarktung stehen, sonst bleibt das Holz im Wald liegen. In Reiskirchen ist eine Vorentscheidung am Mittwoch in einer gemeinsamen Sitzung von Bau- sowie Haupt- und Finanzausschuss einstimmig gefallen: Die Gemeinde soll sich der Holzvermarktung Mittelhessen anschließen. Über diese gemeinsame GmbH wollen zurzeit 24 Kommunen aus dem Lahn-Dill-Kreis und dem Landkreis Gießen ihr Holz gemeinsam anbieten; der Einstieg weiterer Gesellschafter ist möglich.

Für Alleingänge zu klein

Details erläuterte Frank Inderthal, der Bürgermeister von Solms. Er soll der zu gründenden Gesellschaft als vorläufiger Geschäftsführer auf die Beine helfen. »Bis zum Winter müssen wir arbeitsfähig sein«, umreißt er den Zeitplan. Immerhin: Einen Geschäftsplan gibt es bereits. Ein mit der Holzbranche vertrautes Beratungsunternehmen aus Freiburg, Unique forestry and land use, hat ihn geschrieben.

Aber warum braucht man überhaupt eine GmbH? Laut Inderthal sei jede einzelne Kommune für eine erfolgreiche Vermarktung in Eigenregie zu klein. »Die Kommunen müssen ihre Mengen bündeln, um als Anbieter wahrgenommen zu werden«, sagte der Gast aus dem Lahn-Dill-Kreis. Die geplante GmbH könne sich auf eine Fläche von 30 000 Hektar und eine Holzmenge von 100 000 Festmetern stützen. Für den Start gewähre das Land eine Anschubfinanzierung. »Aber nach drei Jahren müssen wir erfolgreich sein, sonst haben wir ein Problem.« Die größte Hürde wird nach Ansicht Inderthals die Personalgewinnung sein. Falls man die notwendigen Mitarbeiter nicht gleich finde, bestehe auch die Möglichkeit, einen Dienstleister einzuschalten. In einem zweiten Schritt könne man auch erwägen, die Beförsterung, die noch bei Hessen Forst liegt, auf die GmbH zu übertragen. Inderthal: »Das Einheitsforstamt hat den Vorteil des schlanken Prozesses.«

In der Diskussion wurde Unmut über den Ausstieg des Landes aus der Vermarktung laut. »Die Ankündigung hat die Kommunen kalt erwischt«, sagte Bürgermeister Dietmar Kromm. Auch Reinhard Strack-Schmalor (SPD) zeigte sich mit der Vorgehensweise des Landes, das auch noch die Kosten für die Beförsterung um 30 Prozent erhöht hat, höchst unzufrieden. Man sollte den Ausstieg aus der Beförsterung vorbereiten, »vielleicht bewegt sich das Ministerium dann.« Karl-Heinz Scherer (Freie Wähler) bezeichnete den Beitritt zur Holzvermarktung Mittelhessen als »momentan alternativlos«, eine Beratung durch den Waldbesitzerverband, dem Reiskirchen beigetreten ist, hält Petra Süße (CDU) aber in jedem Fall für sinnvoll. Den Hinweis von Strack-Schmalor, dass der Beitritt zur Holzvermarktung Mittelhessen GmbH in Anbetracht eines Geschäftsanteils von 1000 Euro nicht allzu riskant sei, mochte Dr. Rolf Tobisch allerdings nicht gelten lassen: »Unser Risiko sind nicht die 1000 Euro. Unser Risiko ist, dass die GmbH nicht so funktioniert, wie sie soll.«

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