10. März 2017, 19:51 Uhr

Es muss weitergehen

10. März 2017, 19:51 Uhr
Masorca Schmitt (r.) und Sylvia Venohr bilden das Führungsduo des Seniorenheims Casa Reha in Lollar. (Foto: khn)

Isolde Metz hatte geplant, Masorca Schmitt langsam zu ihrer Nachfolgerin aufzubauen. Die 40-Jährige sollte irgendwann die Leitung des Lollarer Seniorenheims Casa Reha übernehmen. Wenn die zeit reif ist. Doch Metz verstarb Anfang Januar. Die Einrichtung am Grünen Weg stand ohne ihre langjährige und prägende Chefin da. »Sie war nicht nur unsere Vorgesetzte«, sagt Schmitt, »sondern ein Teil von uns. Unsere Mentorin und unsere Freundin.« Die Pflegeleiterin Sylvia Venohr steht neben ihr und nickt. Aus dem Dreigestirn wurde ein Duo – weil der Tod dazwischen kam. Seit diesem Monat ist Schmitt nun offiziell die neue Heimleiterin der Casa Reha, in der 186 Menschen leben und betreut werden.

Parallel zu dem personellen Neuanfang muss das Seniorenheim auch die Veränderungen stemmen, die im vergangenen Jahr durch den Kauf der Gruppe durch den französische Altenheim- und Klinikbetreiber Korian kommen werden. Die Lollarer schreckt das nicht. Um einen Schnitt zu machen, hat Schmitt das Büro der Heimleitung umgestaltet. »Platz für Trauer ist da«, sagt sie«, aber wir müssen weitermachen.«

Weitermachen – das passt gut zu der 40-Jährigen, die in Wißmar mit drei Generationen unter einem Dach lebt. 2003 begann sie bei Casa Reha ihre Ausbildung zur Krankenpflegerin, wurde 2007 Wohnbereichsleiterin und war ab 2009 Stellvertreterin von Venohr. Seit 2016 macht sie eine Ausbildung zur Heimleiterin. Die Karriere von Schmitt ist typisch für das Seniorenheim, das Venohr trotz der Zugehörigkeit zu einer Kette Familienbetrieb nennt. »Wir haben 126 Mitarbeiter, viele von ihnen sind seit Langem dabei«, sagt sie. Nicht wenige, die als Praktikanten angefangen hätten, seien heute noch dabei. Auch gibt es ganze Familiendynastien bei den Mitarbeitern. Die Mutter und die Tochter der Pflegeleiterin zum Beispiel sind ebenfalls bei Casa Reha beschäftigt.

Ist das Lollarer Heim also eine Ausnahme Bei all den Warnungen, wenn überall geklagt wird, der Pflege ging der Nachwuchs aus? Venohr schüttelt mit dem Kopf. »Einen Fachkräftemangel sehe ich nicht.« Das Problem sei eher, dass nicht jeder für den Job geeignet sei. »Es geht nicht um gute Noten, sondern darum, mit welchem Gefühl ich an meine Arbeit gehe«, sagt sie. Altenpfleger müssten sich auf alte Menschen einlassen können. Das sei schwerer, als es klinge. Denn die Großeltern mancher Auszubildenden lebten weit weg, es gebe dementsprechend wenig engen Kontakt mit alten Menschen. Die Pflegeschüler bekommen einen ungeschönten Einblick in die Arbeit – mit den positiven Seiten des Alterns, aber auch mit negativen. Hinzu kommt eine Bezahlung, die Venohr für nicht angemessen hält. »Wer weiß, worauf er sich einlässt, den unterstützen wir ohne Wenn und Aber«, betont sie.

Schmitt jedenfalls ist diesen Weg gegangen. Sie wird nun die Einrichtung in einer Zeit leiten, in der sich Pflege strukturell verändern wird. An ihrer Seite wird »Taxi« sein, ein zweieinhalbjähriger Bobtail-Mischling. An vier Tagen in der Woche ist der Hund im Seniorenheim und für die Bewohner da. Schmitt erzählt die Geschichte eines Mannes, der vor wenigen Tagen an ihrer Tür klopfte. Er sei schwermütig. Ob er »Taxi« streicheln dürfe? Natürlich durfte er das. Nach ein paar Minuten sei der Bewohner mit einem Lächeln wieder gegangen. Schöne Momente in einer ungewissen Zeit.

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