13. Mai 2019, 22:03 Uhr

Das Piano lebt gefährlich

13. Mai 2019, 22:03 Uhr
Temperament an den Tasten: Lucy van Kuhl.

Mit Lucy van Kuhl alias Corinna Fuhrmann hatte der Barfüßer-Förderkreis Kultur eine Künstlerin nach Grünberg geholt, die das Publikum mit ihrem Auftritt am Samstagabend im Barfüßerkloster begeisterte. Die Musikerin mit kabarettistischem Einschlag wurde von Konstantin Wecker entdeckt: Ihre Art zu musizieren und zu singen, ihre poetischen und ironischen Worte faszinierten ihn. Seit Oktober 2018 ist Lucy van Kuhl in Weckers Label »Sturm und Klang« unter Vertrag, im Frühjahr 2019 erscheint dort ihre CD »Dazwischen«.

Kabarett und Chansons

Als studierte Germanistin und Pianistin verbindet Lucy van Kuhl in ihren Liedern Wort und Musik. Sie beobachtet ihre Umwelt, ihre Mitmenschen und sich selbst und kombiniert auf charmant-unnachahmliche Weise Klavierkabarett mit Chansons. In den kleinen Tücken des Alltags finden sich die Menschen wieder, die sie nicht nur ironisch besingt, sondern auch in ehrlichen und ruhigen Chansons. Für ihre Songtexte erhielt sie 2017 ein Stipendium an der »Celler Schule«, der einzigen Masterclass für Songtexter in Deutschland, gefördert durch die GEMA-Stiftung. Zusätzlich erhielt sie den »Hans Bradtke-Förderpreis der GEMA«, gestiftet von Barbara Berrien, der Tochter des Textdichters Hans Bradtke (u.a. »Pack die Badehose ein«, »Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett«) für ihre »Originalität, Lust am Spielen, große Experimentierfreude und ihre virtuosen Texte«. Die Musikerin lebt in Südfrankreich und Berlin; sie ist oft auf Reisen. Öfter hat sie Engagements auf Kreuzfahrtschiffen, u. a. bei Touren nach Miami. So erzählte sie in Grünberg die Anekdote, wie sie mit ihrer Freundin nackt auf dem Deck liegt, weil es dort so ruhig ist - ohne zu berücksichtigen, dass beide auf dem Glasdach des Speisesaales liegen. Sie sang ein Klagelied auf eine vom Aussterben bedrohten Gruppe, das Lied vom Schulfreund.

Dann erzählte sie von ICE-Bahnfahrten, auf denen Rentner ihren reservierten Platz belegten, wobei diese doch eigentlich die Zeit hätten, einen nicht ganz so schnellen Zug in Anspruch zu nehmen, »um schöne Blumen sehen zu können«. Als letzter Titel vor der Pause wurde von ihr das Lied »Fliegen mit dir« gesungen. Unter diesem Motto stand auch der Auftritt im Barfüßerkloster.

Nach der Pause wurde das »Fernsehturmlied« gesungen, bei dem Lucy van Kuhl mit ihrem Temperament fast das Piano zerlegt hätte - natürlich sehr zur Begeisterung der Zuhörer. Sie sang zudem u. a. Lieder von der Nordsee, vom »Lieben Handy-Gott« und vom »Letzten Sommertag«. In Anbetracht des lang anhaltenden Applauses des begeisterten Publikums brachte sie als Zugabe noch das Lied von einer Kreuzfahrt (»Dafür hab ich auch bezahlt« auf die Melodie »Holleri und Hollero«), »Nachbarn haben’s richtig gut« und ein ruhiges Klavierstück für den Nachhauseweg. (Foto: dis)

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