09. August 2019, 21:53 Uhr

Dokumentarfilmerin im »Traumstern«

Eine Geschichte des Zerfalls

09. August 2019, 21:53 Uhr
Lilo Mangelsdorff vor dem Plakat ihres Films an der Tür des Kinos Traumstern.

Eine Geschichte der Zeit erzählt Lilo Mangelsdorff in ihrem neuen Dokumentarfilm »Monowi Nebraska«. Am Mittwoch stellte die Frankfurter Filmemacherin das Werk über einen Ort mit nur einer Bewohnerin in den USA vor und sprach mit einem interessierten Publikum. Die Hauptperson ist eine alte Dame, die irgendwo in Nebraska eine kleine Kneipe betreibt - und mit sich und der Welt im Einklang lebt.

Die Natur holt sich den Ort mit seinen zerfallenden Häusern langsam zurück. Elsie Eiler geht jeden Morgen an »Rudy’s Bibliothek« vorbei, einem kleinen Häuschen, vollgestopft mit 5000 Büchern, in denen sie gelegentlich stöbert. Der Rest des Ortes verfällt.

Elsie hat sechs Tage die Woche offen und ist von morgens neun bis abends spät für ihre Gäste da. Sie brät Hamburger, serviert Kaffee und diverse amerikanische Standardmahlzeiten. Und natürlich ist sie immer für ein Schwätzchen zu haben. »Sie braucht die Einnahmen nicht direkt«, erklärte Mangelsdorff, »aber sie hat eben die Gesellschaft ganz gern - so ist immer was los«.

Premiere in der Dorfkneipe

Der Film zeigt die Einsamkeit inmitten einer grandiosen Natur, allerdings in einem friedlichen, entspannten Licht. Vor dem Eingang der Kneipe warten die Katzen geduldig darauf, dass irgendetwas geschieht - oder Rosie das Fressen bringt. Viel passiert hier nicht, ab und zu fährt auf dem Highway 12 ein Pickup vorbei, danach herrscht wieder Ruhe. Der Film zeigt das und setzt immer wieder sehr geschickt Akzente der Ruhe.

Hinterher gab es Lob für »die angenehme Langsamkeit des Films« und Fragen. Über einen Bericht in der »Frankfurter Zeitung« war die Autorin auf den Ort aufmerksam geworden. 2014 und 2015 besuchte sie Elsie, 2017 zeigte sie ihr und den Gästen den Film. Von Elsie gab es ein Lob für die Dokumentation. Mangelsdorff sagte: »Der Verfall ist für die dortigen Menschen kein Thema. Für uns ist das ja sehenswert, in den USA aber normal: Ein Ort wird verlassen, und dann verfällt er eben.« Und alles wird ganz still. »Es hat einfach gut getan, ein anderes Stück Amerika zu sehen«, sagte Lilo Mangelsdorff. (Foto: usw)

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