13. Januar 2018, 11:30 Uhr

Die Kinokritik

»Downsizing« – Oscarreifer Christoph Waltz in sehenswerter Komödie

Menschen lassen sich verkleinern, um im Luxus zu leben. Doch das sorgt auch für viele Probleme. Ein genialer Film, findet unser Kinokritiker Patrick Dehnhardt.
13. Januar 2018, 11:30 Uhr

Von Patrick Dehnhardt , 1 Kommentar
Matt Damon und Christoph Waltz in »downsizing«. (Foto: George Kraychyk (Paramount Pictures))

 

Menschen werden verkleinert und müssen sich in dieser Situation zurechtfinden. Glaubt man schon zu kennen – schließlich gab es in den 1990er Jahren den Film »Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft«. Nach dem Kinotrailer mag man auch eine ähnliche Story erwarten – bekommt aber stattdessen einen grandiosen Kinofilm zu sehen. Dies ist nicht zuletzt der Schauspielleistung von Christoph Waltz zu verdanken.

 

Wer hat’s erfunden? Die Norweger!

 

Der Film beginnt zunächst unspektakulär: Zwei norwegische Wissenschaftler finden eine Möglichkeit, um Menschen zu verkleinern. Sie wollen damit das Problem der Überbevölkerung und der Umweltzerstörung lösen. Paul Safranek (Matt Damon) hört davon erstmals im Fernsehen: »Das ist größer als die Mondlandung.« Zehn Jahre später steckt er in einem unterbezahlten Job fest, seine Frau Audrey (Kristen Wiig) will ein größeres Haus, ihm steht das Wasser bis zum Hals.

Da hört er von dem Angebot »Leisureland«. In der Stadt der Verkleinerten sind seine bei den Versicherungen angesparten Sozialleistungen Millionen wert. Audrey und er beschließen, sich schrumpfen zu lassen. Als er nach der Prozedur aufwacht, ist Paul jedoch allein. Audrey hat noch im Operationsraum einen Rückzieher gemacht. So zieht Paul zunächst allein in die Luxusvilla ein – um nach der Scheidung in einer Mietwohnung und einem Job als Callcenter-Mitarbeiter zu landen.

 

Bissiger Christoph Waltz

 

Dabei trifft er auf seinen schrillen Nachbar Dusan (erneut oscarreif: Christoph Waltz). Dieser schmuggelt Luxusgüter wie Zigarren und Alkohol nach Leisureland. Mit bissigen Sprüchen (»die Leute sind nicht so klein wegen des Umweltschutzes geworden – sie wollten hier in Luxus leben«) hinterfragt Dusan die scheinbar heile Millionärswelt. In Dusans Wohnung trifft Paul auch auf die Bürgerrechtlerin Ngoc Lan (Hong Chau), die einst in Vietnam in einem Gefängnis zwangsweise verkleinert wurde und auf abenteuerliche Weise in die USA kam. Dusan dazu: »Da macht sie all das durch – nur um bei mir jetzt putzen zu können.« Ngoc hat auf ihrer Flucht ein Bein verloren. Nachdem Paul ihre Prothese unabsichtlich zerstört hat, hilft er ihr bei ihrer täglichen Arbeit. Und diese geht über den Putzjob weit hinaus: In ihrer Nachbarschaft, dem Armenviertel von Leisureland, kümmert sie sich um die, die bei der kleinen Gesellschaft ganz unten angekommen sind.

Regisseur Alexander Payne liefert einen wunderbaren Film ab. Statt sich in optischen Groß-Klein-Spielereien zu verlieren, bekommt man einen genauen Einblick in die Prozedur des »downsizing« – und die damit verbundenen Probleme: Die Wirtschaft verkauft weniger Produkte, Arbeitsplätze und Steuern brechen weg. Eine Parabel – denn würden die Menschen heute ebenfalls nicht mehr so viel konsumieren, hätte dies in unserem Wirtschaftssystem die gleichen Folgen. Waltz’ mit bissigen Kommentaren gespickte Rolle sorgt dafür, dass die Handlung immer wieder kritisch hinterfragt wird.

»downsizing« kommt am 18. Januar in die Kinos – und dürfte an den Kinokassen keine kleine Nummer werden.

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