12. September 2019, 22:17 Uhr

Ehmig schmeißt die Brocken hin

12. September 2019, 22:17 Uhr
Roland Ehmig

Roland Ehmig, seit 30 Jahren in seinem Heimatdorf Treis politisch überaus aktiv, legt sein Amt als Ortsvorsteher nieder. Frust und Verärgerung sind deutlich zu hören: »Ich sehe keinen Sinn mehr, die Akzeptanz ist nicht mehr da«, sagt der Freie Wähler. Am Montag haben Ehmig und Uwe Weimar (ebenfalls FW) am Ende einer Ortsbeiratssitzung ihren Rückzug zum 30. September bekannt gegeben. Gestern waren die Schreiben im Posteingang im Rathaus.

Haben Ortsbeiräte eine Zukunft?

Die Begründung der beiden: Mit der Einrichtung von Senioren- und Jugendbeirat und den in deren Satzungen ausgewiesenen Kompetenzen werde ein Ortsbeirat überflüssig. Immer weniger Menschen kämen in die Ortsbeiratssitzungen, ärgert sich Ehmig. Wobei die Beteiligung von 15 bis 20 Besuchern in Treis durchaus noch erfreulich sei. Was den scheidenden Ortsvorsteher im Besondern wurmt: Jugend- und Seniorenbeirat sollen sogar eigene Budgets bekommen. Die habe der Ortsbeirat nicht. Ehmig: »So sehe ich keine Zukunft mehr für die Arbeit des Ortsbeirats!«

Darüber hinaus beklagt Roland Ehmig, dass der Ortsbeirat seitens des Rathauses bei Entscheidungen ungenügend eingebunden und nicht ausreichend informiert worden sei. Da benennt der streitbare Treiser die lang andauernde Beratung um die Verlegung des Fahrradwegs nach Mainzlar an die Lumda (»eine ewige Geschichte«) oder den Verkauf der Genossenschaftshalle. Ehmig: »Beispiele, die ich nicht für gut heiße und die ich nicht länger hinnehmen möchte!«

Wie geht es nun weiter im Ortsbeirat Treis? Es wird geschaut, wer bei den Freien Wählern noch auf der Liste steht und als Nachrücker in das Gremium geht. Findet sich keiner, bliebe der Ortsbeirat mit nur drei verbleibenden Mitgliedern (zwei CDU-Vertreter, ein SPD-Mann) nach wie vor arbeitsfähig. In der nächsten Sitzung ist dann so oder so ein neuer Ortsvorsteher zu wählen.

Wobei die Zukunft der Ortsbeiräte in Staufenberg ganz grundsätzlich beraten werden soll: Ehmig und Claudia Zecher, seine Vorgängerin als Fraktionsvorsitzende in Staufenberg, denken darüber nach. Die Freien Wähler wollen voraussichtlich noch in diesem Herbst beantragen, dass die Staufenberger Ortsbeiräte zur kommenden Wahlperiode hin generell aufgelöst werden. Eben weil andere Gremien und Formate der Bürgerbeteiligung gegeben seien. Neben dem Treiser Beirat gibt es seit wenigen Jahren ohnehin schon einen gemeinsamen Beirat für Staufenberg, Mainzlar und Daubringen.

Bürgermeister Peter Gefeller (SPD) bedauert in einer ersten Reaktion den Rückzug von Ehmig und Weimar aus dem Ortsbeirat. »Gerade Herr Ehmig ist seit vielen Jahrzehnten eine große Stütze in der Treiser Kommunalpolitik. Er hat sich als Ortsvorsteher immer mit aufopferungsvoller Arbeit für die Belange der Treiser Bürgerinnen und Bürger eingesetzt. Er wird als Ortsvorsteher fehlen«, sagt Gefeller. »Typen wie ihn brauchen wir in der Kommunalpolitik.« Gleiches gelte für Weimar, sagt der Bürgermeister, und er hofft, dass Weimar und Ehmig ihre Mandate als Stadtverordnete behalten. (Archiv-Foto: vh)

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