12. März 2019, 22:42 Uhr

Drogen an Minderjährige abgegeben?

12. März 2019, 22:42 Uhr
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Von Harold Sekatsch

Langweilig wurde es am ersten Verhandlungstag nicht. Erst als Richter Jost Holtzmann aus dem Bundeszentralregister rezitierte und die lange Reihe der früheren Vergehen des Angeklagten aufzählte, trat eine gewisse Monotonie ein, obwohl der Mann seine Taten in bestimmten Bereichen des Strafgesetzbuches breit fächerte und damit eine gewisse Abwechslung in den Vortrag brachte. Aufgeführt waren unter anderem Diebstahl, versuchte Nötigung, Beleidigung, üble Nachrede, Fahren ohne entsprechende Fahrerlaubnis, Anstiftung zum Raub und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Und an Letzteres konnte gestern der Vorsitzende Richter der 2. großen Strafkammer am Landgericht Gießen anknüpfen.

Angeklagt war ein 37-jähriger Heuchelheimer, dem Staatsanwalt Rouven Spieler zur Last legt, zwischen März und November 2016 unerlaubt mit Betäubungsmitteln gehandelt und diese auch an einen damals 17-Jährigen abgegeben zu haben.

Der 37-Jährige, ein in Bottrop geborener griechischer Staatsbürger, wurde im vorletzten Jahr zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilt, weil er nach Auffassung des Gerichtes zwei Jugendliche zu einem Raubüberfall in Heuchelheim angestiftet hatte.

Der Grieche, der zurzeit im Gefängnis in Kassel einsitzt, bestreitet dies aber vehement, hat möglicherweise aus Verzweiflung im Gefängnis Drohbriefe verfasst und darin zwei Landsleute aufgefordert, »vor Gericht die Wahrheit zu sagen. Wenn nicht, bringe ich dich um« (die AZ berichtete).

Der Angeklagte musste am ersten Verhandlungstag gleich eine Niederlage einstecken. So hatte er den Antrag gestellt, seinen Pflichtverteidiger, Rechtsanwalt Weiß, auszuwechseln. Denn er sieht das Vertrauensverhältnis als »nachhaltig gestört« an.

Dieser Antrag wurde vom Richter abgelehnt: »Das Vertrauensverhältnis ist nicht nachhaltig erschüttert«, hielt Holtzmann entgegen. Dabei spielten unterschiedliche Auffassungen in einem vorangegangenen Prozess keine Rolle.

Wie der Angeklagte dann ausführte, habe er im Gefängnis sechs Suizidversuche unternommen, zudem sei an ihm ein Mordversuch verübt worden.

Angeklagter zeigt sich geständig

Bei der Beweisaufnahme traten mehrere junge Männer in den Zeugenstand, die schildern sollten, ob und wo, vor allem aber wann sie vom Angeklagten mit Betäubungsmitteln versorgt worden seien. Durch die Zeugen kam das Gericht der Wahrheitsfindung aber nicht wesentlich näher, da diese von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machten.

Ähnliches gilt für die Eltern der Zeugen, die entweder nichts wussten oder nichts sagen konnten. Allerdings war der Angeklagte in wesentlichen Zügen geständig, konnte aber über die von ihm veräußerte Menge an Drogen keine genauen Angaben machen, zumal er mit seiner damaligen Partnerin ebenfalls Betäubungsmittel, Cannabis-Produkte wie Haschisch oder Gras, selbst konsumiert hatte.

In der Verhandlung kam der Angeklagte immer wieder auf den Prozess aus dem Jahre 2017 zurück: »Seit zwei Jahren versuche ich, meine Unschuld zu beweisen«, rief er, das scheitere jedoch am »korrupten Oberstaatsanwalt«. »Wir haben keine korrupten Staatsanwälte«, wies ihn Spieler zurecht.

Einen Einblick in ihre Ermittlungsarbeit gewährten zwei als Zeugen geladene Kriminalbeamte: Einer der beiden Polizisten berichtete, dass die Ermittlungen gegen weitere Personen nicht weitergeführt wurden, nachdem diese vom Angeklagten informiert und bedroht worden seien. »Er hat sich von uns gelinkt gefühlt, aber wir haben ihn nicht gelinkt«, erklärte ein Kripo-Mann.

Am Donnerstag wird die Verhandlung fortgesetzt. Bis dahin will Richter Holtzmann auch ermitteln bzw. hochrechnen lassen, mit wie viel Betäubungsmitteln der Angeklagte seinerzeit gehandelt hatte. Bei einer Hausdurchsuchung bei ihm in Heuchelheim waren immerhin 400 Gramm Cannabis-Produkte gefunden worden. Außerdem konnten 4635 Euro Bargeld sichergestellt werden.



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