25. Februar 2019, 21:56 Uhr

Ein musikalisches Panoptikum

25. Februar 2019, 21:56 Uhr

Der Marburger Gitarrist und Sänger Dieter Bornschlegel präsentierte am Samstag im Kunst- und Kulturkreis Wettenberg (KuKuK) einen Abend mit einer »Psychedelic freestyle solo guitar performance«. Das klang vielversprechend, besonders, da Bornschlegel früher bei berühmten Bands wie »Atlantis« und »Guru Guru« mitwirkte. In der Kleinkunstsparte war’s jedenfalls das erste Konzert, das alle Grenzen überschritt: ein musikalisches Panoptikum.

Bornschlegel (Jahrgang 1954) lebt und arbeitet in Marburg. Er komponiert, spielt Gitarre und Trommel und unterrichtet auch beides.

Sein Spielstil ist auch sehenswert. Er hat das Instrument auf den Knien liegen und spielt es fast wie eine Lapsteel-Gitarre, nur dass er die Töne am Hals mit den Fingerspitzen greift und nicht mit einem Stahlstab oder einer Glasröhre variiert. Ihm geht es weniger um den gleitenden Effekt der Lap-steel als vielmehr um eine stakkatoartige Spielweise. Die ist zugleich das Thema, denn die verwendete Technik ermöglicht rasende Tonfolgen, die er besipielsweise lose um ein Thema gruppiert, anfangs mit etwas zu fettem Echo.

Bornschlegel ist ein versierter Musiker, alles ist sauber gesungen. Zu Beginn des Konzerts spielt er allerdings eher grob, laut, und in gewisser Weise überbetont, und konzentriert sich auf bekannte Rockmuster, die viele Zuschauer mitnehmen, allerdings keinen Inhalt mehr besitzen.

Grooves und Klangschalenklänge

Aber es gibt auch sehr ruhige instrumentale Titel, besinnlich und beruhigend, in denen Bornschlegel entspannt und entspannend dahingleitet, mit weitem Hall, der die Atmosphäre erweitert. Das ist kontrastreich und farbig (»Early morning«). In »Ich möchte kein Tier sein« verstolpert er sich etwas mit den Effekten (Hall, Echo, Looper, Wahwah und mehr).

Dabei ist Bornschlegel ein fähiger Musiker, der vollkommen fließend sein Gitarrenspiel, elektronische Effekte und nicht zuletzt einen traumhaft sicheren Perkussionsstil zusammenfließen lassen kann. Dann kommt es zu einem erstklassigen Groove, und in der Zurückhaltung findet er zu großer Vielfalt und Ästhetik.

Seine Akkordklänge erinnern gelegentlich in Teilen an Klangschalen, und zuweilen findet er auch zu meditativer Qualität. Dann wieder legt er ein sehr schönes lebhaftes Begleitmuster zugrunde und schwebt einfach. Ab und zu rutscht er jedoch aus der musikalischen Spur in den freien Nonsens, findet dann aber wieder zu fetzigen Rhythmen, intensiver und mitreißender Spielweise.

Auf der normal gestimmten Gitarre geht dann noch ein bisschen die ästhetische Sonne auf, und Bornschlegels professionelle Kompetenz erweist sich erneut, beim Gesang war sie schon länger klar. So ganz hat der Abend zwar keine Richtung, aber Bornschlegel findet immer wieder Mittel, seine Zuhörer für die von ihm begonnene neue Tour zu begeistern. Er erhält heftigen Beifall für einen sehr interessanten Abend.

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