10. November 2017, 11:35 Uhr

Bürgermeisterwahl Rabenau

Das sind die Visionen von Bürgermeisterkandidat Lich

Für die Lumdatalbahn, für mehr Interkommunale Kooperation, zunächst mit Allendorf, ist Bürgermeisterkandidat Ralf Lich (SPD). Er sagt: »Letztlich braucht’s nur einen Rathauschef.«
10. November 2017, 11:35 Uhr
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Von Thomas Brückner
"Stammtisch-Gespräch" mit Ralf Lich (links): Kooperationsmodelle, sei es für Kommunen oder Feuerwehren, kommen in der Gaststätte "Zum Lumdatal" auf den Tisch. (Foto: tb)

Was sich für Beobachter des Wahlkampfs um die Nachfolge von Bürgermeister Kurt Hillgärtner (FW) längst abgezeichnet hat, das sieht Ralf Lich nicht anders: »Zwischen den Kandidaten gibt es doch viele Gemeinsamkeiten.« Eine Einschätzung, die an diesem Abend in der Gaststätte Zum Lumdatal zu hören ist, wohin der 56-Jährige SPD-Kandidat zum »Stammtisch« geladen hat. Passend zum Format: Es entspinnt sich ein munterer Dialog, bei dem auch Dampf abgelassen wird.

Kosten auf mehrere Jahre verteilen

Zuvor aber erläutert der Postbeamte sein Programm. Auch er ist danach für die Reaktivierung der Lumdatalbahn, erwartet mehrere Vorteile für die ländliche Gemeinde: mehr Neubürger, Schub für den Tourismus, aber auch Wertsteigerung der Immobilien.

Dass Rabenaus finanzielle Spielräume eng sind, weiß Lich als langjähriger Kommunalpolitiker zur Genüge. Wie da den Gemeindeanteil an den rund 11 Millionen Euro Einstandskosten schultern, der selbst bei einem Landeszuschuss von 85 Prozent kein Pappenstiel wäre?

Für den Londorfer gilt das, was die Parteifreundin und Landrätin erst jüngst gefordert hat: Jetzt gehe es zuvörderst um ein klares Signal pro Bahn, dann erst um die – zurzeit ohnehin noch offenen – Kosten für die Anrainer. »Die müsste man sicher auf mehrere Jahre verteilen«, meint Lich auf Nachfrage. Und fügt an, dass die Gemeinde auch etwas tun müsse, gerade am Bahnhof Londorf.

Ein Kardinalthema für Rabenau ist die Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ). Die gemeinsame Kasse mit Allendorf/Lumda ist ein erster Schritt zum Verwaltungsverband. Der SPD-Kandidat reklamiert an dieser Stelle für sich, Visionen denken zu können. Und bleibt den Beweis nicht lange schuldig: »Letztlich kann ich mir den Verzicht auf einen Bürgermeister vorstellen.« Was eine Fusion bedeuten würde. Auch rechtlich hätten 5000-Einwohner-Kommunen auf Dauer wohl keine Chance.

Zwar noch mehr Zukunftsmusik, kann er sich die Ausweitung der Interkommunalen Zusammenarbeit (IKZ) auch auf Staufenberg und Lollar vorstellen. Aber auch das sei natürlich Sache dieser Kommunen. Und, so merkt er grundsätzlich an, ein Bürgermeister habe nur begrenzte Entscheidungsgewalt.

Rolf Gruninger (SPD), langjähriger Gemeindevorstand, hakt an dieser Stelle ein. »Bei der Diskussion in Allendorf habe ich gefragt, ob man jetzt, da in beiden Gemeinden gewählt werde, nicht auf einen Bürgermeister verzichten sollte (...) Da wurde ich des Saales verwiesen.«

Auch in Rabenau gibt es immer mehr Ältere mit teils großen Anwesen. Für die könne nach Lich eine grundhafte Sanierung ihrer Straße eine bis zu fünfstellige Belastung bedeuten. Eine Verteilung auf mehrere Köpfe per wiederkehrender Straßenbeiträge sei gerechter, solidarischer. Zumal: Anwohner kleinerer Straßen nutzten ja auch größere. Dass er aber hier wie in allen Fragen für frühzeitiges Einbeziehen der Bürger sei, antwortet er auf die Kritik eines Besuchers. Der hat offenbar Gegenteiliges erlebt: 20 Jahre nachdem ihm die Gemeinde versichert hatte, die Anlieger müssten nichts für die Gehsteige zahlen, sei ihm die Rechnung präsentiert worden. Lich weiß um den Fall, »das liegt zurzeit bei der Schiedsstelle des Kreises«.

Klar: Auch in Rabenau erhitzen sich viele Gemüter am Bauhof. Er werde sich dafür einsetzen, dass der Stellenplan voll ausgeschöpft, die Kollegen das richtige Werkzeug bekommen, verspricht Lich. Ebenso will er die Ehrenamtler unterstützen, ohne die vieles an Pflegearbeiten liegen bliebe.

IKZ geht nicht nur bei der Kasse, es geht auch bei der Feuerwehr. Ob nicht mit Stützpunkten die Millioneninvestitionen in die Gerätehäuser Kesselbach und Geilshausen zu vermeiden wären, fragt ein älterer Herr. Lich verweist auf die »Roten Karten« vom TÜV, auf die Motivation der aktuellen wie künftigen Einsatzkräfte, den freudigen Umstand, dass es nun in allen Ortsteilen Miniwehren gebe, und auch auf die demokratische Entscheidung im Gemeindeparlament. Fazit: »Wie Bürgermeister Hillgärtner meine auch ich, dass jeder Ort seine Feuerwehr braucht.« Eine weitere Gemeinsamkeit, freilich mit einem, der die Bürgermeisterwahl schon zweimal gewonnen hat. (Foto: tb)

Info-Abend mit Ralf Lich (links): Kooperationsmodelle, sei es für Kommunen oder Feuerwehren, kommen in der Gaststätte Zum Lumdatal auf den Tisch.



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