Für viele Reinhardshainer dürfte es sich bei dem Hotel am Ortsrand um ein echtes Ärgernis handeln. Seit 25 Jahren schon steht es leer, lückenhafte Bauzäune erlauben die Zweckentfremdung – als Müllhalde oder Abenteuerspielplatz. Bestenfalls als Biotop: Nach und nach hat sich die Natur das Grundstück zurückerobert, und wo dereinst Gäste zur Rezeption strebten, streben heute meterhohe Laubbäume dem Licht entgegen.

Ohne näheres Hinschauen könnte das Anwesen Assoziationen zu »Dornröschen« wecken. Freilich müsste die Prinzessin ohnehin bald ausziehen: Die Stadt hat das Anwesen gekauft und wird es abreißen lassen.

Da das Wohngebiet an der Dienbergstraße überplant ist, konnte die Kommune ein Vorkaufsrecht ziehen, kann somit das öffentliche Interesse an einer städtebaulichen Aufwertung umsetzen. Dies in Gestalt eines kleinen Wohngebietes, wobei die Fläche von rund 4300 qm für maximal sechs Einfamilienhäuser reichen dürfte.

Also dürften sich jetzt die Mienen jener Reinhardshainer aufhellen, die seit Jahrzehnten immer wieder mal von der Stadt das Beseitigen des »Schandflecks« verlangt hatten. Nur war der eben in privatem Besitz.

Wie Grünbergs Bürgermeister Frank Ide auf Anfrage der Gießener Allgemeinen mahnte, braucht es noch etwas Geduld. Aktuell laufe zunächst ein Interessenbekundungsverfahren für den Abriss der beiden lang gestreckten Gebäude. Ausschreibung und Vergabe sollen im September folgen. Geht alles klar, werde der Abriss über den Winter hinweg erfolgen. Vorarbeiten aber laufen schon, Container zeugen von der Entrümpelung des einstigen Hotels.

 

Einst Hotel und Flüchtlingsheim

 

Beauftragtes Ingenieurbüro, so weiter Ide, sei parallel damit beschäftigt, die künftigen Grundstücksparzellen zu planen; samt Stichstraße sowie Kanal- und Wasserleitungen zu den Wohnhäusern. Zu den Kosten könne er im Moment noch nichts sagen. »Voraussichtlich ab dem Jahr 2020«, lautete seine Antwort auf die Frage, wann die ersten Häuslebauer loslegen könnten.

Dass die komplette »Neuordnung« des Areals – also Schadstoffuntersuchung, Abriss der Gebäude, Entsorgung – einen unteren sechsstelligen Betrag erfordert, ist klar. Inklusive Erwerb des Anwesens, so die grobe unverbindliche Schätzung politischer Beobachter, dürfte sich die Einstandsinvestition der Stadtkasse um die 400 000 Euro bewegen. Eine Investition, die aber über den Baulandverkauf zu großen Teilen refinanziert werden kann. Den immateriellen Gewinn fürs Dorfbild ganz außer Acht gelassen.

Das war das Grundstück zumindest in den ersten Jahren nach dem Bau. 1959 hatte sich der Pächter der Rastanlage Reinhardshain entschlossen, am Ortsrand noch ein Hotel Garni zu eröffnen und so Durchreisenden – damals vor allem aus Skandinavien – ein Angebot zu machen. 70 Betten, Garagen und ein Schwimmbad bot das Haus. 1985 endete das Kapitel, das Hotel wurde später zum Flüchtlingswohnheim, seit 1994 aber stand es dann für alle Zeit leer. (tb/Foto: tb)

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