18. September 2017, 20:19 Uhr

Ein Leben für die Literatur

18. September 2017, 20:19 Uhr
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Von Constantin Hoppe
Stefan Gurtner und Sabine Jorkowski stellen »Das Leben des jüdischen Verlegers Werner Guttentag zwischen Deutschland und Bolivien« vor. (Foto: con)

Es hat schon etwas von Ironie, wenn man just zu dem Zeitpunkt seine Liebe für Bücher erkennt, wenn andere anfangen sie zu verbrennen. So erging es auch dem jüdischen Verleger Werner Guttentag, als 1933 in Deutschland die Nationalsozialisten an die Macht kamen.

Neue Heimat Bolivien

Dieser Liebe zur Literatur hat sich der in Bolivien lebende Autor Stefan Gurtner angenommen und ein Buch über den Verleger verfasst. Am Freitag stellte er dies zusammen mit der Erzählerin Sabine Jorkowski in der Stadtbibliothek in Lich vor.

Schon in seiner Jugend entdeckt Guttentag die Literatur für sich und beginnt Mitte der 1930er Jahre in seinem Zimmer in der elterlichen Wohnung, verbotene Bücher zu verstecken. Seine Mutter entdeckt und verbrennt sie schließlich. »Ich weinte, als ich sah, wie all die Bücher die ich noch nicht lesen konnte, brannten«. Ein Ereignis, das ihn prägen sollte: 1938 flieht er aus Deutschland, um schließlich Bolivien zu erreichen. Dort gründete er schließlich einen eigenen Verlag, um selbst Bücher zu publizieren.

Literatur und Bolivien? Ja, das passt zusammen: Mit seinem Verlag wollte Werner Guttentag zeigen, dass Bolivien nicht nur Armut, Staatsstreiche und Korruption zu bieten hat, sondern dass auch dort einer der wertvollsten Schätze eines Volkes die Gedanken und Ideen seiner Bewohner sind. »Nicht lesen, was Bolivien hervorbringt, bedeutet: nicht wissen, was Bolivien ist«, so stets lautete das Motto des Verlags von Werner Guttentag.



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