08. Mai 2019, 22:21 Uhr

Ein alter Bekannter ist zurück

08. Mai 2019, 22:21 Uhr
Kein Fisch, obwohl man ihn früher dafür hielt: Ein Biber in seinem Element. Die putzigen Gesellen sind u. a. im Naturschutzgebiet »Mittlere Horloffaue« bei Utphe zu beobachten. (Foto: NABU-Umweltwerkstatt Wetterau)

Mit dem Frühling beginnt für viele Tier- und Pflanzenarten der alljährliche Reproduktionszyklus: Auch der Biber, eine relativ neue wiedereingewanderte Tierart in Mittelhessen, baut seine Höhle, legt Dämme und Rückstaubereiche zur Gestaltung seines engeren Lebensraumes innerhalb der abgegrenzten Flussreviere an. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, wurde der Biber in den vergangenen Jahrhunderten doch wegen seines wertvollen Pelzes und seines schmackhaften Fleisches bis zur Ausrottung im 19. Jahrhundert unerbittlich verfolgt. Erinnerten bis vor wenigen Jahren nur Namen wie Biebertal, Biebergraben, Bieberbach, Biebergemünd etc. an den einstigen, fast überall an heimischen Gewässern vorkommenden Biber, gab es etwa seit Anfang der 2000er Jahre die ersten Sichtungen solcher Tiere in der Wetterau. Im Landkreis Gießen wurde der erste dieser pelzigen Gesellen 2007 im Naturschutzgebiet »Mittlere Hor-loffaue« bei Utphe ausgemacht.

Über den Biber und seine Lebensweise klärte kürzlich ein Vortrag der Hungener Naturschutzgruppen NABU und HGON im voll besetzten Kulturzentrum auf. Referent Frank-Uwe Pfuhl von der »Umweltwerkstatt Wetterau« informierte in einer anschaulichen Präsentation über die Biologie dieser Tiere. Er war mit dem eigens für solche Zwecke entwickelten »Bibermobil« angereist, was im Anschluss und in der Pause des Vortrages besichtigt werden konnte.

Für Pfuhl als ausgewiesenen Gewässerexperten ist die Rückkehr des Bibers in seine angestammten Lebensräume auch eine Herzensangelegenheit, zeugt dies doch davon, dass die landschaftlichen Potenziale der Gewässer und der sie umgebenden Auen vielfach noch entwicklungsfähig sind. Gerade auch die EU-Wasserrahmen-Richtlinie bietet seiner Ansicht nach einige Möglichkeiten, Gewässer wieder naturnäher und lebensfreundlicher zu gestalten. In lockerem Plauderton nahm der Referent die Zuhörer im Kulturzentrum mit auf eine Reise durch die Lebensräume und Lebensweise dieser Tiere.

Der Biber-Beauftragte des Regierungspräsidiums Gießen, Gunther Weisert, thematisierte in Bildern aus der Praxis die Verbreitung des Bibers in Mittelhessen und im Landkreis Gießen und beleuchtete auch das durchaus vorhandene Konfliktpotenzial mit an Flussläufe angrenzenden Landnutzungen. Vielfach sind die angesprochenen Konflikte durch angrenzende Nutzer »hausgemacht«, da sie zu nahe am Gewässer wirtschaften oder auch nicht standortangepasste Nutzungen in Gewässernähe betreiben. Der Gefahr durch Vernässungen bei einer »aktiven Gewässergestaltung« durch den Biber versucht man seitens des Landes Hessen und mancher Kommunen dadurch zu begegnen, dass überstauungsgefährdete Auenbereiche erworben und in öffentliches Eigentum überführt werden. Weisert verwies jedoch darauf, dass auch der Biber als naturschutzrechtlich streng geschützte Tierart »nicht machen kann, was er will«. Wenn die Tiere immense Dammbauwerke und Wohnburgen in Gewässern errichten, sogar große Bäume mit ihren messerscharfen Zähnen fällen, muss der Biberbeauftragte als Schnittstelle zwischen teilweise berechtigten Bürgerinteressen und seinen behördlichen Aufgaben abwägen, vermitteln und auch aktiv einschreiten.

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