20. August 2019, 21:38 Uhr

Der Funke springt schnell über

20. August 2019, 21:38 Uhr

Ein Riesenvergnügen für das Publikum im rappelvollen ehemaligen Pferdestall der Hessenbrückenmühle war am Sonntagabend der Auftritt des renommierten Eliot-Quartetts. Die vier jungen Streicher präsentierten Werke von Haydn, Mendelssohn-Bartholdy und Beethoven und erwiesen sich als technisch herausragende und beseelte Musiker. Das Publikum war im Nu aus dem Häuschen.

Die begeisterten Zuhörer applaudierten bereits nach Joseph Haydns Streichquartett Op. 20 Nr. 2 in C-Dur in vier Sätzen, das behände, mit frischem Schwung angegangen und von kraftvollem Ausdruck und Verve getragen wurde. Die jungen Musiker zeigten sogleich enorme Spielfreude, die bei allem jugendlichen Elan nie überschwänglich wurde. Schon im Moderato realisierten sie sensible Details und sanfte Nuancen, als wär’s gar nichts. Eine glasklare gemeinsame Auffassung und natürliche Kraftentfaltung zeichneten sich als weiterer Parameter ihres Spiels ab. So wurde der Zweite hoch differenziert musiziert, der Dritte kam wunderbar getragen, mit kräftigen Akzenten und dann wieder fein ziseliert, und die Transparenz wurde womöglich noch gesteigert.

Ein typisches Merkmal des Ensembles war die wunderbar homogene Tempogestaltung - man schwelgte förmlich im feinsten Wohlklang. Schließlich zog man das Tempo an, der Charakter wurde lebhafter mit einem machtvollen Dynamikgipfel - mit Schmackes gespielt - und einem famosen Abschluss. Der Abend war gewonnen, das hörte man am Applaus. Maryana Osipova, Alexander Sachs (beide Violine), Dmitry Hahalin (Viola) und Michael Preuss (Violoncello) gründeten sich 2014 in Frankfurt und gewannen bereits zahlreiche nationale und internationale Wettbewerbe. »Im Moment bereiten sie sich aufs Konzertexamen vor«, sagte Veranstalterin Dr. Evelyn Sachsenberg.

Zwei Kinderlieder der besonderen Art

Unübersehbar war der konstante tiefe Kontakt der Akteure miteinander, wobei sich auch ihre ungewöhnliche Freude am Musizieren zeigte und flugs auf Publikum übertrug. Felix Mendelssohn-Bartholdys Streichquartett in f-Moll op 80 in vier Sätzen war die nächste Attraktion, die mit einem spannenden dramatischen Intro begann, einem bedrohlichen Auf und Ab - große Aktionen wie in der Oper, mit ebenso großem Ausdruck. Im Anschluss wurde die Energie reduziert. Es gab eine zarte Rückbesinnung aufs Thema, ansatzweise erzählerisch. Dann ein sanftes Schwingen der Musik, schöne ruhige Passagen mit herrlich narrativen Bögen. In der zweiten Hälfte kräftigere Striche im Klangbild, musiziert mit förmlich jauchzender Freude und Rückkehr der furiosen Dynamik im Finale Molto mit geradezu südländischem Temperament; rauschender Beifall.

Abschluss und Höhepunkt des Abends war Ludwig van Beethovens Streichquartett in a-Moll op 132 in vier Sätzen. Mit sensibler Verve und genau bemessener Dynamik begann das Quartett, blieb aber dennoch schmelzend und flüssig, realisierte die ausgewogene Komposition exzellent. Im zweiten Satz gab es etwas ruhigere Phasen und einen frappierenden historischen Duktus, kraftvolle Akzente. Der dritte Satz erwies sich als Höhepunkt des Abends. Die souverän ausgeführten, langgezogenen orgelähnlichen Akkorde zielten ins Gemüt des Zuhörers, eine großartige Leistung.

Auch die zwei Zugaben waren ein Genuss. Zwei neu aufgetauchte Bearbeitungen für Streichquartett von Robert Schumanns Kinderliedern (»Kind im Einschlummern« und »Der Dichter spricht«) brachten wieder die herausragend organische Tonfülle und anrührende Feinsinnigkeit, die alle Zuhörer strahlen ließ, wie die Künstler beim Applaus.

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