04. Februar 2018, 23:08 Uhr

Dynamik und Experimentierfreude

04. Februar 2018, 23:08 Uhr
Kirchenpräsident Volker Jung (3.v.l.) diskutiert über Chancen und Risiken der Weiterentwicklung von künstlichen Intelligenzen. (Foto: gvl)

Ein Jour fixe der besonderen Art erlebten jetzt die Schüler des Laubach-Kollegs. Normalerweise tauschen sich Schüler und Lehrer bei dieser Vollversammlung über Themen des Schullalltags aus. Dieses Mal stand die Veranstaltung jedoch unter einem bestimmten Thema: Herausforderungen, Chancen und Risiken der Digitalisierung. Dazu führte Volker Jung, Kirchenpräsident der hessen-nassauischen Kirche. eine interaktive Podiumsdebatte mit Schülern und Lehrern.

Schulleiterin Ellen Reuther lobte, dass die Kirche die Herausforderungen und den Umgang mit der Digitalisierung thematisiert. Es folgte ein Eingangsstatement des Kirchenpräsidenten. Es führe kein Weg daran vorbei, sich mit dem Entwicklungsprozess der Digitalisierung auseinanderzusetzen, wenn man weiterhin Kirche in der Welt sein wolle.

Jung berichtete auch über seinen Besuch im Silicon Valley in den USA, wo er eine deutsche Schule besucht hatte, deren Unterricht zum Großteil über digitale Kommunikation funktioniert. Mit der Dynamik und Experimentierfreude, die er dort wahrnahm, sei vieles möglich, vor allem wenn es darum gehe, Dinge zu gestalten, die dieser Welt nützen. Jedoch könne der Anspruch nicht sein, die Welt von allen Problemen erlösen zu wollen, da dies meist das Gegenteil produziere. Darüber hinaus forderte der Kirchenpräsident die Schüler auf, nicht die Rolle des bloßen Konsumenten einzunehmen, sondern die Welt mitzugestalten und dafür die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen.

Lehrer Olaf Kühnapfel moderierte die Gesprächsrunde. Die Schüler Caroline Beierle (Q1), Elena Tzallas (Q3-Sprecherin), Amir Ali Azizi (R3) hatten ebenso wie der stellvertretende Schulsprecher Nils Endregat, Kreisschülerrats-Delegierter Moritz Linker und Verbindungslehrerin Ester Ohl Statements vorbereitet. Die Frage an die Gruppe, was das Überzeugende an Social-Media-Plattformen sei, beantworteten alle ähnlich: Caroline Beierle und Moritz Linker sagten, dass sie ihnen die Möglichkeit geben, mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben. Esther Ohl betonte, dass sie die Vernetzung mit anderen und die schnelle Übermittlung von Informationen reize.

Volker Jung hingegen äußerte sich kritisch. So müsse er sich auf Facebook als Kirchenpräsident genau überlegen, was er schreibt. Er nutze es trotzdem aus Neugierde, es gehöre dazu, sich selbst darzustellen. Man müsse aber aufpassen, welche Daten man von sich preisgibt, um zu vermeiden, dass das Internet einen irgendwann besser kennt, als die Menschen im eigenen privaten Umfeld.

Dieses Risiko sah auch Nils Endregat, der private Inhalte nur mit ausgewählten Leuten teilen will. Er sieht eine Gefahr darin, dass das Internet nie vergisst und es passieren kann, dass vor allem Jugendliche persönliche Inhalte online stellen, für die sie sich später schämen.

Diese Erfahrung hat Elena Tzallas bereits gemacht. So findet es wichtig, jungen Leuten beizubringen, sich kritisch mit dem Internet auseinanderzusetzen. Sie fragte, ab wann man Kindern und Jugendlichen dies verständlich machen könne. Moritz Linker meinte, es wäre wichtig, Schülern beizubringen, wie sie richtig mit sozialen Medien umgehen und dies zu einem größeren Thema im Unterricht zu machen.

 

Unterrichten bald Roboter?

 

Im Hinblick auf die Entwicklung von Schulen werde sich in den nächsten Jahren einiges verändern, sagte Jung. Sich vorzustellen, dass der Unterricht eines Tages von Robotern gehalten werden könnte, fiel den Schülern allerdings schwer. Nils Endregat betonte, wie wichtig es ihm sei, eine persönliche Bindung zu Lehrern aufzubauen. Zudem könnten gewisse Werte nur durch Lehrkräfte vermittelt werden und nicht durch Maschinen.

Die Frage, ob sich die Schüler mehr digitale Kommunikation mit ihren Lehrern wünsche, beantworteten alle mit nein. Caroline Beierle sagte, sie wolle nicht mit ihren Lehrern auf Facebook befreundet sein, da sie soziale Netzwerke nutze, um ihr Privatleben mit Freunden zu teilen.

Kirchenpräsident Jung betonte abschließend, dass es wichtig sei, sich der Digitalisierung vorsichtig zu nähern, sich ihr aber nicht zu verschließen, und sprach dem Laubach-Kolleg sein Lob für die Idee zu der Diskussionsrunde aus.

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