13. April 2019, 05:45 Uhr

Der Metzger im Ruhestand und der Blick auf den Wandel der Branche

13. April 2019, 05:45 Uhr

Es ist ein trüber Tag. Graue Wolken hängen am Himmel, kühles Wetter. Im Inneren eines Cafés spricht Reinhard Rau und berichtet von einem Thema, das zu dem Wetter passt: Dem Verschwinden kleiner Metzgereien. Er selbst ist gelernter Metzgermeister, wurde durch die Schließung der Metzgerei Eiser in Utphe (die »Gießener Allgemeine Zeitung« berichtete) aufmerksam.

Rau kann auf ein langes Berufsleben als Metzger zurückblicken: Bestimmt können sich noch viele Licher an die Metzgerei in der Altstadt erinnern. Neben dem Metzgereibetrieb war Reinhard Rau auch viele Jahre im Vorstand der Fleischerinnung aktiv sowie im Vorstand der Fleischergesellenbruderschaft Gießen – die Bruderschaft löste sich vor vier Jahren auf. Am 1. September 2008 musste er sein Geschäft schließen. Ein trauriges Ende des Betriebs, der zwölf Generationen lang geführt wurde.

Im Jahr 2000 konnte man noch das 350. Jubiläum feiern, acht Jahre später war Schluss. Zuletzt führte Rau das Geschäft alleine. »Ich musste alleine bedienen, hatte ein sonst leerstehendes Haus, der Sohn hatte kein Interesse mehr daran – es war eine schwierige Zeit.« Sein Sohn absolvierte zwar eine Lehre als Metzger, zog dann aber nach Wien und arbeitete im Multimediabereich.

Ein Problem, dass sich durch die gesamte Branche zieht: Der Beruf des Metzgers hat es in den vergangenen Jahren nicht leicht. Immer mehr kleine Landmetzgereien schließen. Dabei liegt das oft nicht einmal an der wenigen Kundschaft, sondern viel mehr daran, dass es kaum noch Nachwuchs gibt. Auch davon kann Reinhard Rau berichten: »Als ich meine Ausbildung 1963 anfing, waren wir noch 30 Auszubildende in meinem Jahrgang.« Heute sind es gerade noch drei oder vier.

Auch an der Zahl der Betriebe sieht man den Wandel: 1950 waren insgesamt 250 Betriebe bei der Fleischer-Innung in Gießen gemeldet. Heute sind es gerade noch 20. Der Beruf scheint für viele nicht mehr attraktiv zu sein. Das heißt aber bei weitem nicht, dass es keine funktionierenden Metzgereien mehr gebe: Bender in Hungen, Krämer in Lollar, Engel in Wieseck und Spaar in Beuern sind nur einige Beispiele für Metzgereien, die auch heute noch gut funktionieren.

Für Rau hat das Verschwinden mehrere Gründe: Nachwuchsschwierigkeiten und hohe Auflagen machen es den Betreibern oft nicht leicht. »Man hat das Gefühl, dass das Handwerk so nicht mehr gewollt ist – und das betrifft ganz Europa«, sagt Rau. »Das ist teilweise einfach ein Schwachsinn der da abläuft – die Lobby des Handwerks ist einfach nicht die Lobby der Industrie.« Dabei sei der Beruf des Metzgers nach wie vor ein ehrbares Handwerk. (con/Foto: con)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Gießener Allgemeine
  • Handwerk
  • Himmel
  • Interessensverbände
  • Metzgereien und Schlachtereien
  • Ruhestand
  • Schließungen
  • Utphe
  • Wetter
  • Zeitungen
  • Lich
  • Constantin Hoppe
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 3 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.