19. November 2019, 22:22 Uhr

Druck auf den Forst wächst

19. November 2019, 22:22 Uhr

Unter dem Thema »Wald - Wildkatze - Windenergie« hatte die Regionalgruppe Vogelsberg im bundesweit anerkannten Umweltverband Naturschutzinitiative (NI) kürzlich zu einem Waldnachmittag ins Sporthotel eingeladen. Vorsitzender Harry Neumann sagte, die große Teilnehmerzahl beweise, dass die ausgewählten Themen auf ein breites Interesse unter Fachleuten und Naturfreunden stießen.

Davon ausgehend, dass der Druck auf die Wälder größer wird, wurde die Frage gestellt, ob der Wald tatsächlich das »Multifunktionstalent« ist, als das er immer dargestellt wird. Dr. Martin Flade, Leiter des Biosphärenreservates Schorfheide/Chorin, beleuchtete die Frage, ob forstliche Bewirtschaftung die Biodiversität von Buchenwäldern fördert. Sein Fazit: Naturwaldstrukturen und eine buchenurwaldtypische Biodiversität entwickeln sich erst allmählich nach 50 bis 100 Jahren Nutzungsruhe. Durch naturschutzorientierte Bewirtschaftung könne die buchenwaldtypische Biodiversität stark gefördert werden, sie erreiche aber jene von Urwäldern nicht. Flade schlägt eine dauerwaldartige, kleinteilige Bewirtschaftung, ein kleinflächiges Mosaik aller Waldentwicklungsphasen, wie es auch schon von einigen Forstwirten vorgenommen wird, sowie hohe Totholzvorräte und den Schutz und die Förderung von Mikrohabitaten vor.

Sorge um Tierwelt

Dr. Klaus Richarz, über 20 Jahre Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte Hessen, referierte über »Windenergie im Wald und Artenschutz - Anspruch und Wirklichkeit«. In den Windanlagen sieht er durchaus ein Risikopotenzial für den auf der Roten Liste stehenden und in Deutschland beheimateten Rotmilan, den Schwarzstorch oder andere Zugvögel. Die Distanz zu den Nistplätzen werde in den Bundesländern unterschiedlich gehandelt und entspreche nicht immer den Anforderungen des Naturschutzes. Insgesamt drehten sich im Vogelsberg als ausgewiesenes Vogelschutzgebiet 178 Windräder. Dort sei eine Abnahme beim Schwarzstorch von 13 bis 14 Brutpaaren (2002) auf nur noch fünf Brutpaare (2017) zu verzeichnen. Dagegen blieben Populationen in anderen hessischen Regionen im gleichen Zeitraum stabil bzw. zeigten eine leichte Abnahme.

Abschließend informierte Wildkatzenexpertin Gabriele Neumann (NI), welche Wälder Wildkatzen als Lebensraum brauchen. Seit 2016 engagiere sich die Deutsche Wildtier-Stiftung mit einem Forschungsprojekt für die Wildkatze. Auch wenn sich der scheue Waldbewohner in den vergangenen Jahrzehnten bereits einen Teil seiner ehemaligen Lebensräume zurückerobert habe, sei die Wildkatze nach wie vor bedroht.

In der Roten Liste des Bundes werde das Tier noch immer als gefährdet und in einigen Bundesländern sogar als vom Aussterben bedroht eingestuft. Untersucht werde, ob und in welchem Ausmaß Störungen der Wälder Auswirkungen auf Wildkatzen und deren Raum-Zeit-Verhalten haben. Dabei werde unter anderem geklärt, ob von erfassbaren Störungen betroffene Areale weiterhin ihre Funktionen im Wildkatzenlebensraum erfüllen. Dazu zählen die Bereitstellung von Ruhe-, Jagd- und Reproduktionshabitaten, wobei auch hier Windkraftanlagen einen negativen Einfluss auf den Nachwuchs haben. Archivfoto: Harry Neumann/NI

Schlagworte in diesem Artikel

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 43 - 10: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.