24. März 2019, 09:00 Uhr

3D-Drucker

Ein Hauch von Silicon Valley: Busecker Unternehmer setzt auf 3D-Drucker

3D-Drucker sind eine technische Revolution, doch außerhalb der Industrie noch wenig verbreitet. Der Busecker Unternehmer Yilin Wang will das ändern und setzt voll auf diese Technik.
24. März 2019, 09:00 Uhr
Jonas_Wissner
Von Jonas Wissner
Yilin Wang neben seinen 3D-Druckern im Showroom in Gießen. Der Sitz seines Unternehmens ist in Buseck-Oppenrod. (Foto: jwr)

Man würde es vielleicht nicht unbedingt vermuten, aber im beschaulichen Busecker Ortsteil Oppenrod weht ein Hauch von Silicon Valley. Yilin Wang wohnt hier mit seiner Frau, hier hat er auch sein Unternehmen angemeldet. Unter dem Label Dexdo entwirft der Produktentwickler 3D-Drucker und bietet auch Drucke mit dieser noch nicht allzu weit verbreiteten Technik an. »Ein schöner Ort, sehr ruhig«, sagt er über seine Wahlheimat. Sein Büro ist ebenfalls in Oppenrod.

Ein schöner Ort, sehr ruhig

Yilin Wang über seinen Wohnort Oppenrod

Kunden, Geschäftspartner oder Menschen, die sich einfach für diese Technik interessieren, empfängt er aber in Gießen im Seltersweg. Dort betreibt der Verein »MakerPop«, dem Wang und andere Industriedesigner und Gleichgesinnte angehören, einen Showroom, in dem sie andere für die enormen Möglichkeiten des räumlichen Druckens begeistern wollen und auch die nötigen Verbrauchsmaterialien vertreiben. Wang findet hier eine Plattform und stellt im Gegenzug Drucker zur Verfügung.

 

Seit 2017 konzentriert sich Wang auf 3D-Druck

Dass sich Wang auf 3D-Druck spezialisieren würde, war vor einigen Jahren noch nicht absehbar. Der gebürtige Chinese hat in Hannover studiert. »Die Maschinenbauer an der Hochschule hatten damals schon 3D-Drucker, wir aber noch nicht«, blickt er zurück. Doch schon damals habe ihn die neue Technologie fasziniert, »da habe ich viel zugeguckt«. Nach dem Studium absolvierte er ein Praktikum bei einer Firma in Bremen. Das Thema seines Projekts: Greifer für eine Wurstfabrik. Die Produkte mussten von einer Produktionsstraße auf die andere gehoben werden - und dafür brauchten die Maschinen passende Teile. »Es wäre zu teuer gewesen, das mit einer CNC-Fräse zu machen«, sagt Wang, also habe er mit einem 3D-Drucker experimentiert.

Wangs nächste Station war ein Unternehmen in Göttingen, das dann aber pleite ging. »Ich war arbeitslos und habe einen Job gesucht.« Er machte sich 2014 selbstständig. Seine Muttersprache kam ihm dabei zugute: Wang war im Im- und Export von Industrieprodukten tätig. 2017 folgte der Umzug nach Oppenrod – und Wang konzentrierte sich auf 3D-Druck.

 

Ideen um die Welt schicken

Als junger Unternehmer auf diese Karte zu setzen, ist freilich nicht ohne Risiko: Rund 30 000 Euro habe er allein in Marketing und Website investiert, noch einmal so viel in die Technik. Doch mehr und mehr mache sich diese Entscheidung bezahlt. Wang schwärmt von den Vorzügen von 3D-Druckern gegenüber Frästechnik, bei der eine Menge Material als Verschnitt übrig bleibt. »Mit den Druckern kann man direkt Prototypen entwickeln, zum Kunden bringen und schauen, ob es ihm gefällt«, statt nur zweidimensionale Pläne oder Simulationen vorzulegen. »So können Prozesse unglaublich beschleunigt werden.« Die High-Tech-Maschinen seien »nicht nur ein Werkzeug – man kann eine Idee um die Welt schicken und woanders ausdrucken lassen«.

Wang richtet sich weniger an Industriekunden, sondern vor allem an Privatleute, die die Technik nutzen wollen. Von kleinen Anhängern und Figuren bis zu speziellen Maschinenteilen kann vieles erschaffen werden – sogar aus Metall. Ein Geschäftspartner, der gerade im Showroom zu Besuch ist und sich auf 3D-Scanner spezialisiert hat, nennt einen Kundenwunsch als Beispiel: Ein Repair-Café, also ein offener Treff zum Reparieren, habe Staubsaugerteile in Auftrag gegeben, die sonst schwer zu beschaffen seien.

Aus Wangs Sicht bietet diese Technik auch eine Möglichkeit für mehr Individualisierung: »Alle tragen die gleichen Jacken, kaufen dieselben Dinge – das ist langweilig. Der 3D-Drucker bietet Raum für eigene Ideen.« Noch sehe er aber Luft nach oben – vor allem in Sachen Genauigkeit und Geschwindigkeit beim Drucken. Und bis sich in der breiten Bevölkerung herumgesprochen habe, was alles möglich ist, werde es wohl noch dauern. »Es interessiert die Leute, aber viele können sich noch nicht vorstellen, wofür man es alles nutzen kann.« Das dürfte sich allmählich ändern – unter kräftiger Mitwirkung von Technik-Pionieren wie Yilin Wang aus Oppenrod..

Info

Zur Person

Yilin Wang, 37 Jahre alt, stammt aus der Provinz Liaoning im Nordosten Chinas, seit 2014 ist er deutscher Staatsbürger. Nach dem Studium der Lebensmittelverpackungstechnologie an der Fachhochschule Hannover arbeitete er in Bremen und Göttingen, bis er sich mit dem Unternehmen Dexdo selbstständig machte und 2017 nach Oppenrod zog.



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