28. Oktober 2019, 21:52 Uhr

Denkmal vor Einweihung

28. Oktober 2019, 21:52 Uhr
Auf dem zylinderförmigen, noch verhüllten Mahnmal ist symbolhaft die Geschichte des Genozids vor 100 Jahren im Osmanischen Reich dargestellt. Menschen in Flucht und Vertreibung sind vor hügeligen Landschaften zu sehen. Ein Schwert soll den Völkermord symbolisieren.

Noch verhüllen eine graue Plane und Klebeband das mannshohe Werk, in wenigen Tagen aber soll es eingeweiht werden: Das seit Monaten in Pohlheim geplante Denkmal für die Opfer des Völkermords an Christen im Osmanischen Reich ist fertiggestellt. Seit Samstag steht es eingezäunt südlich der Christuskirche in Watzenborn-Steinberg.

Gerüchte, wonach es bereits am kommenden Samstag eingeweiht werden soll, wollte das Büro des Bürgermeisters nicht bestätigen. Bekannt ist allerdings inzwischen einiges zur Gestaltung des Denkmals. Es hat die Form eines Zylinders: Symbolhaft ist die Geschichte des Genozids vor rund 100 Jahren bildlich dargestellt. Menschen in Flucht und Vertreibung sind vor hügeligen Landschaften zu sehen. Ein Schwert soll den Völkermord symbolisieren. Zwischen 1915 und 1917 wurden die Armenier, das älteste christliche Volk, fast vollständig vernichtet. 1,5 Millionen Menschen fielen dem Genozid im Osmanischen Reich zum Opfer.

Im Landkreis Gießen leben mehr als 1000 aramäische, assyrische und chaldäische Familien, der überwiegende Teil von ihnen wohnt in Pohlheim. Vor allem für sie ist es von zentraler Bedeutung, dass man die Wahrheit des Genozids im Osmanischen Reich, den Sayfo, kennt und öffentlich macht.

Ursprünglich war die Einweihung des Mahnmals bereits im Juni vorgesehen. Das Pohlheimer Stadtparlament hatte im November 2017 einstimmig beschlossen, den Bau des Denkmals zu unterstützen. Die Entscheidung für das Werk hat danach indes hohe Wellen geschlagen. Der türkische Generalkonsul bat die Stadt Pohlheim, das Vorhaben zurückzunehmen. Im Namen der türkischen Gemeinde erwarte er, »dass Sie gemeinsam mit den Vertretern des Stadtparlaments diese Entscheidung überdenken und von dem Fortschreiten dieses Vorhabens abgesehen wird«, schrieb er. Die türkische Regierung lehnt den Begriff Völkermord ab und spricht von Massakern.

Erinnern und mahnen

Bürgermeister Udo Schöffmann und die Fraktionen des Stadtparlaments erklärten geschlossen, an dem Beschluss werde nicht gerüttelt. Es gehe »ums Erinnern und Mahnen«, sagte Schöffmann. (srs/Foto: srs)

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