04. November 2018, 19:42 Uhr

Ein Fuchs für 3,5 Millionen Euro

04. November 2018, 19:42 Uhr
Die Zukunft des heimischen Spenglerbetriebs sorgt für einigen Diskussionsbedarf. (Foto: m)

Man nehme zwei ungleiche Schwestern (von der die eine auf einer Gasflasche als Modell posiert), einen kecken Stift, einen vorbestraften Grabungshelfer, keltische Totenrituale, eine vom Konkurs bedrohte Spenglerei sowie einen sensationellen Grabungsfund, der nicht nur den Waldgirmeser Pferdekopf in den Schatten, sondern auch alles auf den Kopf stellt – schon hat man genau die Mischung, die es für ein illustres Dorftheaterstück braucht. Mit der Premiere eröffnete die Theatergruppe des TSV Fellingshausen am Wochenende »Die Fuchsjagd«.

Fremdenzimmer sollen Geld bringen

So heißt das neue, mithin 20ste Stück, das am Ende wieder gut 1000 Gäste begeistert haben wird. Davon war bereits beim Auftakt schon jede Menge zu spüren. Viel Szenenapplaus und Bravo-Rufe gabs über die drei Stunden. Als habe »Spenglers Irich« (Erich Ruppert) mit seiner alt eingesessene Spenglerei in Fellingshausen den Betriebssitz verlegt, sah man mit Blick auf die Bühne die für eine solche Zunft typischen Werkzeuge, Maschinen und Arbeitsmaterialien. Diese phantasievoll und aufwendig gestaltete Kulisse war Dreh- und Angelpunkt des Dreiakterlustspiels »off Platt«. Die schlechtgehenden Geschäfte führen bei Helga (Ilona Böhm), der Ehefrau von Spengler Erwin Eisenbeißer (Oliver Reeh) zur Überlegung, einen Teil der vielen Zimmer des Hauses zu Fremdenzimmer zu machen.

Einzig die Grabungsleiterin am Dünsberg, Ammanda Buddelich (Heike Kienholz), sorgt mit ihrer erfolgreichen Grabungsarbeit für eine leichte Verbesserung der Auftragslage der Spenglerei. Das Unternehmen »Fremdenzimmer« kommt indes nicht in Schwung: Da tauchen plötzlich Personen auf, die den Eisenbeißers mehr oder weniger nahe stehen und aus den unterschiedlichsten Gründen eine Herberge benötigen: Die ungleiche Schwester von Helga, Wilma (Silke Burghard), eine neureiche Möchtegern-Jetsetterin, die ihr Vermögen sinnlos verprasst hat und vor dem Nichts steht. Marie (Elisa Gerlach) die Tochter der Eisenbeißers, hübsch, aber etwas naiv und weinerlich, will wieder ins gemachte Nest zurück, nachdem sie ihr Freund betrogen hat. Walter (Torsten Lang) ist der bescheidene, nicht ganz helle, aber loyale Geselle, dessen Wohnung wegen eines Wasserschadens vorübergehend unbewohnbar ist. Tommi (Jan Krauskopf), gibt den Azubi. Begriffsstutzig, lässt er sich zu allen artfremden Arbeiten missbrauchen und wurde Zuhause rausgeworfen, weil er dort Geld gestohlen hat.

Siggi (Markus Waldschmidt), ein Hochstapler, Knastbruder, Exkomplize vom Spenglereichef zu Gaunerzeiten und jetzt Grabungshelfer, setzt den geläuterten Erwin Eisenbeißer unter Druck mit einem geplanten neuen Coup. Doch da hat er die Rechnung ohne dessen Mutter gemacht: Gertrud (Christel Schmidt), meist auf Kriegsfuß mit ihrer Schwiegertochter, durchtrieben, aber herzensgut zur Enkelin, kommt den kriminellen Machenschaften des Grabungshelfers auf die Spur. Sie wohnt bereits im Hause in dem es eng zu werden droht, als neben der Grabungsleiterin auch noch der steife und überkorrekt wirkende Landesdenkmalspfleger, Prof. Dr. Archibald von Grobnitz (Heiner Marx) Wünsche auf eine Unterkunft anmeldet.

Kriminelle Energien

Alles dreht sich jedoch um den Sensationsfund – einen Bronzefuchs aus der Keltenzeit, 3,5 Millionen Euro schwer, weckt das Füchsen die kriminelle Energie einiger der Protagonisten, die sich in gegenseitige Verdächtigungen und Anschuldigungen verstricken, als der Fund plötzlich verschwindet. So nimmt das Stück seinen turbulenten Verlauf.

Geschrieben hat es Markus Waldschmidt, der mit großem Einfallsreichtum den einzelnen Akten eine durchgängige Dramaturgie mit lokalem Bezug verleiht und das Regiebuch mit vielen Überraschungen und speziellen Effekten schmückt. Die Schauspieler überzeugten mit Talent, Herz und großer Spiellust. Erst am Schluss kommt Souffleuse Monika Esposito kurz ins Spiel, um das Rätselraten um den Grabungsfuchs zu beenden. Die Theatergruppe bittet um Spenden. Das Geld wird dem Familienzentrum für krebskranke Kinder zugutekommen.

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